In Erinnerung an Kampf ums Landschaftsschutzgebiet vor 40 Jahren: Bund Naturschutz pflanzt Bäume im Wäsen

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 Bei der Pflanzaktion auf dem Wäsen: (von links) Eckart Prandner, Erich Jörg, von der GTL Martin Geuting, Martin Lein, Felix Web
Bei der Pflanzaktion auf dem Wäsen: (von links) Eckart Prandner, Erich Jörg, von der GTL Martin Geuting, Martin Lein, Felix Weber, Claudia Grießer von der BN-Geschäftsstelle und BN-Mitglied Martin Nuber. (Foto: Lea Blender/Bund Naturschutz)
Lindauer Zeitung

Vor 40 Jahren, im Sommer 1979, hat der Streit um den Schutz des Bodenseeufers am Wäsen in Zech monatelang hohe Wellen geschlagen. Damals wollten der Bezirk Schwaben eine riesige Jugendbildungsstätte und der berühmte Erfinder Felix Wankel ein Museum im Landschaftsschutzgebiet „bayerisches Bodenseeufer“ bauen. Letztlich blieb das Seeufer an dieser Stelle unverbaut. Jetzt haben Mitglieder des Bund Naturschutz dort vier Bäume gepflanzt – als eine Art Mahnung, Natur und Landschaft zu erhalten.

Die Wogen um mögliche Neubauten im Landschaftsschutzgebiet Wäsen gingen vor 40 Jahren hoch. Der Streit beherrschte wochenlang die Schlagzeilen der regionalen wie überregionalen Presse. Dazu trug vor allem der vehemente Einsatz des bundesweit bekannten und Anfang dieses Jahres verstorbenen Naturschützers, Film- und Buchautors Horst Stern bei. Am Ende siegten die Bürger: Die Pläne mussten aufgegeben werden. Der Wäsen blieb von einer Bebauung verschont und der zeitweilige für einen Teilbereich aufgehobene Landschaftsschutz wurde wiederhergestellt.

Die Stadt Lindau habe danach viel für die ökologische Aufwertung des gesamten Gebietes getan, lobt der Kreisvorsitzende des BN jetzt in einer Pressemitteilung. Sie ließ alte Gemäuer abbrechen, entsiegelte asphaltierte Wege und pflanzte Bäume und Sträucher. Die Lindauer Naturschützer sprechen heute vom bedeutendsten Natur- und Erholungsraum am bayerischen Bodenseeufer.

Aus Anlass des Jubiläums 40 Jahre Wäsenrettung erinnerte die BN-Kreisgruppe im September mit einer Veranstaltung vor Ort an die Zeit vor 40 Jahren. „Wir wollten mit Freude und Dankbarkeit der Menschen gedenken, die sich vor vier Jahrzehnten so großartig und erfolgreich dem Naturschutz verschrieben haben“, erklärt der Lindauer BN-Kreisvorsitzende Erich Jörg.

Als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit und Erinnerung hatte der BN im September eine Baumpflanzaktion angekündigt, die wegen des Laubbehangs damals noch nicht möglich gewesen ist. Das wurde jetzt nachgeholt. Auf städtischem Grund auf dem Wäsen pflanzten der Ehrenvorsitzende der Lindauer Alpenvereinssektion (DAV), Eckart Prandner, und Erich Jörg als Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lindau zwei Linden und zwei Eichen. Prandner wie Jörg waren 1979 Mitstreiter um die Freihaltung des Bodenseeufers, Prandner als DAV-Sektionsvorsitzender und Jörg als DAV-Mitglied und Angehöriger des Bürgerkomitees.

Beide würdigten nochmals die vielen Menschen, die sich vor 40 Jahren für den Schutz des Bayerischen Bodenseeufers eingesetzt haben, vor allen Dingen das Wirken von Horst Stern. Er habe den Vorgängen bundesweite Aufmerksamkeit beschert und maßgebend zum Erfolg beigetragen. Nach Aussage der Lindauer Naturschützer hätte die Baumpflanzaktion auf dem Grundstück stattfinden sollen, auf dem die riesige Jugendbildungsstätte hätte gebaut werden sollen. Doch der Bezirk Schwaben, der noch heute im Besitz des Geländes ist, hätte das abgelehnt, heißt es in der Pressemitteilung des BN.

Erich Jörg dankte den Mitarbeitern der Lindauer Stadtgärtnerei, insbesondere Martin Lein, der laut BN-Schreiben „in höchst kooperativer Weise“ die Aktion ermöglicht habe. Eckart Prandner, der als Privatperson einen Baum stiftete – die übrigen kamen vom BN – sowie Jörg erklärten, diese vier Bäume sollen die Erinnerungen an die damaligen Ereignisse wachhalten. Sie seien ein Zeichen des Lebens im Lindauer Stadtgebiet.

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