GWG baut für etwa hundert Millionen Euro

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Das erste Gebäude der GWG-Neubauten an der Ludwig-Kick-Straße ist fertig, die ersten Mieter sind bereits eingezogen. Die andere
(Foto: dik)
Dirk Augustin

Vernünftigen Wohnraum in allen Preisklassen zu schaffen, um den Mangel in Lindau zu mildern – darin sieht GWG-Geschäftsführer Alexander Mayer die Aufgabe der städtischen Wohnungsgesellschaft. Und er kommt dieser Aufgabe nach. So sieht der Plan in den kommenden Jahren Neubauprojekte im Wert von rund hundert Millionen Euro vor. Dafür entstehen mehr als 400 Miet- und Eigentumswohnungen sowie Reihenhäuser.

Dass manche Stadträte angesichts dieser Beträge und dem zusätzlichen Kauf bisher auf Erbbaurecht genutzter Grundstücke der Stadt vor wirtschaftlichen Problemen der GWG warnen, dafür hat Mayer kein Verständnis. „Denn es gibt kaum eine Wohnungsgesellschaft, die so gut dasteht“, versichert der Geschäftsführer. Der Bestand sei inzwischen „recht gut modernisiert“, außerdem liege die Eigenkapitalquote der GWG bei 48 Prozent und damit deutlich über den in der Branche üblichen 25 bis 35 Prozent.

Den Schulden stehen sehr hohe Vermögenswerte gegenüber

Mayer räumt ein, dass die GWG 46 Millionen Euro Schulden hat, das könne jeder in der veröffentlichten Bilanz des Unternehmens nachlesen. Allerdings sei dies angesichts einer Bilanzsumme von 104 Millionen Euro kein Problem. Das seien immerhin 40 Millionen mehr als vor fünf Jahren. Das sei Ergebnis der hohen Investitionstätigkeit. Infolge der geplanten Neubauten werde die Bilanzsummer auf über 160 Millionen Euro steigen.

„Aber da habe ich null Bauchweh“, sagt Mayer und verweist auf „starke Vermögenswerte“, die den Schulden gegenüberstehen. Deshalb habe er auch kein Problem mit den Banken. Im Gegenteil: Die würden auch nach genauer Prüfung der Bücher sehr gerne mit der GWG zusammenarbeiten.

Dabei ist das anstehende Programm sehr herausfordernd. So sind allein fast 270 Mietwohnungen in Bau oder in Planung, hinzu kommen gut 70 Eigentumswohnungen oder Reihenhäuser, die nach Fertigstellung zum Verkauf stehen. Mit den in den vergangenen Wochen abgeschlossenen und inzwischen bezogenen fast 80 Mietwohnungen nimmt die GWG Druck vom Lindauer Wohnungsmarkt.

Die größten Projekte sind Oberes Rothmoos, Hoeckle-Areal und Münchhof, aber auch am Holdereggenpark, gegenüber dem Friedhof, in der Dreierstraße und am Hammerweg sowie neben dem Paradiesweg in Oberreitnau entsteht preisgünstiger Wohnraum. Dabei sind die ersten Wohnungen in der Ludwig-Kick-Straße bereits bezogen, während die letzten Objekte im Rothmoos wohl erst im Laufe des Jahres 2020 fertig werden.

Dabei setzt Mayer vor allem auf kleine Wohnungen mit einem, zwei oder drei Zimmern. „Wir brauchen nahezu keinen großen Wohnungen“, denn die hat die GWG schon in großer Zahl im Angebot. Oft leben heute allerdings nur ein oder zwei Menschen in vier oder fünf Zimmern, weil die Kinder schon lange ausgezogen oder der Ehepartner verstorben ist. Weil es in der Nähe des Wohnquartiers aber bisher keine kleinen Wohnungen gibt, ziehen diese Menschen nicht aus. Denn sie möchten sich im Alter nicht auch noch an eine ganz neue Umgebung gewöhnen.

Dass dieser Plan richtig ist, das belege die Tatsache, dass es für die erst in gut einem Jahr bezugsfertigen Seniorenwohnungen in der Holdereggenstraße schon jetzt einige Bewerbungen von GWG-Mietern gibt, die aus ihren großen Wohnungen raus wollen. „Das müssen wir gut begleiten“, räumt Mayer ein. Das werde eine Aufgabe des neuen Sozialmanagers, der mit Jahresbeginn seine Tätigkeit bei der GWG aufgenommen hat.

In der LWB schafft die GWG günstiges Wohneigentum

Für spannend hält Mayer die Lindauer Wohnunbau (LWB) GmbH, in der die GWG mit der Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) Allgäu als Bauträger tätig ist. Gemeinsam bauen sie die 70 Eigentumswohnungen und Reihenhäuser auf dem Hoeckle-Areal, im Rothmoos und in Oberreitnau, um diese dann zu verkaufen. Das Investitionsvolumen liegt bei knapp 24 Millionen Euro. Das bringe den Käufern günstiges Wohneigentum, der Stadt eine sichere Nutzung durch Bewohner, weil die GWG Zweit- oder Ferienwohnungen ausschließe, und dem Unternehmen Erlöse, welche die GWG wieder in eigene Wohnungen investieren kann.

Außerdem steckt die GWG zwölf Millionen Euro in den Innovations-Campus Lindau (ICL), den Lindauern noch besser bekannt als Blum-Areal. Dort entstehen vier Gewerbeeinheiten, von denen die erste fast fertig und vermietet ist. Als zweites soll das Depotgebäude für das Stadtmuseum entstehen, später folgen weitere Gebäude, in denen unter anderem der Club Vaudeville ein Zuhause finden will. Aber diese Bauarbeiten sollen erst beginnen, wenn mit den künftigen Mietern alles solide finanziert ist. Denn als schwäbischer Kaufmann ist Mayer gern auf der sicheren Seite.

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