„Jagt nicht der falschen Beute nach“

Lesedauer: 4 Min
„Wollt ihr Jäger oder Gejagter sein, Hai oder Hering“, fragt Verkaufstrainerin Katja Porsch die Zwölfklässler des Bodensee-Gymna
„Wollt ihr Jäger oder Gejagter sein, Hai oder Hering“, fragt Verkaufstrainerin Katja Porsch die Zwölfklässler des Bodensee-Gymna (Foto: Jasmin Amend)
Schwäbische Zeitung
Online-Redakteurin

Sein Ziel stets vor Augen haben und sich nicht vom eigenen Ego bremsen lassen – das ist die Botschaft von Verkaufstrainerin und Rednerin Katja Porsch. Im Bodensee-Gymnasium hielt sie einen Motivationsvortrag für die Zwölftklässler.

Anlass war der Deutsche Weiterbildungstag am 19. September, an dem Sprecher der German Speakers Association (GSA) überall in Deutschland kostenlose Vorträge an Schulen hielten. Katja Porsch kam in ausgewaschenen Jeans, Highheels in Schlangenleder-Optik und großem bunten Schmuck in den Musiksaal des Bogys.

Ihre erste Lektion an die Schüler: Durchhaltevermögen. Dazu zeigte sie ein Video eines Fahrradfahrers, der kurz vor dem Ziel bereits so sehr darüber jubelt, Erster zu sein, dass er stürzt und überholt wird. Den Radfahrer nahm sie als Symbol für den sogenannten Rollsplit-Modus: Die Schuld für ein Versagen wird allen möglichen Umständen zugeschoben, nur nicht der eigenen Person.

„Jagt nicht der falschen Beute nach“, war die zweite Lektion der Sprecherin. Die Schüler sollten sich klar sein, wofür sie kämpfen. Dann sei es auch nicht schlimm, Fehler zu machen. Wichtig sei, wie man damit umgehe: Man müsse eben wieder aufs Fahrrad aufsteigen.

Porsch, geübte Rednerin, jugendliche Sprache, versuchte, die Schüler immer wieder mit Fragen und Übungen einzubeziehen. Das Leben verglich sie immer wieder mit einer Jagd: „Wollt ihr Jäger oder Gejagter sein, Hai oder Hering?“, fragte sie in die Runde. Ihre nächste Frage: „Wer jagt mich?“ Also wer treibt mich an, setzt mich unter Druck? Fazit daraus: „Tretet euch selbst in den Hintern, wartet nicht, bis es ein anderer tut.“

Für die Jobsuche gab sie den Schülern einen wichtigen Hinweis: Wer eingestellt werden möchte, muss einen Emotionsköder auswerfen, da Menschen vor allem über ihr Zwischenhirn funktionierten. Deshalb sollten sie nicht mit Fakten, sondern mit Emotionen punkten: „Findet euer Alleinstellungsmerkmal.“

Lennard Miller war nach dem Vortrag ein wenig ratlos: „Es ist sicher für diejenigen hilfreich, die noch nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen“, überlegte er, „aber der Vergleich mit dem Jagen ist nicht so meins. Das zeigt wieder, in was für einer Ellbogengesellschaft wir leben.“

Ähnlicher Meinung ist auch Valentin Gießer, der am Ende nach vorne kam, um mit Porsch zu diskutieren. „Ich hätte es besser gefunden, wenn das Moralische ein wenig mehr hervorgehoben worden wäre“, sagt er, „sonst fördert das egoistisches Verhalten.“ Lucia Fechner dagegen ließ sich die Kontaktdaten der Rednerin mitgeben. „Ich werde mich demnächst bewerben“, erklärte sie, „und vielleicht kommen ja noch ein paar Fragen auf.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen