Im Lindauer Hospiz halten Ehrenamtliche den Betrieb am Laufen

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 Elisabeth Felder umsorgt im Haus Brög zum Engel todkranke Menschen.
Elisabeth Felder umsorgt im Haus Brög zum Engel todkranke Menschen. (Foto: gbo)
Crossmedia Volontär

Elisabeth Felder verbringt ihre freie Zeit mit sterbenden Menschen. Als ehrenamtliche Helferin engagiert sie sich im Lindauer Hospizdienst, der ohne solches Engagement nicht bestehen könnte.

Die ehrenamtlichen Helferinnen haben unterschiedliche Aufgaben. Teilweise als Besuchsdienst, der Sterbende daheim betreut und deren Angehörige unterstützt. Felder erzählt: „Wir versuchen dann zu entlasten, sowohl bei der Bewältigung des Alltags als auch emotional, indem wir einfach da sind und mit den Menschen sprechen.“

Der andere Teil der Tätigkeit findet im Hospiz „Haus Brög zum Engel“ statt. Hier gibt es acht Zimmer, in denenHelfer wie Elisabeth Felder kranke Menschen bis zum Tod umsorgen. „Hier unterstützen wir die Pflegekräfte, wenn die Zeit für die aufwendige Hospizpflege fehlt“, sagt Felder. Die grundsätzliche Idee sei, Menschen seine Zeit zu schenken, besonders, für die, die keine Angehörigen mehr haben, sei das wichtig.

Am wichtigsten sind Empathie und Menschenkenntnis. „Ich muss erkennen, was mein Gegenüber von mir braucht, um am besten helfen zu können“, erklärt Felder. Sie wolle den Betroffenen das Gefühl gegeben, dass jemand für sie da ist. Beinahe zehn Stunden pro Woche arbeitet Felder im Hospiz.

Seit 25 Jahren ist Felder beim Hospizdienst engagiert. „1993 hab ich in Oberreitnau einen Flyer gesehen, der eine Schulung im Hospizdienst anbot“, erzählt sie. Ihre Eltern seien damals bereits krank gewesen, und es war absehbar, dass Tod und Sterben bald ein Thema im Leben von Elisabeth Felder sein würden. Sie wünschte sich mehr Wissen über den Umgang damit, also meldete sie sich an. Die meisten, die den Hospizdienst beginnen, hatten vorher schon Begegnungen mit dem Tod.

Bei der Schulung wurde den Ehrenämtlern nicht nur erklärt, wie sie todkranke Menschen pflegen und Angehörige unterstützen. Ein wichtiger Teil der Ausbildung sei es auch gewesen, sich auf die psychischen Belastungen einzustellen, die mit der Betreuungsaufgabe einhergeht.

Felder hat sich beim Hospizdienst sofort wohlgefühlt. „Ich habe gemerkt, ich kann das gut und was ich mache, ist willkommen, das war für mich sehr wichtig“, sagt sie. Zudem fühle sie sich im Kreis der ehrenamtlichen Hospizlerinnen sehr wohl. Sie meint: „Wir sind wie eine Familie und machen auch Ausflüge miteinander.“ Der Austausch untereinander sei sehr wichtig, so könne man die Erfahrungen aus dem Pflegedienst verarbeiten.

Das ist nicht immer einfach. Der wichtigste Punkt sei es, die richtige Distanz zu wahren. „Klar muss man empathisch auf die Menschen reagieren, aber man darf sich trotzdem nicht verantwortlich für ihr Schicksal fühlen“, erklärt Felder. Man dürfe die Geschichten nicht mit nach Hause nehmen. Stattdessen brauche man dort einen Menschen, bei dem man sich selbst einmal anlehnen dürfe.

Für Elisabeth Felder gibt es jetzt allerdings eine Aufgabe, die ihr wichtiger ist als die Hospizpflege. Sie ist Oma geworden. „Meine Enkel wohnen etwas weiter weg. Um die will ich mich mehr kümmern“, sagt sie. Ans Aufhören denkt sie noch nicht, ist aber froh, dass bisher immer genügend neue Helferinnen die Schulungen besuchen und sich für die Arbeit mit Sterbenden interessieren. Für das Haus Brög zum Engel ist das sehr wichtig. Die hauptamtliche Pflegedienstleiterin des Hospizes, Gisela Knauf, sagt: „Ohne die Ehrenamtlichen können wir unseren Betrieb gar nicht aufrechterhalten. Die angestellten Pflegekräfte können das nicht alles leisten.“

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