Helfer retten elf Kanufahrer vor dem Ertrinken

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Redaktionsleiter

Großeinsatz im Lindauer Hafen: Feuerwehr, Wasserwacht, THW und Polizei haben elf Kanufahrer vorm Ertrinken gerettet. Die acht Kinder und drei Betreuer wollten mit Kanus die Insel umrunden und wurden von einer großen Welle umgeworfen. Ohne Schwimmwesten wären sie wohl untergegangen.

Action haben sie sich versprochen, die Kinder, die an der „Jungscharactionfreizeit“ des Gemeindejugendwerks (GJW) der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden Baden-Württemberg teilnehmen. Seit Freitag sind sie die Kinder und Jugendlichen zwischen zehn und 15 Jahren, zum Großteil aus dem Raum Stuttgart, auf dem Zeltplatz in Sauters. Rad- und Kanutouren verspricht die Ausschreibung den Kindern. „Dabei wird sicher auch mal Zeit für ein Bad im See bleiben.“

Das war aber sicher nicht so gemeint, wie es gestern ausgegangen ist. Ein Teil der Gruppe machte sich auf Radltour, die anderen wollten vom Kleinen See aus mit ihren Kanus die Insel umrunden. Eine Sturmwarnung gab es nicht, laut Wasserschutzpolizei blies der Wind aber mit vier bis fünf Windstärken, so dass es auf dem See zu einigem Wellengang kam. Welche Folgen das haben kann, war der Gruppe wohl nicht bewusst.

Drei der sechs Kanus sind im Bereich des Pulverturms in einer Welle, die nach Angaben der Betreuer etwa einen halben Meter hoch war, gekentert. Drei Betreuer und acht Kinder schwammen im Wasser. Später sind sich viele Beobachter einig, dass der Unfall sehr schlimme Folgen gehabt hätte, wenn nicht alle Kanufahrer Schwimmwesten getragen hätten, obwohl das für Kanufahrer nicht vorgeschrieben ist. So aber konnten sie sich allesamt über Wasser halten, während die Wellen sie in Richtung Leuchtturm trieben.

Die Leitstelle hatte sofort die Boote von Feuerwehr, THW, Wasserwacht und Wasserschutzpolizei alarmiert, später kamen zwei weitere Boote der Polizei aus Baden-Württemberg zur Hilfe. Sie retteten die Verunglückten nach schier endlos scheinenden Minuten aus dem gestern etwa 20 Grad kalten Wasser. Ein Mädchen musste wegen starker Unterkühlung mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, zwei andere Kinder wurden im Lindauer Krankenhaus ebenfalls wegen Unterkühlung behandelt, die anderen kamen mit dem Schrecken davon.

Für die Rettungskräfte dauerte der Schrecken aber noch eine ganze Weile an. Es wusste in dem Durcheinander nämlich niemand mehr ganz genau, wie viele Kinder in den Kanus gesessen waren. Weil die Kinder zwischen Pulverturm und den Räumen der Wasserschutzpolizei verteilt betreut wurden und so schnell niemand einen Überblick herstellen konnte, bildeten die Boote vorsichtshalber eine Suchkette, um die gesamte Schachener Bucht abzusuchen. Hilfe bekamen sie von einem Hubschrauber des ÖAMT. Andere Hilfskräfte suchten derweil den Hafen ab und fragten alle Kinder im fraglichen Alter, ob sie zu der Gruppe gehörten. Insgesamt waren Feuerwehr, Rotes Kreuz, THW und Polizei mit mehr als 200 Helfern im Einsatz.

„Tücken des Bodensees“

Entwarnung gab es um 13.40 Uhr, als sich herausstellte, dass der gesuchte „Simon“ in Wirklichkeit „Maximilian“ heißt und wohlbehalten auf dem Trockenen sitzt. Erleichtert brachen die Helfer unter Einsatzleiter Robert Kainz die Suche ab. Den Betreuern sprach Kainz ein Lob aus, sie hätten nicht nur bei den Schwimmwesten umsichtig gehandelt. „Die sind von den Tücken des Bodensees überrascht worden.“

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