Lehrreiches zum Thema Wohlstandsgefälle

Lesedauer: 6 Min

Green Day, ein Projekttag am Bodenseegymnasium. Verschiedene Aktion für die verschiedenen Klassenstufen führen den Schülern die
Green Day, ein Projekttag am Bodenseegymnasium. Verschiedene Aktion für die verschiedenen Klassenstufen führen den Schülern die Ungleichheit und Ungerechtigkeit dieser Welt nahe. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Lange Gesichter bei den Fünftklässlern im Bodensee-Gymnasium: „Das soll ein Frühstück sein?“ Vor einer Gruppe steht ein Schälchen Reis in der Mitte, bei der anderen eine paar Bananen und am dritten Tisch wartet ein dünner Fladen darauf, geteilt zu werden, damit für alle am Tisch etwas zu essen da ist. Ja, und dann sind da noch drei vorne an einem kleinen Tisch, da gibt es Bananen, Semmeln, Butter und verschiedene Sorten von Brotaufstrich und selbst Wurst fehlt da nicht. Das ist doch nicht gerecht, oder?

Genau darum geht es bei diesem Frühstück, das vom „Green Team“ serviert wird. Es ist der Green Day, ein Projekttag, der bereits zum sechsten Mal gegen Ende des Schuljahres stattfindet. An diesem Tag sind alle, Schüler wie Lehrer, dazu angehalten, mit dem Fahrrad, zu Fuß, oder wenn sie gar zu weit weg wohnen, mit dem Bus zur Schule kommen sollen. Entsprechend leer ist der Parkplatz vor und neben dem Gymnasium, es sieht aus wie in der Ferienzeit.

Doch in der Schule herrscht emsiges Treiben. Das Green Team um den Lehrer Florian Vogler hat für die fünften bis zehnten Klassen einiges vorbereitet, das im Zusammenhang mit Umweltschutz, Klima und der Ungerechtigkeit in der Welt zu tun hat. In der Mensa macht Dietmar Stoller von der lokalen Agenda die Achtklässler mit Fairem Handel vertraut, während dahinter im Musiksaal der berühmte Al Gore-Film zum globalen Klimawandel für die neunte Klasse gezeigt wird.

Für die sechste Klasse war vorgesehen, einen Baukasten zum Thema Welternährung mit diversen Stationen durchzuarbeiten. Der war aber nicht rechtzeitig geliefert worden und so gab es für sie einen Film zum Thema Plastik. Plastik in Lebensmitteln, Kosmetika und Plastikmüll in den Weltmeeren.

Ein anderer Themenkasten war rechtzeitig da – Michael Remiorz vom Landratsamt hatte den organisiert und hatte ihn Florian Vogler angeboten. Der passte aus aktuellem Anlass hervorragend, gerade auch für die pubertierenden Siebtklässler und trägt den Namen „Rund um den Ball“. Gemeint ist natürlich der Fußball. Die Jugendlichen hatte hier verschiedene Stationen vor sich, mit Themen wie „Europäischer Fußball – ein Platz für Menschenhandel?“ oder „Spiel des (Über)lebens - wie müssen sich Arbeitsbedingungen verändern?“, „Was kostet dein Schuh – wer verdient daran am meisten und wer am wenigsten?“, „Auf Tore anstatt auf Menschen schießen“, „Fußball als Religion“ oder auch „Brasilianischer Fußball“. Letzteres schien das heiterste, ging es doch hier um ein Miniturnier auf einem Minifeld mit einer Münze als Spielball. Zu all den Stationen galt es, Fragen zu beantworten und erstaunt festzustellen, was es da alles so gibt, das man nie mit Fußball oder der Weltmeisterschaft in Zusammenhang gebracht hätte. Das Thema Geld in der Welt des runden Leders spielte da eine gravierende Rolle.

Ein Teil der Zehntklässler kam in den Genuss, von Bernhard Stiegler den Klimaatlas vorgestellt zu bekommen. Über viele Jahre wurden die Temperaturen und alle möglichen Daten im Bodenseeraum gemessen und diese Sammlung nun dem Bodenseegymnasium überlassen.

Derweil wurden die Gesichter der Fünftklässler immer länger und die Stimmung angespannter. Denn die Drei da vorne an der Tafel ließen sich ihr prächtiges Frühstück unüberhörbar schmecken. Bitten der anderen, etwas davon abzubekommen, wurden großzügig abgelehnt oder einer bekam ein winziges Bröckchen von einer Semmel ab. Natürlich ohne irgendeinem Aufstrich oder Stück Wurst. „Genau das ist das Ziel: Die sollen das am eigenen Leib erfahren, wie ungerecht das verteilt ist“, flüstert einer vom Green Team. So richtig spaßig finden es die Kinder wirklich nicht, zumal an dem Tisch „Asien“ mit der Reisschale moniert wird, dass der Reis nicht einmal gesalzen sei. Dir Gruppe „Afrika“ aber hatte so gut gewirtschaftet, dass eine Banane noch übrig war. Die durften sie dann auch noch aufteilen. Die Ungerechtigkeit der Essensverteilung hingegen fand eine Fortsetzung am Tisch Lateinamerika. Hier hatte ein Junge den Fladen so aufgeteilt, dass für ihn fast die Hälfte übrigblieb. Ein Spiegel der Gesellschaft, könnte man da schlussfolgern.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen