Lindau hat 38 neue Handwerksgesellen

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38 Handwerker kann der Kreishandwerksmeister Uli Kaiser (vorne links außen) in diesem Frühjahr freisprechen.
38 Handwerker kann der Kreishandwerksmeister Uli Kaiser (vorne links außen) in diesem Frühjahr freisprechen. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Bei der traditionellen Frühjahrs-Freisprechung hat Lindaus Kreishandwerksmeister Uli Kaiser 38 – mittlerweile ehemalige – Auszubildende aus verschiedenen Gewerken freigesprochen. Die Junggesellen erhielten im Sparkassensaal ihre Gesellenbriefe und dürfen sich nun darüber Gedanken machen, ob sie sich eines Tages selbstständig machen wollen oder nicht.

Die mögliche Selbstständigkeit war das große Thema des Abends, bevor die Junghandwerker ihren Freispruch erhielten. Der jahrelangen Tradition folgend, ließ Moderator Thomas Bergert die Freizusprechenden und die Prominenz der ersten beiden Reihen zu Beginn aufstehen, erstere deswegen, damit die Ehrengäste sehen konnten, wem sie da Beifall zu geben hatten.

Der ganze Rahmen der Feier hat inzwischen Tradition, so auch die musikalischen Beiträge der Dirty Five aus dem Westallgäu, die dieses Mal zu viert da waren. Bandleader Andreas Speckmann hatte neben Günter Fink am Schlagzeug Leonhard Tronsberg am E-Bass und vor allem Sängerin Jasmin Stiefenhofer dabei, die mit ihrer warmen dunklen Stimme begeisterte. Zur Tradition gehören auch verschiedene Gesprächsrunden, zu denen Thomas Bergert verschiedene Gäste aus dem Publikum an seinen Stehtisch holt, wo sie über das Thema des Abends und die eigentlichen Ehrengäste, die Freizusprechenden, befragt werden.

Risiko Selbstständigkeit

Kreishandwerkermeister Uli Kaiser, danach befragt, ob die Selbstständigkeit ein Risiko sei oder eine Chance darstellt, differenzierte seine Antwort. Im Baugewerbe sei es derzeit eindeutig eine Chance, sich selbstständig zu machen. Dazu brauche es aber nicht mehr Mut, als sich überhaupt für das Handwerk als Beruf zu entscheiden. „Aber es empfiehlt sich jetzt, zu überlegen und eventuell bereits von nun an die Selbstständigkeit zu planen“, riet er den Junggesellen. Und auf die Frage nach den Voraussetzungen, die ein Handwerker mitbringen müsste für eine Selbstständigkeit, zitierte der Kreishandwerksmeister Heini Staudinger, einen österreichischen Vorzeigeunternehmer, der da jüngst in Lindau zu dem Thema sagte: „Scheiß de ned an, mach dir ned zu viele Gedanken, auch wenn du ned alle Bedingungen der Bank erfüllst!“

Auch Bürgermeister Uwe Birk als Vertreter der Stadt Lindau sah in selbstständigen Handwerkern ein wichtiges Element der Gesellschaft und stellte fest, „Die Anliegen der Handwerker werden hier in Lindau ernst genommen“. Auf Parallelen zwischen selbstständigen Handwerkern und Anwälten, wie Birk selbst einer ist, angesprochen, meinte er, dass Selbstständige eventuell mehr verdienten, wobei in der Realität oftmals die Angestellten mehr verdienten als ihre Chefs. „Aber gerade in der Kfz-Branche, wo fundamentale Umbrüche anstehen, ist das sehr spannend“, schloss er.

„Handwerker als Häuptlinge“

Auch die weiteren Talkgäste Bergerts, darunter Margret Mader als Stellvertretende Landrätin oder auch der Landtagsabgeordneter Thomas Gering, unter anderem im Landtag für lebenslanges Lernen zuständig. „Das klingt nach Gefägnnis, ist aber gut gegen Langeweile im Beruf“, so sein Credo, das der Vizepräsident der Handwerkskammer für Schwaben, Konrad Rebholz, im eigentlichen Beruf in der Elektrobranche, nur bestätigen konnte. Denn gerade in seiner Sparte habe es in den vergangenen Jahren enorme Weiterentwicklungen gegeben, „da muss man ständig am Ball bleiben“, was für alle technischen Berufe gelte. Er bot für Überlegungen über eine Selbstständigkeit die Dienste der Handwerkskammer an: „Gerade Beratung ist der größte Bereich der Kammer, sie hilft bei Businessplänen oder Bankkontakten, sie ist unabhängig, berät kostenlos, aber nicht umsonst!“

Gering, befragt, was Bayern bräuchte, Häuptlinge oder Indianer, antwortete schlagfertig: „Bayern braucht Handwerker als Häuptlinge! Es braucht Meister als Staatsbürger, die lernen Verantwortung und soziale Kompetenzen.“ Bayern sei ein gutes Land für das Handwerk, es habe gute Strukturen neben der ganzen Großindustrie, befand er. Der Landtag gäbe Geld aus staatlichen Mitteln, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu unterstützen, „eine Krawatte beim Bankbesuch hilft normalerweise auch“ und man dürfe nicht beratungsresistent sein.

Axel Schnell von der Sparkasse revidierte diese Aussage ganz spontan: „Auch wir Banker müssen lebenslang lernen, heutzutage braucht es keine Krawatte mehr, aber wir müssen die Begeisterung für den Beruf spüren, das ist wichtiger als so ein Kulturstrick“. Auch Susanne Müller-Koberstein von der Agentur für Arbeit, Bernhard Feigl von der Wirtschaftskammer Vorarlberg und Uli Pfanner ermunterten den Nachwuchs, sich mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit auseinanderzusetzen.

Die Gesellen

Insgesamt 38 Auszubildende, darunter zwei Frauen, haben bei der Frühjahrsfreisprechung der Kreishandwerkskammer Lindau ihre Gesellenbriefe erhalten.

In der Innung für Elektro- und Informationstechnik wurden freigesprochen: Marvin Achberger (Elektro Herz, Lindau), Cornelius Böhme (Elektro Schilz, Opfenbach), Markus Brock (Elektro Christian Bauch, Lindau), Dominik Frikke (Elektro Grundl, Ellhofen), Jan Gerle (Elektro Christian Bauch, Lindau), Pius Grabherr (Elektro Norbert Fuchs, Opfenbach), Sebastian Reich (Elektrotechnik Brasser, Wasserburg), Matthias Rudhart (Sinz Haustechnik, Heimenkirch), Johannes Schmidt (Elektro Kohler, Lindenberg) und Sven Sprenger (Elektro Götze, Lindau).

Bei der Kfz-Innung wurden die Gesellenbriefe übergeben an: Simon Achberger (Weber&Seitz, Lindenberg), Erwin Banahov (ATC Autotechnik-Center, Lindenberg), Nadine Bartsch (Autohaus Feinaigle, Röthenbach), die sich damit ihren Kindheitstraum erfüllt hat, aber nun die nächste Ausbildung zur Berufskraftfahrerin begonnen hat, Lukas Bauer (Kfz Ortmann, Hergatz), Ahmet Bostanli (Autohaus Seitz, Lindau), Wolfgang Dietl (Autohaus Stadler, Wasserburg), Valentin Dorner (Rief Autotechnik, Oberreute), Sally Brayn Kupfer (Autohaus Unterberger, Lindau), Janik Mahrle (Autohaus Stadler, Wasserburg), Marvon Mayer (Peter Mayer, Wasserburg), Jesse Sattler (Autohaus Unterberger, Lindenberg), Eric Scholz (Autohaus Weber & Seitz, Lindenberg) und Andy Gino Würfel (Ralph Klauber und Bernhard Pölzl, Sigmarszell).

Bei den Schreinern gab es eine Freisprechung: Katharina Volkert (Schreinerei Kuhn, Weiler).

Bei der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik war die Gruppe wieder größer. Es wurden freigesprochen: Felix Freilinger (Göser Heizungsbau, Wasserburg), Christopher Schropp (KHW Konzmann), Matthias Schwärzler (Haustechnik Berkmann, Stiefenhofen), Michael Trautmann (Stiefenhofer Energie und Haustechnik, Lindenberg), Timo Weiler (Eberhardt & Membarth) und Philipp Waligora (Würschinger, Lindau).

Das Zimmererhandwerk hat drei neue Junggesellen: Domenik Christian Briegel (Daniel Trunzer, Opfenbach), Merlin Filgis (Ulrich Zeh, Maierhöfen) und Dominic Stapf (Christian Behmann, Oberstaufen).

Bei den Metallern gab es vier Freisprechungen: René Bruno Gelle (Hanzmann & Kraft, Hergensweiler), Johannes Pfanner (Steinhauser Metalltechnik, Scheidegg), Jonas Stark (Röthlingshöfer Schlosserei und Metallbau, Weißensberg) und Marvin Webb (Metallbau Fäßler, Scheidegg).

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