Immer war die Kamera dabei

Lesedauer: 6 Min
Ruth Maria König feiert ihren 95. Geburtstag: OB Gerhard Ecker gratuliert der passionierten Filmerin.
Ruth Maria König feiert ihren 95. Geburtstag: OB Gerhard Ecker gratuliert der passionierten Filmerin. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Lange war der Name König untrennbar mit der Villa Alwind verbunden, doch lange ist das her. Wie lange, lässt sich dadurch bemessen, dass Ruth Maria Königs Großmutter mehr oder weniger daran Schuld hat, dass Ruth vor 95 Jahren mit ihren Eltern aus dem Fuggerhaus am Bühl raus musste, denn Alwind war verkauft und Oma König musste aus der wunderschönen Villa ausziehen. Ruth war da gerade ein paar Tage alt, feierte aber nun ihren gerade genannten 95. Geburtstag in dem Haus, in das sie mit ihren Eltern, damals von Bühl weg, einzog. Der Vater hatte es in Schachen gekauft. Ruth lebt da, seitdem sie nach 30 Jahren Leben und Arbeiten in Hamburg wieder in die Heimat zurückgekehrt ist.

Gemütlich ist es in dem Häuschen, die Decke weist ein beeindruckendes Gefälle auf, bedrohen aber das umfangreiche Archiv des Geburtstagskindes nicht, das zum Teil bereits digitalisiert ist. Dieses Archiv umfasst die gesamte filmische Arbeit Ruths, die bereits im Jahre 1954 damit begonnen hat. „Das ging damals noch mit Filmrollen und nur schwarz-weiß“, erinnert sich die Jubilarin, die natürlich auch noch den ersten Versuch im Gedächtnis hat: „Ich bekam die Kamera an einem Freitag und am Sonntag stand ich im Hafen und filmte ein Schiff beim Ablegen Richtung Helgoland.“ Bald aber schon wechselte sie zur Farbe, die ihr mehr entsprach. Das wurde später mit der Einführung der Videoformate VHS und S-VHS noch einfacher, die Filmröllchen entfielen. Und immer war die Kamera dabei, außer vielleicht bei der Arbeit. Denn die Filmerei war Passion, nicht der Broterwerb. Ihr Geld verdiente sie sich bei dem Pharmariesen Pfizer, wo sie als medizinisch Ausgebildete Arbeit fand.

Aber warum Hamburg? Ganz einfach: Lindau war in mancher Hinsicht doch ein Entwicklungsstädtchen, gesteht Ruth König schmunzelnd OB Gerhard Ecker, der als offizieller Gratulant zu Besuch gekommen war. Und sie wollte als junge Frau doch lieber erst einmal dahin, wo etwas geboten war, wo das Leben pulsierte. Das fand sie eben in Hamburg.

Was sie auch dort nicht fand, war der Mann fürs Leben. „Die Männer meiner Generation liegen auf den Schlachtfeldern“, sagt sie. Klingt einfach, ist aber schon bedrückend. Immerhin, so konnte keiner ihr die Zeit fürs Filmen stehlen. Ruth reiste gerne und viel, und immer war die Kamera dabei, sonst niemand. So drehte sie ein Portrait über Nelson Mandela, als er aus dem Gefängnis kam, sie drehte Tierfilme in Namibia, wo sie sich gerne während des deutschen Winters aufhielt, wenn sie nicht anderweitig auf Weltreise war.

„Sie macht wirklich tolle Filme!“. Dieses Lob kommt von ihrer Nichte Uta König und die muss es wissen. Denn die war nach Jahren Reportertätigkeit beim „Stern“ lange beim Fernsehen als Dokumentarfilmerin und holte sich da Auszeichnungen wie den Grimme-Preis und andere. Die Nichte ist extra nach München gezogen, da hat sie es näher zu ihrem geliebten „Tantchen“.

Das Tantchen hat aber nicht nur in Afrika gedreht, filmisch hat sie auch in Lindau Spuren hinterlassen, beispielsweise hat sie die Restaurierung des Spieglersaals im Landratsamt, dem heute Rokokosaal genannten Prunkraum, der ehemals Büros auf zwei Etagen verteilt beinhaltete und niemand um die eigentlichen, über abgehängten Decken versteckten Schätze wusste. Im Lindauer Filmclub war sie ebenfalls engagiert.

Was ihr besonders wichtig ist, ist der Kontakt gerade zu jüngeren Menschen. „Ich habe keine Lust, mich über Krankheiten zu unterhalten“, meint sie trocken. Auch wenn sei gerade eine Film-Pause einlegt, spätestens nächstes Jahr geht es weiter. Da wird es auch eine Premiere geben, wenn sie erstmals zu zweit reisten wird, zusammen mit Nichte Uta nach St. Petersburg, woher ihr Vater stammte. Die Filmpause hat sie nämlich für vielerlei andere Aktivitäten genutzt, sei es zum Digitalisieren ihrer Filme, aber auch für die imposante Erstellung ihres Familienstammbaums, den sie dem Stadtoberhaupt gerne zeigte.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen