Kurzurlaub in der Inselhalle

Lesedauer: 6 Min
Die sechs Darsteller von „Ab in den Süden“ sind ausgebildete Musicalsänger, die Espen Nowacki für diese Bühnenshow verpflichtet
Die sechs Darsteller von „Ab in den Süden“ sind ausgebildete Musicalsänger, die Espen Nowacki für diese Bühnenshow verpflichtet hat (von links): Jeanne-Marie Nigl alias Resi, Matthias Graf als Michael, Dalma Viczina als Anita, Dominic Niedenzu als Torben, Johanna Wypich in der Rolle der Marina und Michael Müller als Jonny. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Während das Schneechaos am Samstag die Lindauer schier in den Wahnsinn getrieben hat, ist die Stimmung in der Inselhalle anlässlich der heißesten Party des noch jungen Jahres gestiegen. Beim Musical „Ab in den Süden“ heißt es anschnallen, Handys aus und los geht die musikalische Flugreise auf eine Ferieninsel. Der Flieger – pardon, die Inselhalle – war dabei etwa zu zwei Drittel gefüllt und die Fluggäste hatten enorm viel Spaß.

Die sechs Musicaldarsteller landen in „Ab in den Süden“ irgendwo in einer Bettenburg an der Riviera. Im Gepäck haben sie rund 50 Schlager aus einem guten halben Jahrhundert, aus denen sie die amüsante und turbulente Komödie basteln. Freche Sprüche über Viagarafälle und steife Lehrer, schamloses Geflirte und wilder Partnertausch: „Ab in den Süden“ von Espen Nowacki ist so herrlich schräg, dass es schon wieder Potenzial für eine verrückte Kultshow in sich trägt. Jede gespielte Szene mündet zwangsläufig in einen der Schlager, denen das Musical gewidmet ist, und so trifft Conny Froboess mit ihren kleinen Italienern auf die atemlose Helene Fischer, die Schickeria der Spider Murphy Gang auf das knallrote Gummiboot von Wencke Myhre. Das Publikum wird zu Mitreisenden und Hotelgästen und bei Bedarf in die Geschichte eingebaut – so wie Karlheinz, der mit Marina, alias Johanna Wypich, huckepack in den Sonnenuntergang reiten darf. Das Pferd ist selbstverständlich Karlheinz. Die Liebesgeschichten werden zum heiteren Ringelpiez ohne Anfassen, und es ist herrlich anzusehen, wie die sympathischen Darsteller zwar alles geben, aber nichts, und vor allem sich selbst nicht, allzu ernst nehmen – dabei aber gesanglich eine wirklich respektable Leistung bringen.

Du hast den Farbfilm vergessen

Ein bisschen zum Inhalt der Geschichte: „Ab in den Süden“, heißt es für drei Paare, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Kaum im Hotel angekommen gibt es die ersten Verwicklungen, wenn Torbens Mathelehrer Michael Schnitzler Torbens 17-jährige Freundin Marina anschmachtet, die noch Träume hat (Peggy March), aber selbstverständlich nicht immer 17 bleiben kann (Chris Roberts). Torben wiederum Anita begehrt, in der ein Vulkan schlummert (Costa Cordalis), und der coole Jonny auf die dralle Resi steht, die in Richtung ihres gockelnden Ehemanns „ach, wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ singt. Von den Männern wird gesanglich berichtet, dass sie im Tor stehen, den Farbfilm vergessen haben (Nina Hagen), 1000 mal gelogen haben (Andrea Berg), oder der Meinung sind, das bisschen Haushalt (Johanna von Koczian) mache sich von allein. Ganz sicher herausragend ist die Leistung der entzückenden Rockröhre Resi (Jeanne-Marie Nigl), die herrlich zornig-rebellisch keine Schokolade sondern lieber einen Mann will. Oder Dominic Niedenzu als Torben, der sich als echte Rampensau entpuppt und irgendwann sogar im Baströckchen auf der Bühne steht und an der Hüfte Bananen trägt. Zwischen ein bisschen Spaß (Markus) und roten Lippen, die man küssen soll (Cliff Richard), entstehen neue Pärchen und die Erkenntnis, dass die Liebe ein seltsames Spiel ist (Connie Francis), letztlich der Bossa Nova an allem schuld ist (Manuela) und leider doch alle Männer Schweine sind (Die Ärzte). Und deshalb muss an Tagen wie diesen (Die Toten Hosen) ein bisschen Frieden (Nicole) geschaffen werden, bevor es mit Major Tom (Peter Schilling) völlig schwerelos durchs Weltall und dann mit dem Fliegerlied (Donikkl) wieder zurück nach Hause geht. Das Reiseziel ist längst erreicht: Die Stimmung im Saal hat abgehoben, die Party läuft, das Publikum hält nichts mehr auf den Stühlen: Es singt, klatscht, schunkelt und tanzt fröhlich mit, fordert am Ende mit viel Beifall energisch eine Zugabe. Beim gemeinsam gesungenen Que sera sera“ (Doris Day) stehen sich Darsteller und Zuschauer der unbeschwerten Show strahlend gegenüber. Und wer nach der Landung noch nicht genug hat, der trifft die Musicalstars im Foyer, wo sie eine ausgiebige Autogrammstunde geben.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen