Lösung für Berliner Platz drängt

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Ulrich Stock

Nur ein gutes Dutzend Interessierter ist der Einladung der Lindauer FDP zur ersten Bürgerrunde im neuen Jahr gefolgt, was sicher auch dem Termin geschuldet war, denn viele befanden sich am Freitag noch im Weihnachtsurlaub. Der Brisanz der gewählten Themen tat dies allerdings keinen Abbruch – das Spektrum reichte vom Dauerthema Parkplätze über die künftige Verkehrssituation am Berliner Platz bis hin zu den Kommunalwahlen im kommenden Jahr. Darüber hinaus informierte der in Gründung befindliche Förderverein Hoyerbergschlössle über seine Ziele (siehe Kasten).

Hausherr und FDP-Stadtrat Ulrich Jöckel eröffnete den Themenreigen mit dem Karl-Bever-Platz, wo ein Parkhaus und ein Hotel errichtet werden sollen. Einem „unüberlegten Stadtratsbeschluss“ stellte er ein „vernünftiges Konzept“ gegenüber, nach dem seiner Meinung nach „auf den vorhandenen Parkplätzen eine zweite, bei Bedarf auch eine dritte Parkebene aufgeständert werden“ sollte. Mit dieser kostengünstigen Variante könnten insgesamt bis zu 600 Parkplätze geschaffen werden, was den Wegfall des Parkplatzes auf der Hinteren Insel (durch Landesgartenschau und künftige Bebauung) weitgehend kompensieren würde.

Hotel am falschen Ort

Der neue Parkbereich sollte jedoch, so Jöckel weiter, in erster Linie der Stärkung der Insel-Kaufkraft dienen und den Insel-Beschäftigten zur Verfügung stehen, weniger den Touristen. Den Bau eines Hotels an dieser Stelle, dessen „Notwendigkeit erst nochmals analysiert werden muss“, hält der FDP-Stadtrat für falsch. Dafür gebe es bessere Standorte, zum Beispiel auf den Bahnflächen der Hinteren Insel. Letztere hätte man auch bei der „Blümchenschau“ miteinbeziehen müssen, denn in der jetzigen Form werde die Landesgartenschau wohl mit einem Minus abschließen. Jöckel sprach sich ferner gegen den Neubau der Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau (GTL) aus und forderte stattdessen, mehr Geld in die Schulen zu investieren. Den Bedarf hierfür bezifferte er auf sechs bis zehn Millionen Euro.

Für die Kommunalwahlen im Frühjahr 2020 werde sich die FDP rechtzeitig positionieren, kündigte Jöckel an. Es sei kein Problem, zehn Kandidaten aufzubringen, zumal die Liberalen gute Oppositionspolitik machen würden. Was die OB-Wahl betrifft, gehe er davon aus, dass Gerhard Ecker sein Amt vorzeitig abgeben wird.

Zum geplanten Fern- und Regionalbahnhof Reutin präsentierte Jöckel Visualisierungen, welche die vier geplanten Bahnsteige, eine Überführung und die Aufzüge zeigen. In diesem Zusammenhang kritisierte er, dass die Ferngleise mit rund 320 Metern Länge bis auf Höhe „Limare“ zurückreichten und zum überwiegenden Teil, ebenso wie die Gleise drei und vier, nicht mal überdacht sind. Bemängelt wurde von Bürgern aus der Runde eine fehlende Verbindung (Überbrückung) vom Berliner Platz zur Ladestraße, die es ja früher gab. Jöckel wiederum erklärte, es könne nicht angehen, dass man beim Verkehrskonzept Berliner Platz zurzeit über eine „Übergangslösung“ diskutiere, anstatt eine „finale Lösung“ zu erarbeiten – zumal der Bahnhof Reutin in knapp zwei Jahren in Betrieb gehen wird.

Fehlendes Gesamtkonzept

An diesem Punkt entspannte sich dann auch die Diskussion. Einig war man sich, dass es für den „wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Lindaus“ ein Gesamtkonzept braucht, das die Verkehrsströme rund um den Reutiner Bahnhof ebenso berücksichtigt wie die im Umfeld des Lindauparks. Realistisch betrachtet könne ein solches Konzept aber nur stufenweise bis zum Jahr 2030, längstens 2035, umgesetzt werden, weil es nicht möglich sei, das alles auf einmal unter einen Hut zu bekommen, so die Einschätzung von Lindaupark-Chef Jürgen Rockstroh, der ebenfalls anwesend war. Das müsse alles zusammenpassen – die noch offene Bebauung des ehemaligen Cofely-Areals, die geplante Erweiterung des Lindauparks und der neue Bahnhof.

„Es fehlt nach wie vor ein Verkehrskonzept, das funktioniert“, brachte es ein Zuhörer auf den Punkt. Jöckel meint, ein solches zu haben, und legte in der Runde eine Skizze vor, die am Berliner Platz einen „langgezogenen Kreisverkehr“ vorsieht. Damit könnten alle Ein-, Aus- und Zufahrten beibehalten werden, der Bahnhof hätte eine direkte Zufahrt, und Fußgänger wie Radfahrer könnten über die Straßen geführt werden. Allerdings müsste für diese Lösung das Gebäude Bodensee-Hotel weichen, wozu Eigentümer Lorenz Schlechter bei entsprechendem Ersatz an anderer Stelle bereit sei, wie Jöckel hinzufügte.

„Die Bürger machen immer wieder Vorschläge, diese finden aber bei der Verwaltung der Stadt meist keine Resonanz“, kritisierte abschließend Andreas von Hollen (FDP). Und Jöckel fügte hinzu: „Besonders bei der Suche nach einer Gesamtlösung für den Berliner Platz ist viel Zeit versäumt worden.“

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