Im Regen fordern mehr als 500 Lindauer Schüler und Erwachsene mehr Klimaschutz

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Redaktionsleiter

Die Sorge der jungen Veranstalterinnen waren unbegründet: Trotz Regens haben mehr als 500 Lindauer für sofortigen Klimaschutz demonstriert. Knapp 150 Lehrer, Eltern und Großeltern haben die etwa 400 Schüler unterstützt.

Mit höchstens der Hälfte der Teilnehmerzahl hatten Keona Schroff, Emily Schneider und Weda Lanzendorfer gerechnet, als sie den Lindauer Schülerstreik organisiert haben. Angesichts der Wettervorhersage hatten sie zudem befürchtet, dass die Schulkameraden lieber im Trockenen bleiben, als für Klimaschutz auf die nasse Straße zu gehen. Umso euphorischer waren sie, nachdem die Veranstaltung vorüber waren und die Teilnehmerzahl im Laufe der Stunde immer größer geworden war. Das sei einfach „Wahnsinn!“, waren sich die drei einig.

„Klimaschutz – jetzt und hier!“, „Kohlestopp – hopp hopp hopp!“ und „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns unsre Zukunft klaut“, hatten Schüler und Erwachsene zuvor gerufen, als sie vom Alten Rathaus zum Mangturm an den Hafen gelaufen waren. Zwar waren nicht viele Passanten in der Altstadt, aber Geschäftsleute und Angestellte in den Büros (wie im Finanzamt am Hafen) ließen sich an die Fenster oder vor die Türen locken, als der Zug vorbeikam.

Dabei erwiesen sich die Schüler als sehr gute Organisatorinnen, denn es lief alles ebenso ruhig und professionell ab wie bei anderen Demos in der Stadt, die nicht von Achtklässlerinnen vorbereitet wurden. Dankbar waren die drei Bogy-Schülerinnen, dass Erwachsene geholfen haben. Vor allem ein Team der Freien Schule war nützlich, das während der Demo die Lautsprecheranlage vom Rathaus an den Hafen gebracht hat. Außerdem hat auch die neue Lindauer Gruppe „Parents for Future“ (Eltern für die Zukunft) die Demonstration unterstützt.

„Wir haben keine zwanzig Jahre mehr“

Emily Schneider

Lautstark zeigten die Schüler, dass ihnen die Anliegen ernst sind. Ihre Reden beweisen, dass sie sich mit dem Thema auseinander gesetzt haben: Sie fordern eine Verkehrende, Abkehr der Gesellschaft vom enormen Fleischkonsum und ein Ende der Kohlekraftwerke. Dass die Regierung erst 2038 die letzten Kohlekraftwerke abschalten will, dauert den Schülern zu lange: „Wir haben keine zwanzig Jahre mehr“, rief Emily Schneider

Die Achtklässlerinnen riefen ihre Mitschüler auch dazu auf, selbst im Alltag das Klima zu schützen, indem sie Rad und Bus oder Zug fahren, statt mit dem Auto, und weniger Fleisch essen. Doch da der Einzelne nur wenig ausrichten kann, fordern sie vor allem ein sehr viel schnelleres und deutlicheres handeln der Politik. Denn die Jugendlichen haben Angst um ihre Zukunft.

Es wird auch in Lindauweitere Klima-Demos geben

Dass sie dabei nicht nur an sich denken, bewies die Gedenkminute für die Opfer des Klimawandels in der Sahel-Zone, auf den Fidschi-Inseln oder in Nicaragua. Aber auch die deutschen Bauern hätten das im vergangenen Sommer gespürt, als die Ernte wegen fehlenden Regens vertrocknet ist. Dass Politiker und Wirtschaftsvertreter die Schülerproteste abwerten und den Jugendlichen die Kompetenz absprechen, macht die jungen Leute auch in Lindau wütend. Micah Heise vom VHG verweist deshalb süffisant auf Wissenschaftler aus aller Welt, die den Protest und das Anliegen der Bewegung „Fridays for Future“ unterstützen. Und die seien schließlich die wahren Profis, und nicht die Politiker.

Mehrfach berufen sich die Jugendlichen auf die junge Schwedin Greta Thunberg, die seit Monaten jeden Freitag vor dem schwedischen Reichstag protestiert, statt zur Schule zu gehen. So fühlen sich die Lindauer als Teil einer weltweiten Bewegung. Schließlich gab es allein in Deutschland an diesem Freitag Demos in mehr als 200 Städten, weltweit haben Schüler in 110 Ländern protestiert.

Protestveranstaltungen in Lindau an jedem Freitag schaffen die jungen Klimaaktivistinnen nicht, dafür ist das zu viel Arbeit und Aufwand. Und sie wollen die Schule nicht vernachlässigen. Aber zumindest eine weitere Demo soll es in diesem Schuljahr noch geben. Und wenn sich mehr Helferinnen und Helfer fänden, so dass die Schüler die Arbeit verteilen können, dann wären noch mehr Aktionen denkbar. Emily Schneider, Keona Schroff und Weda Lanzendorfer jedenfalls wollen die Erwachsenen immer wieder daran erinnern, wie wichtig der Klimaschutz den jungen Menschen ist.

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