„Jeden Tag mache ich zum Frühstück eine Nase“

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In diesem Jahr wird Werner Mang 65, aber ein Leben ohne Arbeit kann er sich nicht vorstellen. alle (Foto: Christian Flemming)
Schwäbische Zeitung

Nach mehr als sechs Jahren hat Werner Mang seine Bodenseeklinik wieder aus dem Medical-One-Konzern gelöst. Die Trennung erfolgte laut Pressemitteilung „einvernehmlich“, „aufgrund unterschiedlicher strategischer Ausrichtungen der Unternehmen“. Medical-One will bundesweit zur Marke für Schönheit werden, Mang führt seine Bodenseeklinik wieder alleine mit seinem Facharztteam. Den Vorgang begleiten viele Gerüchte. Darüber hat LZ-Redakteur Dirk Augustin mit Mang gesprochen.

Die Gerüchte besagen, Sie seien pleite. Was ist da dran?

Da ist gar nichts dran. Ich bin ja einer der größten Immobilienbesitzer auf der Insel und in Aeschach. Und wir haben gerade erst ein weiteres Haus gekauft. Ich habe als Kind in Aeschach gespielt und deshalb hänge ich daran. Mir gehört auch das Hochhaus, das ich von der Familie Kamper gekauft habe. Wissen Sie: Das ist meine Heimat. Deshalb gehören mir heute allein in Aeschach 60 Wohnungen.

Aber ganz ohne Zahlungen sind Sie aus der Vertragsauflösung mit Medical-One nicht rausgekommen, oder?

Damit ein Außenstehender das versteht, muss ich ein wenig ausholen: Wir sind ein gesundes mittelständisches Unternehmen. Ich habe von der Stadt das Gebäude am Schrannenplatz gekauft, das ich komplett saniert habe und in dem ich 1990 mit vier Betten die Bodenseeklinik gegründet habe. Zusätzlich war ich damals noch Belegarzt am Lindauer Krankenhaus. Durch Fleiß und Erfahrung ist das gewachsen. 1999 ist die Stadt dann auf mich zugekommen und hat mir das Grundstück auf der Hinteren Insel angeboten. Das habe ich gekauft und meine Klinik gebaut, die ich 2003 eröffnet habe. Das ist übrigens mit 40 Betten immer noch die größte Klinik für ästhetische Chirurgie in Deutschland.

Dann haben Sie sich aber entschlossen, Teil eines Konzerns zu werden...

Ja, 2007 kam Medical-One auf mich zu und wollte zusammenarbeiten. Damals habe ich den Ausflug in die Welt der Aktiengesellschaften gewagt. Vertraglich war das so, dass ich meine Anteile an Medical-One verkauft habe. Dafür hatte ich einen Vertrag, dass ich fünf Jahre lang Vorstandsvorsitzender der Mang-Medical-One AG war. Danach bin ich in den Aufsichtsrat gewechselt. Aber das ist nichts für mich, ich bin ein Mittelständler. Deshalb habe ich jetzt meine Anteile an der Bodenseeklinik wieder zurückgekauft. Die Bodenseeklinik ist mein Lebenswerk, die Urzelle meines Schaffens. Außerdem wollte Medical-One immer weiter expandieren, auch ins Ausland. Die wollen weltweit Nummer eins werden. Aber meine Philosophie ist, dass ich nicht so sehr auf große Werbekampagnen setze, sondern lieber in Talkshows und Fernsehbeiträgen auftauche. Und dann haben wir uns einvernehmlich getrennt. Mehr war da nicht.

Man spricht von 25 Millionen Euro, die Sie jetzt für den Rückkauf Ihrer Klinik aufbringen müssen...

Diese Summe stimmt nicht. Aber zu Details will ich mich jetzt nicht äußern.

Welche Folgen hat der Rückkauf denn für die Bodenseeklinik?

Das hat gar keine Folgen. Wir sind und bleiben ein stabiler Familienbetrieb. Ich werde ja in diesem Jahr 65 und habe deshalb zwei Leitende Mitarbeiter ernannt. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, nicht zu arbeiten. Aber in dem Alter sollte man seine Dinge geregelt wissen. Dr. Jens Altmann und Katrin Ledermann sind langjährige Mitarbeiter, so dass meine Nachfolge in der Klinik gesichert ist. Und die Familie macht das Management.

Bleiben denn Angebot in der Bodenseeklinik nach der Trennung von Medical-One gleich?

Wir haben den gleichen Leistungsumfang wie immer. Wir haben für den OP eine Warteliste von einem halben Jahr. Das sind die zehn Standard-OP, für die Patienten aus ganz Deutschland, sogar aus ganz Europa und immer mehr auch aus Russland zu mir kommen. Lidkorrektur, Facelift, Haartransplantation, Nase, Ohranlegen, Brustimplantate, alle Straffungen, also Oberarme, Brust, Bauch, Oberschenkel, und Fettabsaugen. Natürlich bieten wir auch Unfallwiederherstellung und das übliche Angebot von Botox bis zur Laserchirurgie. Dazu kommt das neue optische Zentrum. Das ist eine eigenständige Firma, an der ich beteiligt bin, die in unserem Haus im Jahr etwa tausend Augenlaserbehandlungen und Linsenimplantate machen werden.

Die Gerüchte um Ihre angebliche Pleite rühren vor allem daher, dass Sie offensichtlich das Grundstück des Aeschacher Hofs verkauft haben. Warum bauen Sie dort entgegen erster Planung doch nicht selbst?

Die Familie Mang ist halt für die Lindauer hoch interessant für Gerüchte beruflich und privat. Man darf das alles nichts so ernst nehmen. Richtig ist, dass ich das Grundstück verkauft habe. Aber nicht, weil ich das aus finanziellen Gründen müsste, sondern weil ich als Projektentwickler tätig bin. Ich bin kein Bauträger. Ich hatte vor Jahren den Aeschacher Hof gekauft und wollte das Gasthaus belassen. Aber dann haben die Pächter immer häufiger gewechselt, und irgendwann wollte niemand mehr diese Gaststätte betreiben. Dann habe ich es an die Rhinogroup GmbH & Co verkauft, deren Geschäftsführer mein Sohn Thomas Mang und ich selbst sind. Wir haben lange versucht, das Gebäude zu erhalten und dort andere Nutzungen unterzubringen. Aber das hat alles nicht geklappt. Deshalb mussten wir abreißen. Inzwischen konnten wir auch das dahinter liegende Grundstück kaufen. Dann haben wir alles entwickelt. So ist der Plan für den Neubau entstanden.

Warum bauen Sie dieses Geschäfts- und Wohnhaus nicht selbst?

Ich will nicht als Bauträger auftreten. Deshalb war es unser Ziel, das Grundstück mit fertiger Planung wieder mit Gewinn an Dritte zu verkaufen – wobei ich sagen muss, dass wir das hintere Haus behalten werden. Das werden wir sanieren. Das vordere Grundstück haben wir an Dietrich-Bau verkauft, die eine zweite Tiefgarage planen und das Gebäude verklinkern wollen, insgesamt aber nach unseren Plänen bauen, die von der Stadt ja schon genehmigt sind.

Wie steht es denn mit Ihren weiteren Projekten: Bei Rosenheim wollten Sie eine psychosomatische Klinik bauen...

In Feldkirchen-Westerham habe ich ein Schloss gekauft auf einem 25000 Quadratmeter großen Grundstück. Auch dort entwickeln wir in dem Park ein Neubauprojekt für eine Psychoklinik und bieten es dann zum Verkauf an. Es war nie geplant, dass ich selbst dort tätig werde. Da hatte ein örtlicher Journalist einen Witz falsch verstanden...

Tatsächlich beendet sind aber die Pläne für eine Klinik in Liechtenstein, oder?

Dort sollte eine orthopädische Klinik entstehen. Es war nie eine Schönheitschirurgie geplant, höchstens dass ich ein paar Belegbetten genutzt hätte. Aber dann haben sich die Orthopäden zurückgezogen – und ich habe meine Anteile des Projekts erfolgreich verkauft.

Werden Sie damit jetzt ganz zum Projektentwickler, oder sind Sie noch Arzt?

Jeden Tag mache ich zum Frühstück eine Nase. Ich bin Arzt. Die Bodenseeklinik ist mein Lebenswerk. Jeden Tag von halb acht bis sieben Uhr bin ich hier. Freitags und an Wochenenden bin ich in Sachen Immobilien unterwegs, und das schon seit über 20 Jahren. Sie wissen, dass ich Ambulanzen in Hamburg und München habe. Ich operiere aber in Lindau. Die Mang-Klinik-Suisse in Rorschach ist das zweite Standbein, aber der Schwerpunkt ist hier in der Bodenseeklinik.

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