John Sicinskis Trainerdebüt misslingt

 Gekämpft – und doch verloren: Die Lindauer Islanders unterlagen am Freitagabend dem EV Füssen mit 4:7.
Gekämpft – und doch verloren: Die Lindauer Islanders unterlagen am Freitagabend dem EV Füssen mit 4:7. (Foto: Florian Wolf/Archiv)
Timo Schoch

In der Eishockey-Oberliga Süd ist es am Freitagabend zu einem Aufeinandertreffen zweier Mannschaften gekommen, die sich deutlich mehr von der bisherigen Saison erhofft hatten. Der Tabellen-Zehnte EV Füssen empfang Tabellennachbar EV Lindau Islanders (11.). Bei der spannenden Partie standen aber nicht nur die Akteure auf dem Eis im Mittelpunkt, sondern auch der Mann hinter der Bande auf Lindauer Seite. Der Trainerwechsel bei den Islanders wirkte: Denn die Lindauer zeigten eine kämpferische und ansprechende Partie. Füssen verwertete allerdings die Chancen effektiver. Deshalb verloren die Islanders am Ende mit 4:7.

John Sicinski ist ein Trainer, dessen Impulse schnell Wirkung zeigen. So waren seine Debüts an der Bande bei seinen vergangenen beiden Trainerstationen stets von Erfolg gekrönt. Nach seinem Wechsel zum Deggendorfer EC gelang ihm ein 5:2-Heimsieg gegen Schönheide. Noch besser lief es bei seinem Debüt an der Bande der Starbulls Rosenheim: Mit 5:0 siegte er gegen die Blue Devils Weiden. So stellte sich am Freitagabend vor der Auswärtspartie der Lindau Islanders beim EV Füssen also nur die Frage, welche Serie länger Bestand haben sollte: Sicinskis Auftaktstärke bei seinen Trainerpremieren oder Lindaus Niederlagenserie von fünf Spielen in Folge.

Islanders mit frühem Rückstand

Die Partie startet denkbar schlecht für die Islanders. Bereits nach knapp zwei Minuten trifft der Füssener Pius Seitz. Noch während eine Strafzeit für den Islander Robin Wucher wegen Hakens angezeigt wird, kommt der Puck zum Füssener Florian Simon, der weiter in die Mitte passt, wo die Lindauer Abwehr nicht klären kann. Seitz schiebt die Scheibe im Drehen durch die Hosenträger von Goalie Leon Doubrawa, der Matthias Nemec vertrat, zur Füssener Führung einschiebt. Der Gastgeber bleibt anschließend am Drücker, doch die Islanders antworten schnell. Skylar Pacheco trifft nach sechs Minuten mit einem platzierten Schuss von der blauen Linie. Ein Treffer, bei dem der Füssener Goalie Benedikt Hötzinger nicht gut aussieht – allerdings ist ihm auch die Sicht versperrt.

Das Spiel geht anschließend hin- und her. Ein offener Schlagabtausch, mit Chancen auf beiden Seiten. Kurz nach der Strafzeit des Füsseners Janne Seppänen haben die Islanders durch einen Pfostentreffer von Martin Mairitsch Pech. Eben jener Seppänen legt nach rund zehn Spielminuten zur erneuten Füssener Führung vor. Mit einem No-Look-Pass hinter Doubrawas Tor bedient er Carl Zimmermann, der am linken Pfosten nur noch einzuschieben braucht. Keine Chance für den Goalie der Lindauer. Doch auch der erneute Rückstand demoralisiert die Islanders nicht. Als der Füssener Lukas Slavetinsky wegen Beinstellens auf der Strafbank sitzt, ziehen sie ein gelungenes Powerplay auf. Zwei gute Chancen durch Andreas Farny und Arturs Sevcenko vereitelt der Füssener Goalie Hötzinger. Mairitsch verpasst Sekunden darauf den Puck vor dem leeren Tor. Die vierte dicke Chance nutzt schließlich Daniel Stiefenhofer, der aus kurzer Distanz trifft. Mit dem leistungsgerechten 2:2 geht es in die Kabinen.

Zweites Drittel bleibt spannend und temporeich

Auch im zweiten Drittel bleibt die Partie temporeich. Nach 22 Minuten trifft der Füssener Jere Helenius das Außennetz. Weitere zwei Minuten später umkurvt Sevcenko die halbe Füssener Abwehr, aber er findet in Goalie Hötzinger seinen Meister. Dann folgt die erneute Füssener Führung. Vincenz Mayer muss wegen Haltens auf die Strafbank. Mit einem gelungenen Angriff spielt Julian Straub mit einem klasse No-Look-Pass hinter dem Tor auf Maximilian Dropmann, der nur noch zum 3:2 einzuschieben braucht (31:31). Doch auch darauf finden die Islanders vier Minuten später die passende Antwort. Wieder nutzen die Lindauer eine Überzahlsituation, als Florian Simon wegen Hakens auf der Strafbank sitzt. Pacheco assistiert, als sein Schuss knapp am rechten Pfosten vorbeigeht. Der Puck landet bei Sevcenko, der Hötzinger keine Chance lässt. Doch Füssen bleibt unbeeindruckt. Nicht einmal 90 Sekunden später trifft Zimmermann zur erneuten Führung. Seppänen scheitert zuerst am klasse reagierenden Islander-Goalie Doubrawa. Den Abpraller verwertet Zimmermann (37:29). Wieder nur wenige Sekunden später folgt das 3:5 aus Lindauer Sicht. Die Islanders können den Puck nicht klären. Bauer Neudecker stochert die Scheibe schließlich ins Tor. Mit einem erstmaligen Zwei-Tore-Unterschied geht das zweite Drittel zu Ende.

Schneller Anschlusstreffer gelingt

Ein schneller Anschlusstreffer ist nun gefragt. Diese Aufgabe nimmt Lindau durch einen Torhüterwechsel in Angriff. Für Doubrawa kommt Dieter Geidl. Die Islanders kommen deshalb stürmisch aufs Eis und wittern die Chance auf das 4:5. Die Chance dafür bietet sich, weil Nicolas Jentsch Sekunden vor dem Ende des zweiten Drittels wegen Haltens eine zweiminütige Strafe erhält. Doch mehr als zwei Schüsse von Sevcenko, die Hötzinger ohne Schwierigkeiten hält, gelingt den Lindauer nicht. Als Jentsch wieder aufs Eis kommt, fällt dann doch der Anschlusstreffer. Alexander Dorsch verwertet eine klasse Vorlage von Daniel Stiefenhofer (42:01), der aus vollem Tempo hinter dem Tor zum heranstürmenden Dorsch passt. Dieser hält den Schläger hin und bringt die Islanders zurück ins Spiel. Die große Chance auf den Ausgleich bietet sich, als in der 48. Minute der Füssener Maximilian Dropmann wegen Bandenchecks auf die Strafbank muss. Doch Dorsch macht das Überzahlspiel durch unnötiges Halten in der Hälfte der Füssener nur wenige Sekunden später zunichte. Außer einer Chance durch Sevcenko kann keine Mannschaft den größeren Raum beim Vier-zu-Vier nutzen. Dafür zeigt Neudecker bei seinem zweiten Tor in der 52. Minute sein ganzes Können. Er zieht hinter dem Tor nach vorne, täuscht mehrfach an und setzt dann einen platzierten Schuss, der flach links einschlägt. Lindau liegt erneut mit zwei Toren hinten. Die Luft bei den Islanders ist nun allerdings raus. Das letzte Füssener Tor gehört Seppänen, der ins leere Tor trifft, nachdem Lindau seinen Goalie vom Feld nimmt.

„Wir haben es zu einfach für den Gegner gemacht“, sagt Sicinski nach der Partie. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“ Vor allem die sieben Gegentreffer beschäftigen den neuen Trainer. An der Defensive sieht er den größten Handlungsbedarf. „Wir müssen schauen, dass wir keine sieben Tore mehr bekommen.“ Ansonsten hätte er aber auch viel Positives entdeckt: das Powerplay und die Offensive beispielsweise. Der Füssener Trainer Janne Kujala freut sich natürlich über den Sieg: „Wir sind froh über die drei wichtigen Punkte. Wir hatten Schwierigkeiten in Unterzahl, aber zum Schluss haben wir gut gespielt.“ Sieben Tore, das gelang den Füssenern nur einmal in dieser Saison – gegen die Lindau Islanders. Somit liegt Sicinski absolut richtig, wenn er in der Defensive die momentan größte Schwachstelle seiner Mannschaft ausgemacht hat. Mit 4:7 misslingt zwar sein Trainerdebüt – doch manche Ansätze der Lindauer stimmen durchaus positiv. Zu gerne hätte Sicinski natürlich seine persönliche Debütserie als Trainer fortgesetzt. „Doch ich hatte nach drei Tagen nicht erwartet, dass es viel besser wird.“ Aber: Mit einer solchen Leistung wie gegen Füssen wird auch die Lindauer Niederlagenserie aus nun sechs Spielen nicht mehr lange Bestand haben.

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