Leon Jost bei WM dabeiOhne Eltern nach Antigua

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Volker Göbner

Mit elf Jahren schon bei zwei Weltmeisterschaften aktiv gewesen zu sein, können nicht allzu viele Menschen von sich behaupten. Auf den Lindauer Segler Leon Jost vom Württembergischen Yacht Club trifft dies zu. Der Elfjährige segelte bei der Ausscheidungsregatta um die begehrten WM- und EM-Tickets auf Rang vier und darf erneut zur Weltmeisterschaft der Optimist-Dinghies.

Fünf WM-Plätze galt es für den deutschen Nachwuchs vor Warnemünde zu vergeben. Riccardo Honold (BYC Überlingen ) und Lukas Goyarzu (WYC) – beide ebenfalls aus der Seemooser Trainingsgruppe des Landesverbands – dürfen darüber hinaus zur Europameisterschaft. „Leon freut sich sehr“, berichtete Vater Frank Jost direkt von der Ostsee. Die WM wird im Juli in Antigua ausgesegelt – ein Traumrevier für die jungen Talente. Am 1. Juli fliegen die fünf deutschen WM-Teilnehmer mit Trainer und einer Betreuerin – ohne Eltern – in die Karibik. Das Lindauer Valentin-Heider-Gymnasium muss dann wohl zwei Wochen ohne seinen jungen Segelstar auskommen. Voriges Jahr segelte Leon Jost in Zypern als zweitbester Deutscher auf Rang 23 bei 264 Teilnehmern.

Vierter von 80 Startern

Nur 80 Starter, die Besten der deutschen Rangliste, waren bei der WM-Ausscheidung in Warnemünde zugelassen. Sehr schwierige Bedingungen herrschten auf der Ostsee. Zuerst stürmte es fast zwei Tage lang, dass niemand aufs Wasser konnte. Dann wurden bei immer noch sehr starkem Wind (über sechs Beaufort) die ersten drei Wettfahrten gesegelt. Leon Jost erwischte einen schlechten Start, kam nur auf Platz 25 ins Ziel. Mit den Plätzen fünf und sechs in den beiden anderen Rennen war er zufrieden. Tags darauf sollte es zwar weniger stark wehen – doch der Wind kümmert sich nicht um die Vorhersage. Eine Wettfahrt wurde gesegelt – Leon war als Dritter im Ziel –, eine zweite dann wegen eines 90-Grad-Winddrehers und einer anrückenden schwarzen Wolkenfront abgebrochen.

Am Sonntag war der Wind endlich etwas schwächer, die Sonne lachte über dem Meer. In Windeseile wurden bei drei bis vier Windstärken drei Wettfahrten hintereinander durchgezogen. Das erste Rennen hatte Leon Jost unter taktischen Gesichtspunkten gesegelt. Der Start war nicht berühmt, aber seine beiden direkten Konkurrenten waren hinter ihm, auch wenn er nur auf Platz 24 segelte. „Dann hat er noch mal Gas gegeben“, hatte der Vater stolz von der Mole aus beobachtet: Mit den Plätzen zwei und drei rückte Leon Jost insgesamt auf Rang vier vor.

Auf Rang sechs kam Riccardo Honold, auf Rang neun Lukas Goyarzu. Die beiden haben damit je eines der insgesamt sieben Tickets für EM Ende Juni im französischen Crozon ersegelt. Für alle drei beginnt die Vorbereitung schon Mitte Mai, mit einem Training und der Regatta um den „Goldenen Opti“ in Kiel.

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