Leopold Herz ist am liebsten nah an der Basis

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Das Lindau-Quiz: So schlägt sich Leopold Herz
Kurz vor der bayerischen Landtagswahl nimmt die Lindauer Zeitung die Stimmkreis-Kandidaten in die Mangel. Was wissen die Menschen, die Lindau im Landtag vertreten wollen, überhaupt über den Landkreis? Das Quiz entlarvt sie alle.

Die LZ wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt der CSU-Kandidat Eric Beißwenger.

Wenn Leopold Herz von München zurück zu seiner Familie ins beschauliche Wertach im Oberallgäu kommt, ist die Welt für ihn wieder in Ordnung. „Nach drei Tagen München sage ich immer: Ich muss zurück zu Menschen“, erzählt er und lacht. In Wertach, da ist der 65-Jährige geboren, dort steht sein Bauernhof – und dort hat er die Liebe zur Politik entdeckt.

Und zwar schon als kleiner Bub, denn das Hause Herz war von je her politisch. „Mein Vater hat die AUD, die Aktionsgemeinschaft unabhängiger Deutscher, mitgegründet“, erzählt er. Damals, als gerade einmal Zehnjähriger, habe er mitbekommen, wie so eine Partei funktioniert.

Schon vorher musste Leopold Herz allerdings am eigenen Leib erfahren, wie hart die Kindheit in einem gut 2000-Einwohner-Dorf sein kann – und welche Wirkung Alkohol hat. „Ich war gerade acht, da haben mir die älteren Nachbarsbuben eine Maß Bier hingestellt, halbvoll mit Bier und halbvoll mit Schnaps“, erzählt er. Der kleine Leopold trank in großen Schlucken „bis ich spucken musste.“ Vom Papa daheim gab es eine Watschen – und einen Liter Milch zum Entgiften.

Einige Jahre später, Leopold Herz ist bereits verheiratet und Vater von vier Kindern, wird er zum Gemeinde- und Kreisrat in seinem Heimatort gewählt. Bei der Landtagswahl 2008 kandidiert er schließlich zum ersten Mal als Kandidat der Freien Wähler für den Stimmkreis Lindau-Sonthofen – und zieht in den Landtag ein.

Ruf der Politik wieder aufpolieren

Herz ist es wichtig, mitzugestalten. „Damals, bei meinem Vater, da ging es darum, neu zu gestalten“, sagt er. „Aber die Arbeit ist heute nicht einfacher als damals in der Entwicklungsgesellschaft.“Das liege unter anderem daran, dass die Politik einen schlechten Ruf habe. Den möchte Leopold Herz, wie er sagt, wieder aufpolieren. „Wir müssen nicht nur davon reden, näher am Bürger zu sein, sondern es auch tun.“ Und daraus ergäben sich dann ganz automatisch die Themen für die tägliche Politik.

Die Probleme der Bauern im Allgäu jedenfalls kennt Herz ganz genau: Bis vor fünf Jahren leitete er in Wertach seinen eigenen Milchkuhbetrieb. Dann hat sein Sohn den Hof übernommen und daraus einen Mutterkuhbetrieb gemacht. „Gerade bei der Fleischproduktion muss man den Kunden mehr Regionalität nahe bringen“, sagt Herz. Weil das nicht über den Preis funktioniere, müsse bei den Verbrauchern mehr Bewusstsein geschaffen werden. „Ich wünsche mir, dass da auch gesetzlich mehr kommt“, so Herz. „Wir haben an die Verantwortung appelliert, aber das fruchtet nichts.“ Den Bauern selbst rät er, ihre Kräfte zu bündeln. „Dann kann man viel besser verhandeln.“

In Zusammenarbeit wird auch die Arbeit am Hof der Familie Herz in Wertach erledigt. „Ich bin immer froh, wenn ich bei der Geburt von einem Kalb helfen darf“, sagt Herz, der seinen Sohn, wie er sagt, über den Sommer zeitweise täglich bei der Arbeit unterstützt hat. „Man kann nicht über was sprechen, wovon man keine Ahnung hat.“

Situation an bayerischen Schulen verbessern

Im bayerischen Landtag ist Herz Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie im Bildung- und Kultusausschuss. In den vergangenen fünf Jahren war er außerdem agrarpolitischer Sprecher der Freien Wähler. In dieser Funktion achte er darauf, wie sich die Umsetzung der EU-Agrarreform auf die landwirtschaftlichen Betriebe auswirkt. „Die klein- und mittelständischen landwirtschaftlichen Familienbetriebe müssen nachhaltig gestärkt werden, damit sie entsprechende Planungssicherheit haben und erhalten bleiben.“

Neben den Bauern, Winzern und Fischern ist es die Situation an den bayerischen Schulen, die Herz, der mittlerweile zwölf Enkelkinder hat, beschäftigt. „Es gibt einen klaren Lehrermangel an Grund- und Mittelschulen. Wir müssen schauen, dass nicht noch mehr nach Baden-Württemberg abwandern“, sagt er. Dafür brauche es in Bayern schlicht ein attraktiveres Angebot. „Ich fordere eine Unterrichtsgarantie“, so Herz, „außerdem müssen viele befristete Stellen in unbefristete umgewandelt werden.“

Um mitzubekommen, welche Probleme es konkret in Lindau zu lösen gilt, ist Herz, wie er sagt, in engem Kontakt mit den Stadträten. Eingesetzt habe er sich unter anderem für die Förderungen beim Inselhallen-Neubau. „Geld wird in Lindau immer Thema bleiben“, sagt er. Abgesehen davon gelte es, Lindau in München immer wieder ins Spiel zu bringen – zum Beispiel, indem er den Bodenseewein dort bekannt mache. „Ich versuche immer zu sagen: Lindau ist auch noch da.“

Denn schließlich ginge es ihm darum, einen Großteil der Bürger in Bayern zu vertreten. Aus diesem Grund habe er sich übrigens auch vor vielen Jahren die Freien Wähler ausgesucht. „Es ist die Partei, die den größten Spielraum ermöglicht. Wir haben keine Einheitsmeinung“, sagt Herz. „Und wir sind verankert im Bürgertum. Weil wir von der Basis kommen.“

Die LZ wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt der CSU-Kandidat Eric Beißwenger.

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