„Ich hab’s noch gar nicht so richtig mitbekommen“

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Turnschuhe, Badehose und Eishockeyschläger blieben im Schrank: An diesem Abend ging es nicht um Trainingspläne oder neue Höchstleistungen. Stattdessen durften sich 121 herausragende Lindauer Sportler bei der Sportlerehrung der Stadt für ihre Erfolge feiern lassen. Einer hatte besonderen Grund zum Jubeln: Der erst 14-jährige Judoka Elis Bonitz wurde überraschend zum Sportler des Jahres 2017 gewählt.

„Ich glaub, ich hab‘s noch gar nicht so richtig mitbekommen“, sagt Elis Bonitz nach seiner Wahl zum Sportler des Jahres. Die Kameras klicken, er muss die ersten Interviews geben. Dabei ist der Gymnasiast keiner, der gern im Mittelpunkt steht. Der 14-Jährige will einfach sein Ding machen. Und sein Ding, das ist Judo.

Er war gerade mal vier Jahre alt, als er in Berlin mit Judo anfing. „Purzeljudo“ hieß das damals – und war der spielerische Einstieg in einen Sport, der Elis große Leidenschaft wurde. Als Familie Bonitz 2009 nach Lindau zieht, wechselt Elis als Sechsjähriger zum TSV Lindau.

Schnell wird klar, dass der blonde Junge ein besonderes Talent hat. Er weiß instinktiv, wann er nach vorn, nach hinten oder zur Seite angreifen muss: Er muss die Judo-Prinzipien nicht lernen, er spürt sie. Was dazukommt: Er hat einen unbändigen Willen zu siegen. Verlieren ist für ihn keine Option. Dass man auch aus Niederlagen lernt, ist eine der schwersten Lektionen, die der junge Judoka lernen musste. Trainingsfleiß bringt er im Übermaß mit: Schon als kleiner Knirps machte er daheim Klimmzüge und in Trainingspausen zusätzliche Liegestütze.

Da blieben die Erfolge nicht aus. Seit 2015 gehörte er dem Bayernkader an, 2016 gewann er die Süddeutsche Meisterschaft, das höchste Turnier seiner Altersklasse. Im vergangenen Jahr gelang ihm trotz Verletzungspause dort der dritte Platz.

„Man kann im Judo nie auslernen“

„Judo ist so vielfältig. Ob Technik, Kraft oder Ausdauer - man kann nie auslernen“, schwärmt der 14-Jährige. Um weiterzukommen, ordnet er alles andere unter. Zeit für anderes hat er neben der Schule ohnehin nicht. Er trainiert drei- bis viermal die Woche, um bessere Trainingsbedingungen zu haben, fährt er auch nach Ravensburg und ins Kadertraining nach Kaufbeuren. Dazu kommen Lehrgänge und natürlich Wettkämpfe. „Da kamen manchmal in der Woche schon 1000 Kilometer zusammen“, sagt Vater Thomas Bonitz, der sich mit seiner Frau Katja die Fahrdienste teilt.

Da Elis in Lindau keine geeigneten Trainingspartner mehr hatte, wechselte er nun zum TSB Ravensburg. „Der TSB hat eine sehr gute Mannschaft, und es war der einzige Ort in der Nähe, der ordentliches Training bietet“, sagt Elis. Gerade im Technikbereich habe er noch aufzuholen. Schließlich hat Elis ehrgeizige Ziele: Er will sich für die Deutsche Meisterschaft qualifizieren – und er hat einen Traum: „Olympia ist doch immer das Maximalziel“, sagt er lachend.

Auch wenn er nun ein Ravensburger Judoka ist: Die Freude über Elis Wahl ist im Lindauer Lager rießengroß. Für Manfried Steiert, Abteilungsleiter der Lindauer Judoka, fällt die Wahl auch unabhängig von seinen Erfolgen auf den Richtigen: „Elis ist der fairste Kämpfer, den ich je gesehen habe.“ Ihn beeindrucke immer wieder, wie Elis gegen deutlich schwächere Gegner kämpfe: „Er verwirklicht Werte wie Respekt, die in unserem Sport wichtig sind.“

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