Hitze und Trockenheit töten Bäume in Lindau ab

Lesedauer: 5 Min
Redaktionsleiter

Weit mehr als hundert Bäume wird die Stadtgärtnerei bis zum 28. Februar fällen. Meinrad Gfall hat das am Donnerstagabend im Werkausschuss der Garten- und Tiefbaubetriebe vor allem mit den folgen des Hitze-Sommers begründet. Aber auch die Gartenschau spielt eine Rolle.

Der scheidende Stadtgärtner, der sich künftig voll seiner Aufgabe als Geschäftsführer der Gartenschau-Gesellschaft widmen soll, trug im GTL-Ausschuss wohl zum letzten Mal die Fällliste vor. Hitze und Trockenheit haben demnach in diesem Jahr den Bäumen sehr zugesetzt. Auch eigentlich gesunde Bäume hätten Totholz gebildet oder Äste voller grünem Laub abgeworfen, um zu überleben. Und dies obwohl die Stadtgärtnerei an 250 Bäumen inzwischen sogenannte Gießsäcke eingerichtet habe, die vor allem jungen Bäumen das Anwachsen erleichtern.

Doch in diesem Jahr hatten auch viele große Bäume Wassernot, sodass die Gärtner seit März mit zwei Gießfahrzeugen zum Teil rund um die Uhr Wasser zu den Bäumen in der Stadt gebracht haben. Bis zu 3000 Liter Wasser pro Baum haben seine Mitarbeiter heuer ausgebracht, berichtet Gfall. Zusätzlich haben sie manche Stämmen mit einem Schutzanstrich gegen Sonnenbrand und Verdunsten geschützt.

In einigen Fällen kam aber jede Hilfe zu spät. An die Stämme von 54 großen Bäume werden die Fachleute deshalb in den kommenden Wochen die Motorsäge ansetzen. Besonders spektakulär wird die Fällaktion auf dem Aeschacher Friedhof, wo unter anderem 16 Fichten betroffen sind. Die seien vom Borkenkäfer befallen, manche nach Stürmen durch abgebrochene Wipfel geschädigt.

Um Schäden zu vermeiden will die Stadtgärtnerei erstmals eine spektakuläre Technik einsetzen, wie Gfall ankündigt: „Wir werden das das erste Mal mit einem Hubschrauber ausprobieren.“ Der verhindert, dass die Stämme umfallen und Schäden anrichten. Stattdessen wird er die abgetrennten Stämme aus dem Friedhof fliegen. Weil später keine Reparaturen nötig sind, werde das sogar billiger als mit der herkömmlichen Methode, kündigte Gfall an.

Gefällt werden müssen unter anderem auch ein Ahorn auf der Schindlerwiese, eine Kastanie beim Minigolfplatz, eine Linde und ein Spitzahorn neben dem Pulverturm, Weide, Esche und Trauben-Kirche im Lotzbeckpark, die Erlen gegenüber der Feuerwache im Heuriedweg sowie mehrere Weiden an der Robert-Bosch-Straße. In den meisten Fällen sind auch die Nachpflanzungen bereits geplant. Dafür steht Geld im Haushalt bereit, wobei Gfall sich über jede Spende für neue Bäume freut.

Ausdrücklich hat Gfall auch Baumfällungen auf dem Gelände der künftigen Gartenschau angekündigt. Dabei handelt es sich um kranke Bäume, aber auch um ein paar, die der Gartenschau im Wege stehen. Dabei geht es vor allem darum, aus dem Bürgerpark den Blick auf den See zu ermöglichen. Das betrifft auch etwa 20 Linden, die direkt am Seeufer stehen, die zudem nicht sehr vital sind. „Die hat man damals einfach in den Dreck reingesetzt“, sagt der Gärtner und verweist auf mangelndes Wachstum: „Die müssten schon um das Doppelte oder Dreifache größer gewachsen sein.“

Froh ist Gfall über ein neues Gerät zur Bodenbelüftung. Mit einer Injektionslanze können die Gärtner über einen Kompressor bei den Wurzeln Luft, Wasser und Stoffe zur Verbesserung des Bodens ins Erdreich geben. Das helfe, verdichteten Boden aufzubrechen, so dass die Wurzeln wieder an Wasser und Luft gelangen. In der Enzisweiler Straße und neben dem Rewe auf der Insel hätten die Erfolge alle Beteiligten überrascht, so dass die Gärtner nun die Bäume der stark besuchten Lindauer Schanzen damit behandeln werden.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen