„Hallo Auto“ macht Kinder fit für den Straßenverkehr

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 Die Buben dürfen auf dem Beifahrersitz auch selber einmal auf die Bremse treten.
Die Buben dürfen auf dem Beifahrersitz auch selber einmal auf die Bremse treten. (Foto: Denise Tatavitto)
Denise Tatavitto

Buben der Realschule im Dreiländereck haben gelernt, den Brems- und Reaktionsweg von Autofahrern richtig einzuschätzen. Sie durften dabei selbst im Auto auf die Bremse treten.

Dass sich der Anhalteweg aus Reaktionsweg und Bremsweg zusammensetzt, lernt jeder Fahrschüler in seinen ersten Theoriestunden. Im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms „Hallo Auto“ des ADAC prägen sich bereits Fünftklässler dieses Wissen ein, da auch sie Verkehrsteilnehmer sind, sei es zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Die Leiterin des Programms, Ingrid Meindl, unterrichtet die Kinder eineinhalb Stunden lang auf einer freien Straße im Eichwald. Sie lernen unter anderem, wie lange ein Auto tatsächlich braucht, um zu bremsen. Damit der Spaß dabei nicht auf der Strecke bleibt, vermittelt die Programmleiterin ihnen dies anhand von mehreren Experimenten.

Im ersten Selbstversuch sollen die Kinder so schnell wie möglich auf ein Fahnenzeichen hin anhalten, nachdem sie mehrere Meter gerannt waren. Dass dies schwieriger ist als gedacht, merken sie sofort, denn die Buben haben bis zu vier Schritte gebraucht, um nach dem Signal anzuhalten. Als Meindl von den Schülern wissen wollte, warum sie nicht schneller bremsen konnten, hat ein Schüler aus der Klasse 5a bereits die Antwort parat. Er weiß, dass man eine gewisse Reaktionszeit braucht, um zum Stehen zu kommen. Schritt für Schritt erschließen sich die Kinder den Weg, den die Information „Bremsen“ vom Hirn aus durch das Rückenmark in die Füße zurücklegt. Allein dieser Vorgang dauere eine Sekunde, weshalb es gar nicht möglich sei, früher anzuhalten. Die Programmleiterin erklärt, dass zu dem Reaktionsweg noch der Bremsweg hinzukommt, denn je schneller man unterwegs ist, desto länger braucht man für das Anhalten. Die Formel „Reaktionsweg plus Bremsweg gleich Anhalteweg“ müssen sich die Schüler gut einprägen, um sich vor der Gefahr eines langen Anhaltewegs zu wappnen.

Die Begeisterung der Buben setzt ein, als Meindl einen Versuch mit einem Testfahrzeug vorschlägt. Bei Tempo 50 schätzt die Schulklasse, wann das Auto auf trockener und auf nasser Straße zum Stehen kommt. Jeder Schüler setzt dazu einen Leitkegel an die Stelle, an der das Auto seiner Meinung nach so zum Stehen kommt, dass das Hütchen nicht angefahren wird. Diese Aufgabe löst bei den Jungen eine hitzige Diskussion aus, denn jeder hat eine andere Schätzung, die er für richtig hält. Letztendlich hat nur eines der Kinder den Anhalteweg richtig einschätzen können, nämlich das, dass den Kegel am weitesten nach hinten gestellt hat. Ungläubigkeit und Aufregung breitet sich bei den restlichen Schülern aus, denn sie haben nicht erwartet, dass der Anhalteweg eines Autos so lang ist. Bei dem Versuch auf nasser Straße wissen die Kinder jedoch bereits, dass das Auto länger braucht, um anzuhalten. Sie schätzen also größtenteils richtig. Die Kinder lernen durch die Verbildlichung der Gefahr, dass sie diejenigen sind, die auf der Straße aufpassen müssen, da sie am Ende auch die Leidtragenden sind.

Der Höhepunkt des Vormittags ist die letzte Versuchsreihe. In dem umgebauten Versuchsauto mit einem Bremspedal auf der Beifahrerseite dürfen die Kinder selbst eine Vollbremsung machen. Dabei gelingt es allen, rechtzeitig zu bremsen. Das Ziel dieses Versuchs war es außerdem, den Kindern zu vermitteln, wie wichtig es ist, im Falle einer Vollbremsung angeschnallt zu sein.

Mit zufriedenen Gesichtern verlassen die Fünftklässler nach einer Abschlussbesprechung, in der sie reflektieren, was sie gelernt haben, die Straße und überlassen ihrer Parallelklasse den Platz. Auch sie werden in den nächsten Stunden lernen, warum sie im Straßenverkehr mehr aufpassen müssen.

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