Kinder sind zwei Tage lang Franziskus

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Die Kinder tauchen auch äußerlich in die Zeit ein, zu der Franz von Assisi lebte.
Die Kinder tauchen auch äußerlich in die Zeit ein, zu der Franz von Assisi lebte. (Foto: Luisa Gruber)

Die evangelische Kirchengemeinde St. Verena hat in der ersten Ferienwoche ein zweitägiges Ferienprogramm veranstaltet. Auf spielerische Weise erfuhren die 20 Kinder unter dem Thema „Mit Franz von Assisi auf Entdeckungstour“ alles Wichtige über das Leben des Heilig-Gesprochenen. Dabei lernten sie auch über sich selbst viel Neues.

Ein weißes Tuch, bemalt mit hohen Burgen, dunkelgrünen Wäldern und sich duellierenden Rittern, hängt im Innenhof des Lugeckhauses. In dieser abgebildeten Stadt lebte vor circa 900 Jahren ein Mann mit dem Namen Franz von Assisi. In das Leben dieses Mannes, der mit Tieren sprechen konnte und allem Reichtum entsagte, wollen die Kinder eintauchen.

Franziskus lebte als Sohn eines reichen Tuchhändlers in Italien. Während sein Vater nur wollte, dass er die schönsten Stoffe trug, hatte Franziskus den Traum, Ritter zu werden. Das können die Kinder, die den Erzählungen der Gemeindepädagogin Sabine Eisenacher gespannt lauschten, gut nachvollziehen. Auch sie haben große Träume für ihre Zukunft. Von Erfinderin bis Raumfahrtingenieur riefen die Kinder unzählige Berufswünsche durcheinander. Um sich im Anschluss für die anstehenden Aufgaben aus dem Leben von Franz von Assisi vorzubereiten, verwandelten sich die Kinder durch glitzernde Kleider und samtige Umhänge in Prinzessinnen, Ritter und Zauberer. „Das Ziel der Veranstaltung ist für mich auch, dass die Kinder nicht nur über Reichtum, sondern auch über die verschiedenen Formen der Armut nachdenken“, sagt Sabine Eisenacher. Auf dem Weg zu seinem ersten Ritterduell wurde Franz von Assisi gefangen genommen und für mehrere Monate in einen dunklen Keller gesperrt. Dadurch wurden sowohl seine Augen, als auch seine Beine stark verletzt. Deshalb mussten auch die Kinder in verschiedenen Stationen durch Augenbinden und aneinandergebundene Füße ausprobieren, wie es ist, weder zu sehen, noch richtig laufen zu können. „Mir gefällt aber vor allem auch, dass Mädchen nicht nur Mädchen-Sachen machen, sondern auch Jungs-Sachen “, erzählt ein Mädchen und hält stolz die Lanze in der Hand, mit der sie blind durch einen Ring getroffen hat.

Während die Kinder sehr viel Spaß am Rittersein haben, hat Franz von Assisi stattdessen beschlossen, sich allem Reichtum abzuwenden und den Armen zu helfen. Er brach nicht nur ein Tabu, indem er Aussätzige umarmte und ihre Hände küsste, sondern ihnen auch die Füße wusch. „Das ist ein Dienst am Menschen. Die Kinder sollen lernen, nicht nur zu fordern, sondern merken, dass man irgendwann im Leben auch andere Menschen braucht, oder selbst gebraucht wird“, erklärt die Ehrenamtliche Marga Juchen. Nach anfänglichem Zögern wuschen sich die Kinder gegenseitig die Füße, um im Anschluss, nach Assisis Vorbild, gemeinsam zu überlegen, welche Kleider sie entbehren könnten. Schon bald bildete sich eine aus T-Shirts, Schuhen, Ketten, Gürteln und Hosen bestehende, 50 Meter lange Kleiderschlange. Mit einem Blick darauf stellte ein Junge fest: „Es ist doch schön zu sehen, wie wenig wir eigentlich brauchen.“

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