Lindau Islanders gewinnen im Alltagsspiel gegen Weiden

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Lange dauerte es, bis das erste Tor der Lindauer gegen Weiden fiel – doch nach dem 1:0 durch Ludwig Nirschl platzte der Knoten b
Lange dauerte es, bis das erste Tor der Lindauer gegen Weiden fiel – doch nach dem 1:0 durch Florian Lüsch platzte der Knoten bei den Islanders gegen Weiden. (Foto: Christian Flemming)
Martin Deck

Vielleicht hatten die EV Lindau Islanders ihr Pulver bereits im Derby am Freitagabend verschossen. Vielleicht fehlte ihnen aber einfach auch nur die Anfeuerung durch die Zuschauer. Schließlich hatten die Lindauer am Freitag in Memmingen vor mehr als 2200 Zuschauern gespielt und diesen bestes Eishockey-Spektakel bis zur Schlusssirene geboten – auch wenn sie sich am Ende mit 6:7 (3:2, 1:1, 2:3, 0:1) n.V. geschlagen geben mussten. Für Islanders-Trainer Franz Sturm dennoch eine besondere Partie: „Das war ein Spitzenspiel mit einer Spitzenkulisse.“

Am Sonntag herrschte wieder Alltag in der Eishockey-Oberliga. Knapp 600 Zuschauer, darunter kaum Fans der Gäste aus Weiden, sahen eine eher holprige Partie. Dieses Mal jedoch mit einem klaren Sieg für Lindau. Die Islanders gewannen 4:2 (0:0, 3:1, 1:1). Der Lindauer Fanclub versuchte mit Trommeln und Gesang für Stimmung zu sorgen, an die Atmosphäre in Memmingen kam das aber natürlich nicht heran.

Der Goalie als bester Mann

„Es ist unsere Aufgabe für Stimmung zu sorgen“, sagte Coach Sturm nach dem Spiel. Zumindest im ersten Drittel gelang dies seiner Mannschaft nicht. Nach dem anstrengenden Derby am Freitag, kamen die Islanders nur schwer in die Partie. Zwar gab es Chancen auf beiden Seiten, diese wurden jedoch leichtfertig vergeben oder von den beiden Torhütern Lucas Di Berardo (Lindau) und Jonas Neffin (Weiden) entschärft. So ging es mit einem torlosen Unentschieden in die erste Drittelpause. Zum Vergleich: Am Freitag in Memmingen waren zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Tore gefallen, Lindau führte mit 3:2.

Und auch gegen Weiden waren die Islanders im zweiten Drittel bemüht, ihrem Heimpublikum etwas von ihrem Offensivkönnen zu zeigen. Die Lindauer waren nun klar spielbestimmend, konnten dies aber vorerst nicht in Tore ummünzen – weil Neffin einen ganz starken Abend erwischt hatte. Zunächst scheiterten Ludwig Nirschl und Ales Kranjc mit einer Doppelchance am Torhüter, dann parierte Neffin stark gegen Norris und Klingler. Und auch Di Berardo auf der Gegenseite entschärfte die paar Schüsse, die Weiden aufs Tor brachte, mit teils tollen Paraden.

Lindau jetzt auf Platz sieben

Und so dauerte es fast 35 Minuten, ehe die Torsirene am Sonntagabend das erste Mal schrillte. Ludwig Nirschl nutzte eine Unordnung in der Weidener Defensive und hämmerte den Puck zum 1:0 für Lindau unter die Latte. Der Knotenlöser. Jetzt bekamen auch die Lindauer Zuschauer Offensivaktionen im Sekundentakt geliefert – auf beiden Seiten. Zunächst glichen die Blue Devils Weiden in Überzahl durch Adam Schusser aus (37.), nur sieben Sekunden später hatten die Islanders großes Glück, nicht in Rückstand zu geraten. Ein Schuss von David Zillertal prallte an die Latte und landete wohl vor der Torlinie wieder auf dem Eis. Einen Videobeweis gibt es in der Oberliga jedoch nicht. So entschied Schiedsrichter Erich Sinbgaitis zunächst auf Tor für Weiden, revidierte seine Entscheidung aber nach Rücksprache mit seinen Linienrichtern. Für Weidens Trainer Kenn Latta völlig unverständlich: „Wenn man keinen Videobeweis hat und der Schiedsrichter sagt Tor, dann ist es meiner Meinung nach auch Tor. Weshalb er das 30 Sekunden später anders sieht, verstehe ich nicht.“

Nur weitere 20 Sekunden später war die Sache deutlich klarer. Kapitän Andreas Farny nutzte die Verunsicherung der Weidener und brachte die Lindauer erneut in Führung. Noch vor der Pause erhöhte sein Bruder David Farny auf 3:1.

Damit war das Offensivspektakel vorerst wieder beendet. Im Schlussabschnitt drückte Weiden zwar auf den Anschluss, scheiterte aber mehrfach an Di Berardo. Die Islanders ihrerseits zeigten sich effektiver und nutzten einen Tempogegenstoß zum vorentscheidenden 4:1. Julian Tischendorf traf ins kurze Eck (49.).

Anders als in Memmingen, als die Islanders sich mit zwei späten Toren zum 6:6 in die Verlängerung retteten, kam im Lindauer Eisstadion keine Spannung mehr auf – obwohl der EVL die letzten fünf Minuten in Unterzahl spielen musste. Ludwig Nirschl hatte nach einem harten Check ein Spieldauerstrafe erhalten. Doch Weiden kam nur noch zum 2:4-Anschluss durch Martin Heinisch. Am Ende hielt der beste Mann auf dem Eis, Lucas Di Berardo, den verdienten Sieg fest. „Wir hatten heute 48 Schüsse, aber der Torhüter war heute überall“, ärgerte sich Gästetrainer Latta nach dem Spiel. „Er war heute sehr stark.“

Durch die vier Punkte an diesem Wochenende klettern die Islanders in der Tabelle auf Rang sieben. Und so war die Stimmung im Lindauer Eisstadion am Ende doch noch hervorragend.

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