Leidenschaftlicher Auftakt des Konzertjahres

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 Das Westallgäuer Kammerorchester hat auch heuer einen guten Auftakt in das Konzertjahr geboten.
Das Westallgäuer Kammerorchester hat auch heuer einen guten Auftakt in das Konzertjahr geboten. (Foto: Archiv: Rößel)
Katharina von Glasenapp

Zum traditionellen Neujahrskonzert lud das Westallgäuer Kammerorchester unter der Leitung von Marcus Hartmann am Freitag in den Gewölbesaal des Heilig-Geist-Spitals. Profimusiker, Studenten etwa des Vorarlberger Landeskonservatoriums und Laienmusiker wirken dort zusammen. Das engagierte Spiel und die leidenschaftliche Hingabe eines jeden Musikers, jeder Musikerin werden von Marcus Hartmann auf gleich impulsgebende Weise unterstützt. Als Solisten hatte man den Bariton Christian Feichtmair eingeladen, der sich in der Rolle des „Maestro di Cappella“ nach Herzenslust ausleben konnte.

Wolfgang Amadeus Mozart hat 1786 in seinem Singspiel „Der Schauspieldirektor“ die Gepflogenheiten von Theaterdirektoren und einander übertrumpfenden Sängerinnen aufs Korn genommen. Die kurzweilige Ouvertüre, in der die Instrumentengruppen einander die Bälle zuspielen, stand am Anfang des Programms.

In seiner Kantate „Il Maestro di Cappella“ (Der Kapellmeister) hält der neapolitanische Komponist Domenico Cimarosa der Arbeit eines Dirigenten den Spiegel vor. Hier ist es ein selbstgefälliger Sänger, der sein Orchester erst zur Ordnung rufen muss, bevor eine inspirierte Aufführung zustande kommt. Musikalische Arbeit, gleichsam aus dem Leben gegriffen, mit kieksenden Hörnern, einem wild gewordenen Kontrabass, Musikern, die nicht zählen und nicht zum Dirigenten schauen… Es ist eine Paraderolle für Christian Feichtmair, der als großer Meister im Frack auftritt, die Instrumente und ihre Klangfarben imitiert, bis sich ein „Orchester ersten Ranges“ mit beherztem Spiel zusammengefunden hat.

Die Zuhörer schmunzeln und klatschen begeistert Beifall

Mit seinem beweglichen, warmen Bariton und seiner Wortdeutlichkeit kann er mit Musik und Text spielen. Mit ihm und Marcus Hartmann stehen zwei Dirigenten mit ausladenden Bewegungen auf der Bühne, die sichtlich Spaß haben. Es ist auch ein Kabinettstückchen musikalischer Charakterisierungskunst, bei dem Konzertmeister Ekkehart Mirwald, Kontrabassist Darius Grimmel oder die Oboistin Melissa Hartmann glänzen können. Und wenn das Orchester kurz vor Schluss streikt, mit Geld zum Weiterspielen bestochen wird – Scheine für die Holzbläser, Münzen für die Hornisten – und das Stück schließlich kraftvoll zu Ende bringt, bleiben Schmunzeln und Beifall nicht aus.

Mit der dritten Sinfonie des im Alter von 35 Jahren verstorbenen Beethoven-Zeitgenossen Antonio Casimir Cartellieri lernte man ein Werk aus der Fülle der unbekannteren Klassiker kennen. Da gibt es eine spannungsreiche langsame Einleitung zum schwingenden Hauptsatz, der im Gewölbesaal manchmal recht direkt klingt (bei der zweiten Aufführung im Lindenberger Löwensaal tags darauf herrschten sicherlich ganz andere Bedingungen). Nah an der Musik von Joseph Haydn klingt das zierliche Andante in seinem Miteinander von Streichern und Bläsern und den gefälligen Variationen. Ein gemütvolles Menuett mit fein schwingendem Trio und ein Finale mit dynamischen Kontrasten und kontrapunktischer Arbeit zeichnen diese Symphonie außerdem aus. Marcus Hartmann hat das farbenreiche Werk mit viel Liebe zum Detail einstudiert und geleitet.

Wie es sich für ein Neujahrskonzert gehört, verabschiedete sich auch das Westallgäuer Kammerorchester mit Musik der Strauß-Familie: In „Feuerfest“ kam unter den Händen von Artur Tronsberg sogar ein Amboss samt und Tischfeuerwerk zum Einsatz, der „Radetzky-Marsch“ verströmte seinen unverwüstlichen Charme.

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