Hallenfußball für die Völkerverständigung

Lesedauer: 4 Min
Jovica Seat (rechts), Vorsitzender des serbischen Kultur- und Traditionsverein Vuk Stefanovic Karadzic Lindau, mit dem großen Wa
Jovica Seat (rechts), Vorsitzender des serbischen Kultur- und Traditionsverein Vuk Stefanovic Karadzic Lindau, mit dem großen Wanderpokal. Mit auf dem Bild: Vater Alexander und Sohn Jovan. (Foto: Archiv Susi Donner)
Susanne Backmeister

2001 endeten die kriegerischen Auseinandersetzungen in Jugoslawien. Ein Zeitraum, der historisch gesehen einem Wimpernschlag gleich kommt. Wenn sich am Samstag zum 13.-mal Vertreter aller ethnischen Gruppen Ex-Jugoslawiens zum gemeinsamen jährlichen Hallenfußballturnier in der Sporthalle in Aeschach treffen, spielt das jedoch keine Rolle. Organisator Jovica Seat ist sehr stolz darauf, „dass es bei keinem der Turniere, jemals zu einer Auseinandersetzung in der Halle kam.“ Das erklärt auch die Idee der Veranstaltung: „Bei uns stehen die Menschen im Vordergrund. Nicht die ethnische Herkunft“, sagt Seat.

30 Mannschaften aus der unmittelbaren Umgebung Lindaus, aber auch aus Bosnien-Herzegowina, Österreich und der Schweiz treten ab 9 Uhr gegeneinander an. Der Eintritt ist frei und jeder ist willkommen, denn es gibt „Hallenfußball auf hohem Niveau“, verspricht Organisator Jovica Seat. Bis circa 16 Uhr dauern die Vorrunden an. „Alle Besucher und Spieler werden von uns mit traditionellem serbischen Brot ,Pogaca’ und wer will mit einem heißen ,Slivovic’ empfangen. Dazu werden traditionell Cevapcici im Fladenbrot und Bratwurst gegrillt. Es gibt serbisches Bier und sogar serbische Musik.

Ab 16 Uhr beginnen die K.o.-Phasen, deren Sieger ein Preisgeld von 1000 Euro, einen Pokal und einen Wanderpokal mitnehmen darf. Kleiner Höhepunkt der Veranstaltung ist das Bambini-Spiel zwischen Serbien und Deutschland, vertreten durch die F-Jugend der Spvgg Lindau am Nachmittag. „Bei diesem Spiel wird standesgemäß die Länderhymne gespielt und die Kinder laufen mit Serbien- und Deutschlandtrikot in die Halle ein“, erklärt der Lindauer Organisator.

Das Event finanziert sich über die Anmeldegebühr von 110 Euro, unterstützt durch zahlreiche ehrenamtliche Helfer. 600 Zuschauer werden erwartet, um die 300 Spieler reisen nach Lindau an – eine Menge Vorbereitungen, die es zu bewältigen gilt. „Die meisten Spieler fahren am Abend wieder heim oder übernachten bei Verwandten. Einige Teams, die einen weiteren Weg haben, mieten sich eine Ferienwohnung für das Wochenende“, erzählt der Familienvater Jovica Seat.

Er ist stolz auf seine zwölf Mithelfer im Vorstand und die zahlreichen Freiwilligen aus Lindau, Heimenkirch, Lindenberg und Götzis, alle ursprünglich aus Regionen des ehemaligen Jugoslawiens. Und darin liegt auch die Idee des Vereins, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert: „Der Verein soll einen Ort bieten, an dem sich Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien treffen können, Hilfe erhalten und die Tradition an die Kinder weitergegeben wird.“

Den jährlichen Höhepunkt des Vereins bildet das Turnier kommenden Samstag. Das ist eine Erfolgsgeschichte, doch wie es im Leben eben ist, gab es auch traurige Momente, die das Turnier geprägt haben. Jovica Seat erinnert sich: „Ein Mann aus dem Verein Lustenau sagte immer wieder: ,Wenn meine Mannschaft ins Halbfinale oder Finale kommt, dann kann er sterben.’ Vor drei Jahren hatte die Mannschaft das Finale erreicht und er hat während des Spiels einen Herzinfarkt erlitten. Wir haben natürlich sofort abgebrochen und die Siegerprämie wurde der Familie des Mannes übergeben. Leider ist er inzwischen verstorben.“

Meist gelesen in der Umgebung

Die Kommentarfunktion ist für Sie aktuell gesperrt. Bitte wenden Sie sich an unseren Kundenservice für weitere Infos.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen