In Sachen Lindauer Bahnhof und Unterführung fangen Stadt und Bahn AG ganz neu an

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Bahn AG und Stadt Lindau verhandeln ganz neu, ob der Bahnhof auf der Insel bleiben oder auf dem Festland neu gebaut werden soll.
Bahn AG und Stadt Lindau verhandeln ganz neu, ob der Bahnhof auf der Insel bleiben oder auf dem Festland neu gebaut werden soll. (Foto: ja)
Redaktionsleiter

Mit einer Riesen-Überraschung endete am Dienstagabend die Stadtratssitzung zu verschiedenen Lindauer Bahnthemen: Bahn-Manager Volker Hentschel berichtete, dass die DB AG am gleichen Tag beim Eisenbahnbundesamt die Einstellung des laufenden Verfahrens für den geplanten Reutiner Bahnhof beantragt habe.

Bahner bevorzugen neuen Bahnhof in Reutin

Hentschel fügte hinzu, dass die Bahner nach wie vor den Lindauer Bahnhof aufs Festland verlagern wollten. „Wir werden das aber nicht gegen alle Widerstände durchziehen.“ Deshalb plane man derzeit eine „Rückfalllösung“, sprich einen zukunftsträchtigen Inselbahnhof. Bis zum Jahresende will Hentschel mit der Stadt und dem Freistaat verhandeln, um möglichst eine gemeinsame Lösung zu finden. Der Manager machte dabei deutlich, dass er nur einen Bahnhof für bezahlbar hält. Die Lindauer müssen sich also zwischen Reutin und der Insel entscheiden. Bisher hatte eine Mehrheit im Stadtrat einen Hauptbahnhof in Reutin bevorzugt, aber nur wenn es zusätzlich einen Inselhalt gebe. Das ist der Bahn zu teuer.

Stadt will Bürger informieren

Der Stadtrat beschloss deshalb nach ausführlicher Diskussion einstimmig, alle für Dienstag eigentlich geplanten Entscheidungen zu verschieben. Zuerst will man bei einer großen Infoveranstaltung noch vor den Sommerferien alle Lindauer über die Fakten informieren. Dabei soll es um Lärmschutzthemen ebenso gehen wie um die Frage Unter- oder Überführung und andere Themen, bei denen Interessierte schon lange auf Informationen hoffen.

Keine Entscheidung in Sachen Unterführung

Betroffen von dem Schwenk ist auch die Diskussion um die Unterführung. Hentschel bestätigte zwar, dass die Bahn AG vor zwei Wochen das offizielle Planfeststellungsverfahren für die Unterführung eingeleitet hat, das seiner Meinung nach unabhängig von dem Bahnhofsstreit zügig zu Ende geführt werden könnte. Auch wenn Hentschel hinzufügte, dass eine Änderung dieser Pläne hinsichtlich Überführung oder – allerdings nur, wenn der Bahnhof auf der Insel bleibt – durch Einbau automatischer Schranken, Jahre dauern werde, verschoben die Räte auch diese Entscheidungen. Das Verfahren läuft allerdings im Hintergrund weiter. Entscheidungen werde es bis zum Jahresende nicht geben.

Ohne Reutiner Bahnhof gibt es keinen Lärmschutz

Zügig will man nun die Verhandlungen zwischen Stadt, Bahn AG und Freistaat wieder aufnehmen. Direkt nach den Sommerferien wollen die Stadträte bei einer Klausurtagung ihre künftige Linie festlegen. Es wird interessant, wenn sich die Befürworter des Inselbahnhofs mit den Befürwortern einer Verlagerung aufs Festland einigen müssen. Wenn es bis zum Jahresende keine Einigung gibt, so sagte Hentschel weiter, dann gebe es keine Verhandlungen mehr, weil die Bahn wegen der geplanten Elektrifizierung der Strecke München-Lindau und dem Investitionsstau beim Lindauer Bahnhof und der Streckentechnik in Zeitnot gerate. In diesem Fall werde man den Bahnhof auf der Insel belassen. Lärmschutz für die Anwohner der Bahnstrecke in Aeschach werde es dann nicht geben. Ob dann noch Fernzüge in Lindau halten, ließ Hentschel ausdrücklich offen.

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