Klimaschutz und Mobilität hängen zusammen

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Zur nachhaltigen Mobilität gehört auch Car-Sharing. Wielant Ratz (links) vom Verein „Bodenseemobil" präsentiert bei der Auftakt
Zur nachhaltigen Mobilität gehört auch Car-Sharing. Wielant Ratz (links) vom Verein „Bodenseemobil" präsentiert bei der Auftaktveranstaltung zur Europäischen Mobilitätswoche sein neues Elektroauto, für das die Stadt auf dem Karl-Bever-Platz einen Parkplatz reserviert hat. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Die europäische Mobilitätswoche in Lindau ist eröffnet. Bei der Auftaktveranstaltung im Bahnhof haben Bürgermeister Gerhard Ecker und verschiedene andere Verantwortliche über jene Möglichkeiten informiert, die die Stadt Lindau schon geschaffen hat, um die Autos von den Straßen weg zu bekommen. Danach war Ausprobieren angesagt. Als Einstieg entweder an einem der Informationsstände zu Themen wie etwa BODO und Carsharing. Oder eben gleich das Wassertaxi der Zukunft und die Radwege der Gegenwart.

„Nach diesem heißen Sommer müsste auch dem Letzten klar sein, dass wir was in Sachen Klimaschutz machen müssen", sagte Oberbürgermeister Gerhard Ecker bei der Auftaktveranstaltung zur europäischen Mobilitätswoche, an der die Stadt Lindau zum zweiten Mal teilnimmt. Rund 25 Interessierte und Engagierte waren dazu in den Bahnhof gekommen, den der Oberbürgermeister als „Paradeplatz" für die Veranstaltung bezeichnete. Ein Paradeplatz, weil an diesem Verkehrsknotenpunkt außer dem Verkehrsmittel Bahn auch noch der Bus und das Schiff zusammenkommen. Und die Radfahrer, die diese Verkehrsmittel nutzen, um weiter zu kommen. Deshalb hat die Stadt hier auch die größte Klimo-Station mit Fahrradständern, Fahrradboxen und Mini-Werkstatt eingerichtet. Und hier treffen natürlich auch all die Menschen zusammen, die die unterschiedlichen Verkehrsmittel nutzen. Ein idealer Ort also, um das Motto „Mix and Move", unter dem die Mobilitätswoche steht, umzusetzen.

Mit dem englischen Motto und seiner sperrigen deutschen Übersetzung „Multimodalität" ist nämlich gemeint, dass es sowohl um die Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel für verschiedene Wege geht, als auch darum, mehrere Verkehrsmittel für einen Weg zu kombinieren, wie GTL-Chef Kai Kattau, erklärte.

Jeden Tag ein anderes Verkehrsmittel nutzen

Wie die Menschen diesen alternativen Weg gehen und weiterverfolgen können, um ihr Ziel autofrei zu erreichen, das will die Europäische Mobilitätswoche zeigen. „Sie dient zur Bewusstseinsmachung", erklärte Ecker im Gespräch mit Moderator Thomas Bergert und fand „man muss nicht jeden Weg mit dem Auto machen.“

Damit das auch tatsächlich möglich ist, werde das Thema Klimaschutz in Lindau schon „lange sehr intensiv beackert". Neben dem Klimaschutzbeauftragten Matthias Kaiser, habe der Stadtrat das Klimaschutzfreundliche Lindauer Mobilitätskonzept beschlossen, sei in diesem Jahr dem Verkehrsbund Bodo beigetreten, habe Radwege saniert und Klimo-Stationen für ein attraktives Bike and Ride System eingerichtet. Mittels dieser Maßnahmen lässt sich das verwirklichen, was die Mobilitätswoche zeigen will und Kai Kattau empfahl: „Jeden Tag ein anderes Verkehrsmittel nehmen“. Und an manchen Tagen auch mal zwei. Sonntags zum Beispiel das Auto stehen lassen und mit dem Rad zum Bäcker. Montags mit dem Rad zum Bahnhof und mit dem Zug zum Geschäftstermin nach Stuttgart. Unkompliziert und preiswert realisieren lässt sich dieses System zumindest in der Region.

Der Beitritt Lindaus zum Verkehrsbund Bodo birgt für die Nutzer viele Vorteile, wie Rupert Mayer vom Verkehrsbund erklärte. Wie etwa den, von nur einem Fahrschein für alle öffentlichen Verkehrsmittel. Und preiswerte Fahrscheine, Schüler- und Seniorenkarten. Mayer erklärte zudem, dass der Verkehrsbund sechseinhalb Millionen Euro für eine elektronische Karte investiert habe, die das System für den Nutzer einfacher mache.

Jaime Valdés, Mobilitätsplaner der Stadt, erklärte zudem, dass die bisher umgesetzten Projekte, die Ecker erwähnt hatte, aus dem Fördertopf der Nationale Klimaschutz Initiative gefördert wurden, und dass er dabei sei Förderungen für den Ausbau der Wasserwege zu beantragen. Das Projekt der Zukunft heiße nämlich „Wassertaxis" und „Park and Ship". Mit Elektrosolarschiffen sollen Touristen vom Parkplatz der neuen Therme im Eichwald auf die Insel gebracht werden. Ein umweltfreundliches Projekt, das Hotelier Karl Nitsche angestoßen hat und seinen Gästen bereits bietet und das die Stadt aufnehmen will. „Ich sehe Lindau in 20 Jahren autofrei", sagte Nitsche und lud die Besucher ein das Wassertaxi schon mal auszuprobieren. Ausprobieren nicht, dafür aber angucken konnten sie auch eines der beiden neuen Elektroautos, das der Car-Sharing-Verein „Bodenseemobil" in Lindau und Heimenkirch anbietet. Denn auch für diese Art ökologisch Auto zu fahren, hat die Stadt drei Parkplätze reserviert: Einer bei der Sparkasse auf der Insel, ein zweiter beim Milchpilz und der für das Elektroauto am Karl-Bever-Platz. Hatten sowohl Ecker als auch Kattau betont, dass sich Lindau auf einem guten Weg befinde, bestätigte dies Claudia Kiso, vom Umweltbundesamt und Koordinatorin für die europaweite Mobilitätswoche. „Lindau ist eine sehr kleine Kommune und im Vergleich zu anderen Städten, als auch im europäischen Vergleich ist es sehr beeindruckend, was Lindau hier macht." Lindau habe bereits andere Kommunen inspiriert.

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