Jetzt sind alle Sturmschäden aufgeräumt

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Nicht nur im Lindenhofpark hat der Sturm am 18. Juni große Bäume umgeworfen. (Foto: Stadtgärtnerei)
Schwäbische Zeitung
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Mancher hat es vielleicht schon vergessen, aber Meinrad Gfall und Markus Steinbeißer von der Stadtgärtnerei Lindau werden sicher noch lange an den Sturm denken, der am Abend des 18. Juni den Bereich des Seeeufers zwischen Wäsen und Lindenhofpark verwüstet hat. Viele große Bäume hat der starke Wind, der laut Polizei bis zu 130 Stundenkilometer schnell war, damals umgeworfen. Fünf Wochen lang hat es gedauert, bis die Baumpfleger mit vereinten Kräften alle Schäden beseitigt haben, so dass rechtzeitig zu den Sommerferien wirklich alle Bereiche frei sind. Aber die Stadtgärtnerei hat immer noch mit den Folgen des Sturms zu kämpfen.

In Zahlen ist der Schaden einfach zu fassen: „Wir haben 30 Großbäume verloren“, sagt Gfall. Der Sturm hat sie in Anlagen und Parks der Stadt einfach umgeworfen. 60.000 Euro haben Personaleinsatz der Stadtgärtnerei sowie der Einsatz privater Firmen gekostet. Hinzu kommen Materialkosten in geringer Höhe.

Unklar ist noch, wie viel Geld die Stadtgärtnerei braucht, um zumindest die wichtigsten Bäume durch Neupflanzungen zu ersetzen. Gfall wird darüber im Herbst mit den Stadträten sprechen. Er spricht es zwar nicht deutlich aus, aber er deutet an, dass er auf etwas mehr Geld im kommenden Jahr hofft. Dabei setzt er aber auch auf Spenden. Einige hätten schon entsprechende Bereitschaft angekündigt. „Im Lindenhofpark könnten wir 20 Bäume pflanzen, aber wo es nicht so auffällt, findet sich auch so nicht leicht jemand“, beschreibt er das Interesse der Spender.

Gfalls Bericht über das große Aufräumen ist zwiespältig. Einerseits ist ihm der Stolz anzumerken, dass Stadtgärtnerei, Bauhof, THW, Feuerwehr und die Lindauer Baumpfleger schon in der Sturmnacht mit den Aufräumarbeiten begonnen haben. Dass nicht mal eine oche später die wichtigsten Parks und Uferwege wieder frei begehbar waren, sei ebenfalls nur durch erhöhte Anstrengung der eigenen Mannschaft und durch flexiblen Einsatz der privaten Firmen möglich gewesen. Dass diese dafür andere Aufträge hintangestellt haben, dafür dankt Gfall ausdrücklich.

Denn gerade bei dem schönen Wetter der vergangenen Wochen sei das Verständnis vieler Bürger leider sehr gering gewesen. Reihenweise hätten Bürger Absperrungen überklettert oder gleich ganz beiseite geräumt. Am extremsten sei eine fünfköpfige Familie gewesen, die allen Warnschildern zum Trotz im Wäsen direkt unter einem halb abgebrochenen riesigen Ast saß, der noch nicht abgesägt war, weil es dort so schön schattig war. „Das ist wie wenn man sich mitten in einen Lawinenhang setzt“, sagt Gfall kopfschüttelnd.

Während die Gefahr in diesem Fall eigentlich ganz offensichtlich war, waren brüchige Kronen oder angebrochene Äste für den Laien überhaupt nicht zu erkennen. Umso wichtiger wäre es, dass die Bürger sich an die Warnungen der Fachleute halten, sagt Gfall. „Aber das Gespür für Gefahren ist verloren gegangen.“

15 Mitarbeiter von Stadtgärtnerei und Privatfirmen haben fünf Wochen lang nichts anderes getan, als Sturmschäden zu beseitigen. Das war nötig, um zumindest vor dem Ansturm der Urlaubsgäste und vor den großen Ferien alles sicher zu haben. Das war nur möglich, weil die Stadtgärtner Routinearbeiten weggelassen haben. Auch da sei das Verständnis der Bürger nur wenig ausgeprägt, bedauert Gfall und verweist auf verschiedene Beschwerden. „Es schaut nicht überall so aus, wie wir uns selber das vorstellen.“ Aber das sei in solch einem Jahr eben nicht möglich. Und mit beginnender Urlaubszeit werde man auch nichtalles aufholen können.

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