Junge Menschen mit psychischen Problemen finden hier ein Zuhause

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Küchendienst: Dominique Klappoth, Leiterin der therapeutischen Gemeinschaft Haus Weizenkorn, im Gespräch mit zwei jungen Frauen
Küchendienst: Dominique Klappoth, Leiterin der therapeutischen Gemeinschaft Haus Weizenkorn, im Gespräch mit zwei jungen Frauen, die gerade das Mittagessen zubereiten. (Foto: Yvonne Roither)

Das Haus Weizenkorn, Sorgersweg 45, in Lindau lädt am Sonntag, 17. Juni, zu einem Tag der offenen Tür ein. Zwischen 11 bis 17 Uhr gibt es Rundgänge durchs Haus und eine Power-Point-Präsentation über die Arbeit der Therapieeinrichtung. Die Gäste verkaufen auch Produkte, die sie in der Arbeitstherapie selbst hergestellt haben: Buchbindeartikel, Schlafschäfchen, Dinkelkissen, Holzprodukte und Schmuck sowie selbststgemachte Marmelade.

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Das Haus Weizenkorn ist längst eine etablierte soziale Einrichtung in Lindau. Und doch wissen immer noch wenige Lindauer, was sich hinter dieser therapeutischen Gemeinschaft verbirgt. Ein Tag der offenen Tür soll das ändern. Am Sonntag, 17. Juni, haben Interessierte von 11 bis 17 Uhr die Gelegenheit das Haus im Sorgersweg zu besichtigen.

Immer wieder gibt es Spekulationen: Grund ist die Kapelle, die neben vier Häusern zum Haus Weizenkorn gehört, das idyllisch zwischen Obstplantagen mit See- und Bergsicht liegt. Der ungewöhnliche pyramidenförmige Bau rege offensichtlich die Fantasie an, meint die Leiterin der Einrichtung, Dominique Klappoth, lachend: „Manche spekulieren darüber, was wir wohl sind.“

Das Haus Weizenkorn ist eine Übergangseinrichtung für junge Erwachsene mit psychosozialen Schwierigkeiten. Hier kommen, so Klappoth weiter, junge Menschen zwischen 17 und 30 Jahren unter, die an psychischen, psychosomatischen oder psychosozialen Störungen leiden, wie Depressionen, Borderlinestörungen, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen oder Suchterkrankungen. „Viele kommen aus der Klinik und wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt die Sozialpädagogin. Bis zu zwölf junge Menschen lernen hier wieder mit sich selbst zurechtzukommen, eine Beschäftigung aufzunehmen und im Anschluss an die Therapie ein selbstständiges Leben zu führen. Die Erfolgsaussichten sind gut: „Solange die Leute jung sind, können wir viel machen, bevor es in die chronische Richtung geht“, sagt Klappoth.

Das besondere am Haus Weizenkorn ist, dass die Gäste hier eine „familienähnliche Struktur“ vorfinden. Denn viele Angestellte leben ebenfalls in der Einrichtung und bilden so mit den Gästen eine Wohn- und Lebensgemeinschaft. Beziehungsarbeit sei wichtig, denn viele Gäste hätten, so Dominique Klappoth weiter, keine Bindung oder könnten aus verschiedenen Gründen nicht mehr nach Hause. Mithilfe der Psychotherapie, vor allem aber auch der Arbeitstherapie werden sie fit für den Alltag gemacht. Sie arbeiten gemeinsam in der Küche und im Garten, in der Holzwerkstatt, Nähstube oder bei Buchbindearbeiten – und lernen ihre Stärken kennen, aber auch Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit und den Umgang mit Erfolg und Misserfolg, sagt Klappoth. Und sie lernen, sich gegenseitig zu unterstützen.

„Verwöhnkinder“ nehmen zu

Im Haus Weizenkorn treffen junge Frauen und Männer mit unterschiedlichen psychischen Schwierigkeiten aufeinander. „Was zunimmt, sind die Verwöhnkinder“, beobachtet Dominique Klappoth. Früher hätten die jungen Leute mehr Fähigkeiten mitgebracht. Die gingen dank „Helikoptereltern“, die ihren Kindern viel abnehmen und sie damit „unfähig“ machen würden, verloren. Heraus kämen Menschen, die mit Mitte 20 noch nie eine Küche aufgeräumt haben. Es gebe aber auch Jugendliche, die verwahrlost sind, da sie aus asozialen Verhältnissen stammen und mit der Überzeugung groß geworden sind, ganz allein auf sich gestellt zu sein. „Das sind die zwei Extreme“, so Dominique Klappoth.

Die Gäste sind zwischen einem halben und drei Jahren im Haus Weizenkorn. Wenn sie ihre Therapie abgeschlossen haben, können sie in eine Adaptionswohngemeinschaft wechseln, um ihre Selbstständigkeit zu testen. Dann gehe es darum, sie auf dem Weg in die Berufstätigkeit zu unterstützen, bevor sie endgültig auf eigenen Beinen stehen. Aber viele kehren immer wieder ins Haus Weizenkorn zurück, um gemeinsam Weihnachten oder Silvester zu feiern. Es ist ihr zweites Zuhause geworden. Klappoth: „Hierher können sie jederzeit wieder kommen.“

Das Haus Weizenkorn, Sorgersweg 45, in Lindau lädt am Sonntag, 17. Juni, zu einem Tag der offenen Tür ein. Zwischen 11 bis 17 Uhr gibt es Rundgänge durchs Haus und eine Power-Point-Präsentation über die Arbeit der Therapieeinrichtung. Die Gäste verkaufen auch Produkte, die sie in der Arbeitstherapie selbst hergestellt haben: Buchbindeartikel, Schlafschäfchen, Dinkelkissen, Holzprodukte und Schmuck sowie selbststgemachte Marmelade.

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