Adnan Wahhoud freut sich sehr, dass ihm die Künstlerin Helga Unger den Erlös ihrer Bilder aus der Ausstellung im Lindauer Landr
Adnan Wahhoud freut sich sehr, dass ihm die Künstlerin Helga Unger den Erlös ihrer Bilder in der Ausstellung im Lindauer Landratsamt spenden will. (Foto: Evi Eck-Gedler)
Evi Eck-Gedler

Was kann ich tun? Diese Frage stellen sich derzeit viele Lindauer, wenn sie Berichte über die Nöte der Menschen in und um Aleppo sehen oder lesen. Helga Unger ist da keine Ausnahme. Berichte in der Lindauer Zeitung ließen in ihr einen Entschluss reifen: Sie will den Erlös aus dem Verkauf ihrer Gemälde, die seit einiger Zeit im Landratsamt ausgestellt sind, komplett dem Lindauer Adnan Wahhoud für dessen humanitäre Arbeit in Nordsyrien spenden.

Es sind großflächige Arbeiten, die Helga Unger in Aquarell und Acryl malt. Auch Pastellfarben nutzt die 77-Jährige sehr gerne. Daraus entstehen eindrucksvolle Bilder, in denen vor allem eines dominiert: Farbe. „Es gibt für mich keine bestimmten oder Lieblingsmotive“, stellt Unger fest. Vielmehr entscheiden Stimmungen, Licht und eben Farbe, wie ein Bild letztlich aussieht.

Immer wieder habe sie in den letzten Monaten die LZ-Berichte über die Arbeit des Lindauer Adnan Wahhoud in seinem Heimatland Syrien gelesen. Und ist beeindruckt, was die von ihm dort aufgebauten medizinischen Ambulanzen leisten, genauso wie von Wahhouds Waisenkinderhilfe. Das möchte sie unterstützen. Und deswegen hat Helga Unger beschlossen, dass sie den Erlös jener fünfzehn von knapp zwanzig Bildern, die im Lindauer Landratsamt noch zum Verkauf stehen, an Wahhouds Lindauhilfe für Syrien spenden will.

Der Deutsch-Syrer freut sich natürlich sehr über diese Hilfe. Er wird, wie seit über drei Jahren, dieses Geld und viele andere Spenden mitnehmen, wenn er in der zweiten Januarhälfte wieder nach Syrien fährt.

Medikamentenpreise steigen wegen zerbombter Fabriken

Auch die Weihnachtsspendenaktion der Lindauer Zeitung unterstützt Wahhouds Arbeit: Er finanziert mit den Spenden derzeit fünf Ambulanzen westlich von Aleppo, zahlt die Gehälter für Ärzte, Apotheker, Krankenpflege- und anderes medizinische Personal wie auch erforderliche Medikamente und Verbandsmittel. Nachdem zuletzt vier pharmazeutische Fabriken in Nordsyrien zerbombt wurden, ist der Einkauf von Arzneimitteln im Land ohnehin schwieriger und teurer geworden.

Die Medical Points im Westen von Aleppo sind ein Teil der von Adnan Wahhoud gegründeten Lindauhilfe für Syrien. Den Lindauer drückt aber auch das Schicksal der Kinder dort: In vielen Familien haben die Väter kriegsbedingt ihr Leben verloren. An die 200 Halb- und Vollwaisen unterstützt Wahhoud.

Kleiner Beitrag lindert das Leid

Zusammen mit der Peter-Dornier-Stiftung und aus weiteren Spendengeldern zahlt er ihnen monatlich jeweils zehn Dollar, dazu 40 Dollar für die Mutter. Damit will Wahhoud, selbst Vater, das Leid der Kinder wenigstens ein bisschen lindern.

Wem er das Geld übergibt, wenn er alle zwei Monate selbst in den Norden Syriens fährt, das hält er sehr penibel fest: Schon jetzt hat er Listen fürs kommende Jahr gefertigt, in denen die Mütter oder bei Vollwaisen auch Großmutter oder Tante mit einem Fingerabdruck dokumentieren, dass sie dieses Geld erhalten haben.

Und Wahhoud hat fürs neue Jahr noch eine weitere Idee, wie er das Leben der Kinder, die in ihrem Heimatland geblieben sind oder bleiben müssen, etwas besser machen will: Die Ärzte aus seinen medizinischen Ambulanzen sollen künftig regelmäßig die Schulen westlich von Aleppo besuchen und dort nach dem Gesundheitszustand der Buben und Mädchen schauen.

Die Bilder von Helga Unger sind im ersten Stock des Lindauer Landratsamtes in der Bregenzer Straße 35 zu sehen. Wer sich für eines interessiert, um es beispielsweise zu Weihnachten zu verschenken, kann sich mit den LRA-Mitarbeiterinnen Ramona Spieler (Telefon 08382/270-206, dienstags bis donnerstags) oder Cathrin Blöcker (Telefon 08382/270-201, montags und freitags) oder direkt mit Helga Unger unter der Nummer 08382/943649 in Verbindung setzen. Die Bilder sind dort noch bis Ende Januar zu sehen – oder bis sie verkauft sind.

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