Jesu Leben als abgekartetes Spiel

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Am Freitag, 12. April, findet der „Kreuzweg der Jugend“ auch in Augsburg statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr bei der Kirche St. Step
Am Freitag, 12. April, findet der „Kreuzweg der Jugend“ auch in Augsburg statt. Treffpunkt ist um 19 Uhr bei der Kirche St. Stephan. (Foto: KDJ)
Lindauer Zeitung

„Game Over!?“ lautet der Titel des diesjährigen „Kreuzwegs der Jugend“, der vor Kurzem nun schon zum vierten Mal in Lindau stattfand. Viele Dutzend Mitfeiernde verfolgten dabei, wie Kinder und Jugendliche Szenen aus dem Evangelium lebendig machten. Thema war vor allem das Machtspiel, das um Jesus herum entsteht und dessen Opfer er letztendlich wird. Das Motiv des Kartenspiels zog sich dabei wie ein roter Faden durch das Stück

Wieder mal beschränkten sich die knapp 30 Darsteller dabei nicht nur auf die Leidensgeschichte, heißt es in der Pressemitteilung. Kein Geringerer als König Herodes der Große begrüßte demnach die Mitfeiernden sowie die drei Sterndeuter aus dem Morgenland im Lindauer Münster, der ersten Station des Weges. Und er war gar nicht erfreut über die Nachricht, ein neuer König sei geboren. Es begann ein Kartenspiel um die Macht, in dem es nur einen König geben soll. Die Frage war nur: Ist es ein Pik-, Karo-, Herz-, oder doch ein Kreuz-König? Nach Herodes‘ Tod entspannte sich die Situation zunächst. Jesus-Darsteller Benedikt Kappel ließ sich von Johannes dem Täufer taufen und scharte immer mehr Jünger um sich.

Doch das Spiel war noch nicht vorbei, wie sich auf dem Marktplatz auf den Stufen des Cavazzen zeigte. Der König hatte die Karten nur wortwörtlich weitergegeben – an seinen nicht weniger skrupellosen Sohn, gespielt von Daniel Shafik, der den Täufer kurzerhand enthaupten ließ.

Und auch unter den Jüngern entwickelte sich Skepsis, da Jesus mit seinen kontroversen Reden provoziert. Wurde er bei der Brotvermehrung gerade noch bejubelt, verließen ihn kurze Zeit später einige seiner Jünger. Nur Simon Petrus und er hielten den spottenden Pharisäern stand und blieben vor der beeindruckenden Kulisse des Rathauses einsam zurück.

Die letzte Station führte zur Peterskirche. Hier wurde der Kreuz-König dem Stadthalter Pontius Pilatus untergeschoben. Der schien das Spiel für sich entschieden zu haben, als Jesus verurteilt wurde. Die Kreuzigungsszene wurde dabei allein durch Stimmen und Geräusche aus dem Abseits inszeniert. Damit war der Kreuzweg aber noch nicht zu Ende. Jesus kehrte zurück, um klarzustellen, dass das Machtspiel um ihn zwar vorbei ist, das gemeinsam Erlebte jedoch nicht – denn das „war nie nur ein Spiel“. Initiator und Veranstalter des Projekts ist Pfarrer Franz Walden.

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