Jahrmarkt läuft Messe den Rang ab

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 Edgar Berger aus Weißensberg lässt sich vom Vorwerk-Kundenberater Marc Hammerschmidt auf der Regiomesse Bodensee begeistert die
Edgar Berger aus Weißensberg lässt sich vom Vorwerk-Kundenberater Marc Hammerschmidt auf der Regiomesse Bodensee begeistert die neuesten Staubsaugermodelle zeigen. (Foto: isa)
Isabel Kubeth de Placido

Mit an die 60 Ausstellern aus Handel, Handwerk, Gewerbe und Dienstleistern sowie einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm mit Vorträgen, Kinderbeschäftigung und Entertainment ist die erste Regiomesse Bodensee eigentlich vielversprechend an den Start gegangen. Doch der Jahrmarkt hat der neuen Verbrauchermesse in der Inselhalle einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das Resultat waren wenige, aber dafür begeisterte Besucher und viele enttäuschte Aussteller.

Es ist Sonntagmittag. Letizia Chiloiro, das junge, italienische Gesangstalent hat gerade ihren Auftritt gehabt, aber nun ist die kleine Bühne vor den Ständen der Aussteller verwaist. Auch in den Gängen ist es ziemlich ruhig und es lässt sich ohne Gedränge an den vielfältigen Angeboten von Händlern, Gewerbetreibenden, Dienstleistern und Handwerkern vorbeischlendern. An Ständen mit wundervollem Schmuck, schicken Mützen, wärmenden Hüftröcken und schönmachender Kosmetik ebenso wie an wunderbar praktischen Staubsaugern, Küchenutensilien und Reinigungsmitteln. Aber auch an Ständen, mit gesunden Tees und Kräutern, Einlegesohlen und Geräten, die das Gleichgewicht stärken. Preisen vor der Inselhalle Autohändler die neuesten Modelle an, sind es drinnen die Handwerker und Firmen, die das Neueste für Haus, Terrasse und Umwelt zeigen. Daneben werben soziale Einrichtungen, wie die Johanniter und das Rote Kreuz, für sich, die Volksbank lässt das Glücksrad drehen und Praxen, Apotheken, Naturheilvereine und Anbieter informieren über Methoden der gesunden Lebensführung.

Richtig was los ist bei Tupperware. Beide „Partymanagerinnen“, sind ins Gespräch mit Besucherinnen vertieft. Vor sich aufgebaut haben sie die praktischen Aufbewahrungsschüsseln in den neuesten Farben und Designs. Ein Hingucker. „Nein, kaufen können Sie bei uns nichts. Wir machen hier Beratungsgespräche und stellen den Kontakt zu den Kunden her“, erklären Jasmin Merk aus Tettnang und Claudia Litz aus Langenargen und erzählen im gleichen Atemzug, dass die Messe zwar „sehr schön“ aufgebaut, aber von „viel zu wenig Leuten“ besucht sei. „Es wurde viel zu wenig Werbung gemacht“, betreiben die beiden Ursachenforschung. Den Termin und damit den Jahrmarkt, der zeitgleich auf der Insel stattfindet, finden sie gut gewählt. „Wir leben von der Laufkundschaft, daher ist es gut, dass viele Leute unterwegs sind“, sagen sie und sehen die Messe mit ihren hochwertigen Produkten und renommierten Ausstellern als gute Ergänzung zum „Kruschteljahrmarkt“.

„Noch nie erlebt...“

„Das ist echt krass, wie wenig los ist“, findet auch Andrea Wellhäusser, die für den Vitaltreff Meckenbeuren Ernährungsberatung anbietet, aber trotzdem versuchen will, das Beste daraus zu machen. Weniger zurückhaltend ist Dominik Ricker von Nick naturals aus Lustenau. Sein großer Stand ist voller selbstproduzierter Bioprodukte, die die Besucher gleich vor Ort kaufen können. „Die Messe ist eigentlich sinnlos. Ich habe das noch nie erlebt, dass niemand kommt“, sagt er sichtlich außer sich und ringt um Fassung. Nach dem Start am Vortag habe er sich sogar überlegt, ob er an diesem zweiten Messetag überhaupt noch kommen solle. „Neue Regiomesse, neue Inselhalle, Jahrmarkt, viele Leute – das hat sich gut angehört. Aber jetzt freue ich mich wenn’s vorbei ist.“

Völlig frustriert ist auch Isolde Fröhlich, von Plamenco-Decken aus Isny, die neue Zimmerdecken an nur einem einzigen Tag und das ohne Schmutz und Ausräumen anbietet. „Ich hatte noch kein einziges Kundengespräch“, sagt sie und ergänzt „die Messe ist für alle ein finanzielles Desaster“. Dagegen ist Edgar Berger aus Weißensberg begeistert von der Messe. „Ich finde es interessant, dass es so was jetzt auch in Lindau gibt.“ Die Messe gebe ihm Gelegenheit Dinge zu entdecken, von denen er nicht wusste, dass es sie überhaupt gebe. Und obendrein würden auch die regionalen Unternehmen unterstützt. Gezielt gekommen sei er allerdings nicht. „Das war Zufall.“

Zufällig vorbei gekommen, aber restlos begeistert ist auch Sylvia Allweier aus Maierhöfen. „Wir wollten eigentlich auf den Jahrmarkt und mein Mann wollte sich bei der Gelegenheit nur mal kurz die neue Inselhalle ansehen und jetzt sind wir schon eine ganze Weile da und schauen uns das breit gefächerte Angebot an“, lacht die Allgäuerin und versucht ihre Tochter vom Basteltisch.

Veranstalter verteidigt sich

Dass enttäuschend wenig Besucher den Weg zur ersten Regiomesse gefunden haben, weiß auch Tanja Schmid, vom Veranstalter A&T Schmid GbR Messe. Den Vorwurf der Aussteller, zu wenig Werbung gemacht zu haben, lässt sie jedoch nicht auf sich sitzen. „Wir haben an den Straßen plakatiert, auf Facebook und Instragram und in der Zeitung geworben und haben sogar auf dem Jahrmarkt Flyer verteilt. Wir haben alle Mittel genutzt“, ist sie überzeugt, räumt jedoch ein, dass die Kombination mit dem Jahrmarkt „vielleicht nicht so gut war“.

Die damit zusammenhängende Sperrung der Insel, samt Fußgängerübergänge habe das Ihre dazu beigetragen, dass die Besucher von der Inselhalle weg geleitet wurden. „Der Startschuss ist da, wir haben unser Bestes gegeben und haben tolle Aussteller da und bieten ein tolles Rahmenprogramm, aber für die äußeren Umstände können wir nichts.“

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