Im Sommer startet neuer Regionalbus zwischen Lindau und Lindenberg

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Und er bewegt sich doch, zumindest ein klein wenig: Zwar kann das ÖPNV-Gesamtpaket erst nach dem Auslaufen bestehender Linienkonzessionen im Herbst 2023 durchstarten. Dennoch wollen die Kreisräte den öffentlichen Nahverkehr im Landkreis schon jetzt Schritt für Schritt verbessern. So prüfe der Verkehrsverbund Bodo, dem der Kreis Lindau seit Januar 2018 angehört, derzeit einen Kurzstreckentarif. Über die Gültigkeit der Bahncard soll weiter verhandelt werden. Vor allem aber soll ab Juli dieses Jahres ein neuer Regionalbus rollen, der vom Berliner Platz aus alle zwei Stunden Lindau mit Lindenberg verbindet.

Anfang des Jahres hatten die Grünen im Kreistag eine Sondersitzung des ÖPNV-Arbeitskreises beantragt, weil sie dringenden Bedarf sehen, schon jetzt vor allem den Busverkehr im Landkreis auszubauen. Hintergrund ist jene kurze Mitteilung des Landratsamtsjuristen Erik Jahn in der Dezember-Sitzung des Kreistags gewesen, wonach der Kreis das umfangreiche neue ÖPNV-Konzept aus rechtlichen und Fahrplan-Gründen nicht wie geplant mit der Eröffnung des neuen Lindauer Bahnhofs in Reutin im Dezember 2020 starten könne, sondern erst knapp drei Jahre später.

Im Wirtschaftsausschuss bedauerte Jahn jetzt, dass diese Aussage zu Missverständnissen geführt hat – es sei „keine Verhinderungsplanung oder Weigerung der Verwaltung gewesen, das Konzept umzusetzen“, sagte er. Selbstverständlich könne und werde der Kreis „schrittweise“ einzelne Aspekte umsetzen. Aber eben noch nicht das gesamte neue Nahverkehrskonzept, wie es die Schweizer Verkehrsplaner von Metron erarbeitet haben.

Europaweite Ausschreibung nötig

Das habe verschiedene Gründe. Ein wesentlicher sind nach Jahns Worten die bestehenden Verträge und Linienkonzessionen: Die laufen bis 30. September 2023. Daran sei nicht zu rütteln. Auf der anderen Seite werte die Regierung von Schwaben das Metron-Konzept als Gesamtpaket – das eben mehr als jene 300 000 Jahreskilometer umfasse, bis zu denen eine Direktvergabe erlaubt sei und weswegen eine europaweite Ausschreibung nötig ist. Diese Ansicht der Regierung habe das Landratsamt auch bereits extern prüfen lassen, stellte Jahn auf Nachfrage von Kreisrat Walter Matzner fest.

Zwei Jahre Vorlaufzeit

Weil auf der anderen Seite die Bahn den Start ihres neuen Fahrplankonzepts um ein Jahr verschoben hat, auf Dezember 2021, könne die Ausschreibung des künftigen Regionalbusverkehrs im Kreis Lindau nicht vor Sommer 2021 starten, informierte der ÖPNV-Fachmann des Landratsamtes Eduard Stützle die Kreisräte. Und da eine solche EU-weite Ausschreibung gut zwei Jahre Vorlaufzeit brauche, falle der Start des Metron-Gesamtkonzepts eben in den Herbst 2023.

Metron-Konzept mit striktem Taktverkehr

Der Schweizer Verkehrsplaner Peter Schoop erinnerte im Wirtschaftsausschuss an die Eckpfosten des Konzepts. Dazu gehören ein konsequenter Taktfahrplan genauso wie keine Ausnahmen in der Streckenführung und kein Parallelverkehr mit der Bahn, die im Bereich zwischen Lindau und Hergatz zusätzlich alte Bahnhöfe reaktivieren will. Dieses Korsett müsse auch berücksichtigt werden, wenn der Kreis den Nahverkehr vorab schon verbessern wolle, gab Schoop zu bedenken, als er mögliche Varianten einer neuen Buslinie zwischen Lindau und Lindenberg vorstellte. Zudem dürften aber auch keine vorzeitigen „Besitzansprüche“ entstehen, wenn der Kreis jetzt etwas einführe, was die Bürger sogar annehmen, das aber später nicht ins Gesamtkonzept passt.

Linie A scheitert noch an Vorarlberg

Nur zu gerne würde der Schweizer Verkehrsplaner die „Aorta“ des neuen ÖPNV-Konzepts, die neue Buslinie A zwischen Lindau-Reutin und Lindenberg schon in diesem Jahr starten. Doch die soll eines Tages von Lindau durch Vorarlberg ins Westallgäu rollen – was derzeit aus konzessionsrechtlichen Gründen noch nicht möglich sei. Deswegen sollen die Busse nun auf einer Kombination aus zwei künftigen Linien unterwegs sein: Sie werden alle zwei Stunden vom Berliner Platz aus in 35 Minuten durchs Rohrach nach Scheidegg und Lindenberg fahren. Diese Variante fanden auch die Kreisräte gut, sie soll zum 1. Juli starten.

Rabatte für Kurzstrecken wichtig

Was nicht nur die Grünen, sondern auch den früheren Landtagsabgeordneten und Kreisrat Eberhard Rotter bewegt, sind die Verbundtarife des Bodo. So gibt es für Bahncard-Besitzer keine Rabatte mehr auf die Fahrpreise. „Das hat Kurzstrecken richtig teuer gemacht“, kritisierte Kreisrat Thomas Kühnel und forderte die Rückkehr zu einem Kurzstreckentarif. Diesen biete der Bodo bereits an, stellte Stützle fest – mit dem Aktionstarif Lindau: Wer die elektronische E-Card des Bodo nutzt, erhalte 30 Prozent Rabatt, wenn er nur in ein oder zwei Tarifzonen unterwegs ist.

30 Prozent wegen fehlender Lesegeräte

Das bestätigt auf Nachfrage der LZ auch Bodo-Chef Jürgen Löffler: Ursprünglich waren diese 30 Prozent als „Beitrittsgeschenk“ für den Kreis Lindau gedacht, das nur im Jahr 2018 gelten sollte. Da die Verkehrsinfrastruktur in den Bussen noch nicht funktioniere, sprich immer noch keine Lesegeräte für die E-Cards eingebaut sind, habe der Bodo dort diesen Rabatt im „Barverkauf“ für E-Card-Kunden beibehalten, schreibt Löffler. Das gilt aber nur in den Regionalbussen, nicht im Lindauer Stadtverkehr und auch nicht vom Bahnhof Enzisweiler nach Lindau.

Bahncard-Problem weiter offen

Einstimmig hat der Wirtschaftsausschuss schließlich die Verwaltung beauftragt, mit dem Bodo weiterhin über das Thema Bahncard zu verhandeln: Die ist seit dem Beitritt Lindaus zum Verkehrsverbund im Verbundgebiet nicht mehr gültig. Der Bodo verweist auf die möglichen regulären Rabatte von 10 oder 20 Prozent beim Einsatz seiner E-Card, vonseiten der Kreisverwaltung heißt es mit Blick auf diese E-Card: „Damit profitieren deutlich mehr Fahrgäste von günstigen Preisen als bei einer Bahncard-Anerkennung.“ Was im Wirtschaftsausschuss nicht nur bei Viel-Bahnfahrer Rotter Kopfschütteln auslöste.

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