Kiesabbau nahe den Trinkwasserbrunnen geplant

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Im Hergatzer Ortsteil Grod, hier von der B12 aus gesehen, will die Firma Geiger Kies abbauen. Die Handwerksgruppe befürchtet Fo
Im Hergatzer Ortsteil Grod, hier von der B12 aus gesehen, will die Firma Geiger Kies abbauen. Die Handwerksgruppe befürchtet Folgen für das in der Nähe gewonnene Trinkwasser. (Foto: hipp)
Redaktionsleiter
Maria Luise Stübner

Der Plan zum Vorhaben ist bis 20. Juli im Hergatzes Rathaus in Wohmbrechts zur Einsichtnahme ausgelegt. Betroffene können Einwendungen bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei der Gemeinde oder beim Landratsamt schriftlich oder zur Niederschrift vorbringen. Auf der Grundlage muss das Landratsamt dann entscheiden.

Die Verantwortlichen für das Trinkwasser der Handwerksgruppe sind besorgt. Nach Jahren ist das Genehmigungsverfahren für Kiesabbau in Hergatz-Grod wieder aufgenommen. Die Sorge: Eine große Kiesgrube könnte das Trinkwasser der Brunnen im nahegelegenen Handwerks verunreinigen. Das Landratsamt muss entscheiden.

Seit mehr als zehn Jahren gibt es Befürchtungen wegen der Pläne der Oberstdorfer Firma Geiger, die im Hergatzer Ortsteil Grod nahe der Argen Kies abbauen will. Immerhin liegen ganz in der Nähe die Brunnen des Zweckverbandes Wasserversorgung Handwerksgruppe, die 12 000 Menschen in Hergatz, Hergensweiler, Sigmarszell, Weißensberg sowie Ober- und Unterreitnau mit Trinkwasser versorgt. Nachdem es über Jahre still war, weil das Verfahren offensichtlich ruhte, betreibt Geiger es jetzt wieder. Bis zum 20. Juli liegen die Pläne für den Kiesabbau nun zur Einsicht im Hergatzer Rathaus aus. Wer sich betroffen fühlt, kann Stellung nehmen.

Seit 2007 sind die Pläne bekannt. Die Verantwortlichen der Handwerksgruppe haben sich von Anfang an dagegen ausgesprochen. Im Laufe der Jahre haben sie verschiedene Gutachten anfertigen lassen, die nach Meinung des Verbandsvorsitzenden Hans Kern belegen, dass Wasser aus Grod in die Brunnen nach Handwerks fließt. Bereits 2010 wollte der Verband deshalb das Schutzgebiet vergrößern, um den Kiesabbau unmöglich zu machen. Der Antrag steht nach wie vor, entschieden wurde darüber noch nicht.

Das ist bisher nicht gelungen. Denn die zur Geiger-Gruppe gehörenden Allgäuer Kies- und Schotterwerke (AKS) halten an den Plänen in Grod fest. Die Handwerksgruppe kann als Träger öffentlicher Belange ebenso Stellung in dem Verfahren nehmen wie betroffene Bürger und die Gemeinde Hergatz. Die erste Entscheidung wird aber im Landratsamt fallen. Und das wird nicht das letzte Wort sein, wie Kern in der jüngsten Verbandsversammlung gesagt hat. Er geht davon aus, dass Gerichte entscheiden müssen. Denn egal wie das Landratsamt entscheidet: Entweder die Firma Geiger oder die Gegner des Kiesabbaus um die Handwerksgruppe wird wohl klagen.

Firma Geiger erwartet keine Folgen für das Trinkwasser

Jetzt hat das Vorhaben für heftige Reaktionen im Gemeinderat Hergatz geführt. Drei Vertreter der Firma Geiger wollten dem Gremium den Nasskiesabbau schmackhaft machen. Sie erklärten erneut, dass das Vorhaben keine Folgen für das Trinkwasser haben werde. Der Gemeinderat glaubte den Beteuerungen nicht und beschloss eine ablehnende Stellungnahme gegen das Vorhaben.

Achim Huppertz von der Firma Geiger zeigte auf, was auf dem 7,8 Hektar großen Gelände in Grod geschehen soll, das im Norden an die Obere Argen grenzt und im Westen an die Staatsstraße 2003. Der Nasskiesabbau in bis zu 15 Meter Tiefe solle in drei Stufen erfolgen, zum Einsatz kämen Seilbagger, Radlader und eine mobile Siebanlage, im Zufahrtsbereich sei eine Reifenwaschanlage vorgesehen.

Huppertz stellte auch die Pläne für die spätere Rekultivierung des Geländes vor. Ziel sei ein 5,4 Hektar großer Natursee „ohne jegliche Freizeitnutzung“. Vorgelagert seien Flachwasserzonen, in denen sich Röhricht und Schilf entwickeln können. Im Osten sei ein Auwaldbereich geplant. Huppertz sprach von einer Verbesserung des bestehenden Gehölzsaums am Ufer der Oberen Argen. Die Rekultivierung könne sehr dynamische Lebensräume für Libellen, Schmetterlinge und Amphibien schaffen. „Aus meiner Sicht steht die Rohstoffgewinnung im Einklang mit der Natur“, sagte Huppertz.

Hergatzer Gemeinderäte glauben den Firmenvertretern nicht

Norbert Dostler schloss eine Gefahr für das Trinkwasser durch den Kiesabbau aus. Die beiden Brunnen lägen zwischen Handwerks und Staudach und seien durch Schutzzonen und Vorbehalts- und Vorraumgebiete geschützt. Er verwies auf Grundwasserbohrungen der Firma Geiger und Berechnungen, die zwei sich kreuzende Grundwasserströme ergeben hätten. Der Trinkwasserbedarf der Handwerksgruppe könne allein durch Brunnen vier gesichert werden, Brunnen drei sei langfristig ohnehin nicht für die Trinkwasserentnahme geeignet, sagte Dostler, der anregte diesen Brunnen nach Westen zu verlegen.

Die Gemeinderäte reagierten verärgert. Es sei beschämend, dass man mit Trinkwasser so umgehe, nur damit jemand Profit draus schlägt, sagte Michael Zeh. Markus Bietsch fürchtet, dass die Folgen erst nach Jahrzehnten tragen, wenn das Kies als Filter des Grundwassers fehle. Bürgermeister Uwe Giebl wollte wissen, wo die Firma Geiger hier Nachhaltigkeit sehe.

Seit 1999 versuche Geiger ein Miteinander, sagte Christoph Heim, der bei Geiger für die Rohstoffsicherung zuständig ist. Irgendwann müsse man eine Entscheidung haben. Heim warf der Handwerksgruppe Sturheit vor, weil sie keine Alternativen zur Erweiterung des Wasserschutzgebietes in Richtung Argental prüfe. „Unabhängig vom Kiesabbau ist der Brunnen drei fragwürdig“, sagte Heim. Daraufhin platzte Michael Zeh der Kragen: „Das haben sie nicht zu entscheiden.“

Im Landratsamt war am Donnerstag wegen des Betriebsausflugs niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Landrat Elmar Stegmann hatte aber schon im Wahlkampf versprochen: „Für mich gilt der Grundsatz: Die Versorgung der Menschen mit gesundem, unbehandeltem und sauberem Trinkwasser muss Vorrang vor den privatwirtschaftlichen Interessen von Unternehmen haben, die in diesem Bereich Kies abbauen wollen.“

Der Plan zum Vorhaben ist bis 20. Juli im Hergatzes Rathaus in Wohmbrechts zur Einsichtnahme ausgelegt. Betroffene können Einwendungen bis zwei Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist bei der Gemeinde oder beim Landratsamt schriftlich oder zur Niederschrift vorbringen. Auf der Grundlage muss das Landratsamt dann entscheiden.

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