Lindau ist finanziell am Erfolg der Therme beteiligt

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Schwäbische Zeitung

Um Risiken bei der langjährigen Vertragspartnerschaft mit Investor Andreas Schauer zu vermeiden, lässt sich die Stadt bei der Vertragsgestaltung von hochkarätigen Fachleuten beraten. Rechtsanwalt Thomas Kuhnle von Luther Rechtsanwälte Stuttgart und Bäderexperte Jörg Bemmerl von der Carat-Beratungsgesellschaft in Düsseldorf gaben Einblick in die umfangreichen und komplizierten Verträge und Geldflüsse.

Am wichtigsten war für die Stadträte die Übersicht über die Zahlungsströme. Demnach sind die Details noch nicht klar, es steht aber schon fest, dass die Stadt nach Verrechnung der Einnahmen aus dem Erbbauzins und der Pachtzahlung noch 190000 Euro Betriebskosten an die Firma bezahlen muss, mittels der Investor Andreas Schauer die Therme Lindau betreiben wird. Dieser Betrag unterliegt der üblichen Preissteigerung.

Zusätzlich verpflichtet sich die Stadt 30 Jahre lang jedes Jahr einen Zuschuss in Höhe von 490000 Euro an Schauers Betriebsgesellschaft zu überweisen. Dieser Betrag ermöglicht es ihm, zinsgünstig Kredite aufzunehmen. Die Stadt bietet den Banken Sicherheit, denn dieses Geld muss weiterfließen, auch wenn Schauer pleite gehen sollte.

Stadt will viel Geld sparen

Weitere Zuschüsse muss die Stadt nicht bezahlen. Allerdings wird sie Eigentümerin des sogenannten Grundversorgungsbades, zu dem Strandbad sowie das Sport- und Familienbad gehören. Im Fall einer Pleite des Investors könnte die Stadt dieses Bad allein weiterführen. Der Bau sei so geplant, dass dies auch möglich ist, wenn sich kein neuer Betreiber für Therme und Sauna fände. Dafür muss die Stadt ihren Teil selbst bauen und dafür 11,5 Millionen Euro aufbringen und finanzieren.

Insgesamt liegen die Kosten für die Stadt Lindau damit weit unter den derzeit pro Jahr nötigen mehr als 1,8 Millionen Euro für Limare und Strandbad Eichwald. Wahrscheinlich wird man insgesamt sogar unter den 1,3 Millionen Euro liegen, die bisher als Budget für die Therme genannt waren.

Dafür bekommt Lindau nicht nur einen professionellen Badbetreiber, der die Mitarbeiter der Bäderbetriebe zu bisherigen Bedingungen übernimmt. Zusätzlich ist vereinbart, dass die Betriebsgesellschaft jedes Jahr jeweils 150000 Euro für die Instandhaltung des Grundversorgungsbads und des Thermen- und Saunabereichs auf ein Sonderkonto zahlt. Über die Ausgaben im städtischen Bad entscheiden die Stadträte, wie sie auch die Eintrittspreise und die Regeln für Schulen und Vereine bestimmen.

Bei einem Erfolg der Therme, also wenn mehr als 225000 Besucher im Jahr Therme und Sauna buchen, verpflichtet sich Investor Schauer zur Zahlung von zwei Euro pro zusätzlichem Besucher. Das Geld kommt ebenfalls auf ein Sonderkonto, aus dem heraus die Stadt zusätzliche Rutschen, Becken oder anderes finanzieren kann. Sonst müsste die Stadt solche Aufwendungen aus eigenem Haushalt bezahlen.

Noch nicht abgeschlossen sind steuerrechtliche Prüfungen, die Verantwortlichen gehen aber davon aus, dass der steuerliche Querverbund zwischen Stadtwerken und Bad erhalten bleibt, denn die Stadtwerke tragen ja von den Verlusten eine Million Euro im Jahr. Den Rest zahlt die Stadt selbst.

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