In dieser Nacht sind alle ein bisschen Nobel

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Yvonne Roither

Eine perfekte Sommernacht, entspannte Besucher und spannende Gespräche: Am Ende eines „Grill & Chill“ aus dem Bilderbuch waren alle ein bisschen Nobel. Und manche hatten Begegnungen, die sie wohl ihr Leben lang nicht vergessen werden.

Als sich die ersten Tische füllen im Toskanapark, sind sie noch unter sich. Grüppchenweise wird Platz genommen: Hier die jungen Wissenschaftler, da die Lindauer, und irgendwo – man findet sie nicht gleich auf Anhieb – auch einige Laureaten. Nur gut, dass sie alle an ihren Bändchen und Namensschildern zu erkennen sind. Blaue Farbe, das sind die Nobelpreisträger, grau sind die Wissenschaftler und lila, das sind die Lindauer Besucher.

Das Buffett bringt sie zusammen. Hier stehen alle an, die Schlange ist lang – und so vertreiben sich viele mit einem Gläschen in der Hand die Wartezeit. Und ehe man sich versieht, sind die Wartenden schon ins Gespräch vertieft. Paul Kind, ehemaliger Direktor am Lindauer Amtsgericht, hat Glück: Er steht direkt neben Bernard Feringa und Mario Molina. Was er außer Würstchen und Steak mit den beiden Nobelpreisträgern geteilt hat, bleibt sein Geheimnis.

Margarethe Lorenz nutzt die Zeit, um sich mit Maarten T.P. Beerepoot zu unterhalten. Der niederländische Wissenschaftler, der in Norwegen forscht, ist ihr Gastschüler, und die beiden genießen die gemeinsame Zeit. Im Verlauf der Woche bleibe dazu kaum Gelegenheit, bedauert Lorenz, die auf den vollen Terminplan der Tagungsteilnehmer verweist. Die nächsten zehn Minuten in der Schlange gehören den beiden ganz allein.

An den Tischen wird es eng. Und natürlich gibt es auch an diesem Abend Gruppen, die einfach nur unter sich sein wollen. Die neben Menschen sitzen, die sie auch sonst immer um sich haben. Aber wer will, kann bei „Grill & Chill“ auch neue, interessante Menschen kennenlernen. Er muss nur aufstehen – und auf andere zugehen. „Du kannst ruhig zu uns kommen“, ruft ein junger Mann einer Frau zu, die etwas unschlüssig in der Nähe einer Gruppe steht. „Wir haben den gleichen Bändel. Sei doch nicht so schüchtern.“

Syrische Flüchtlingsmädchen sprechen mit Nobelpreisträgern

Aaron Baston und Joshua Reinholz sind das sicherlich nicht. Die beiden Elftklässler des Bodensee-Gymnasiums drehen unermüdlich ihre Runden. Im Visier: die Herren mit dem blauen Bändel. „Wir wollten mal mit jemanden sprechen, der einen Nobelpreis hat“, sagt Aaron. Es gelingt ihnen.

Der Abend ist noch jung, als sie mit Mario José Molina ins Gespräch kommen. Der mexikanische Chemiker, der 1995 den Nobelpreis für Chemie für die Erforschung der Zerstörung der Ozonschicht bekam, ist ein Volltreffer für Aaron, der später selber einmal Chemie studieren will. Molina spricht mit ihnen über den Klimawandel und fragt sie nach ihren Plänen. „Er war sehr offen und hat uns viel Glück für unseren Lebensweg gewünscht“, freuen sich die Schüler.

Auch Waltraud Gründl genießt es, hier zu sein. Sie hat zum sechsten Mal einen jungen Wissenschaftler zu Gast. Für sie ist es eine „Bereicherung“, junge Leute aus anderen Ländern kennenzulernen. Ulrike Miotke, die mit ihrer Tochter Luana im Dirndl zu „Grill & Chill“ gekommen ist, ist ebenfalls Wiederholungstäterin. Diesmal ist Nadja aus der Ukraine bei ihr zu Gast. „Da kommt so viel zurück“, sagt Ulrike Miotke, die den Abend nutzt, um sich mit anderen Gasteltern zu treffen.

Immer wieder werden Handys gezückt, um diese Nacht einzufangen, für Selfies mit Freunden, aber auch mit Nobelpreisträgern. Doch ein großer Moment an diesem Abend geht fast unbemerkt vor sich. Als die Preisträger George Smoot (Astrophysiker) und Mario Molina auf syrische Flüchtlingsmädchen treffen, die in Lindau leben, wirken die jungen Frauen anfangs zurückhaltend. Doch die Laureaten nehmen sich Zeit, fragen die Mädchen, was sie aus ihrem Leben machen wollen. Das hier ist kein Pflichttermin, der nur abgehakt werden soll, das spüren auch die Flüchtlinge:. „Es war aufregend mit ihnen zu sprechen“, sagt eine junge Frau.

Die Schüler vom Bogy hat die Begegnung inspiriert. Am liebsten wollen sie sofort studieren. Blöd nur, dass sie nächstes Jahr erst noch ihr Abi machen müssen, bedauert Joshua:. „Das ist, als wenn Du ein Geschenk bekommst und ein Jahr warten musst, bis Du es auspacken darfst.“

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