Grundsteinlegung für das neue Kirchliche Evangelische Zentrum: „Ein Gebäude, das ausstrahlen wird“

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 Die Animation zeigt das neue Evangelische Zentrum mit der Christuskirche im Hintergrund.
Die Animation zeigt das neue Evangelische Zentrum mit der Christuskirche im Hintergrund. (Foto: Fotomontage: Marte.Marte Architekten)
Ulrich Stock

Gebaut wird neben der Christuskirche im Lindauer Stadtteil Aeschach schon seit Februar – Untergeschoss und Wände des Erdgeschosses stehen bereits. Dass erst jetzt die Grundsteinlegung für das neue Kirchliche Evangelische Zentrum – abgekürzt „kiez“ – vollzogen werden konnte, sei vor allem Corona geschuldet, sagte Pfarrer Eberhard Heuß bei der Feier zur Grundsteinlegung am Freitagabend in der Christuskirche. Beim Bau selbst habe die Pandemie jedoch kaum zu Verzögerungen geführt, sodass man davon ausgehen könne, dass der Rohbau rechtzeitig vor dem Winter fertiggestellt wird. Die Einweihung des neuen Gebäudes soll in knapp einem Jahr stattfinden.

Heuß, der als Vorsitzender des kirchlichen Bauausschusses auch Projektverantwortlicher ist, konnte unter den rund 100 Gästen auch viele Ehrengäste begrüßen, an der Spitze Landrat Elmar Stegmann, Oberbürgermeisterin Claudia Alfons und Dekan Jörg Dittmar aus Kempten. Letzterer sprach von einer „großen Vision“, die mit über zehn Jahren Planung einherging und nun Realität werde. Er sagte: „Wir schaffen hier einen Ort evangelischer Identität.“ Er bedankte sich bei allen, die an der Umsetzung der Pläne beteiligt waren – angefangen bei der Leitung der Jugendkirche luv über die für den Bau Verantwortlichen bis hin zur Stadt und dem Landkreis Lindau, die das Projekt auch finanziell gefördert haben.

 Luis Bernhardt und Sebastian Lay (beide Jugendkirche luv) setzen die Grundsteinkassette in eine Holzverschalung.
Luis Bernhardt und Sebastian Lay (beide Jugendkirche luv) setzen die Grundsteinkassette in eine Holzverschalung. (Foto: Ulrich Stock)

Dekan Dittmar bemühte im Zusammenhang mit dem neuen Gebäude das Gleichnis vom Eckstein im Neuen Testament und sagte: „Christus ist der Eckstein, der von oben alles abschließt – damit entsteht ein Kraftschluss.“ Wie in der antiken Architektur sei Jesus der Schlussstein, der alles zusammenhält. Die Christen wiederum seien die übrigen Steine, die mittragen und getragen werden. „Die Kirche braucht alle – jeden einzelnen Stein.“

„Die Grundsteinlegung ist ein Meilenstein“, betonte Oberbürgermeisterin Claudia Alfons in ihrem Grußwort. Mit dem Gebäude entstehe ein „neues Zentrum für Aeschach“, wo Gemeindearbeit sichtbar wird. Bereits in den vergangenen Jahren sei dieser Ort zu einem „wichtigen Treffpunkt für Jugendliche“ geworden, wo sie bestärkt werden, ihren Weg zu gehen, und wo sie stets willkommen sind, unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben. Daran anknüpfend sagte Landrat Stegmann, dass das neue Zentrum „Jung und Alt im Landkreis zusammenbringen und die Gemeinschaft fördern“ werde. Wie im richtigen Kiez, den man vor allem von Großstädten kennt, werde auch das neue Gebäude ein „lebendiger Ort“ sein, wo sich Menschen gerne aufhalten und wo das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt wird.

 Die Grundsteinplatte aus Metall mit dem Vers aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther.
Die Grundsteinplatte aus Metall mit dem Vers aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther. (Foto: Ulrich Stock)

„Gotteshäuser haben nur Zukunft, wenn sie mit Menschen gefüllt werden“, so Pfarrer Darius Niklewicz von der benachbarten katholischen Kirchengemeinde St. Ludwig in seinem Grußwort. Kirche werde nur angenommen, wenn sie „glaubwürdig, anziehend und lebendig“ ist. Christen müssten „dafür sorgen, dass in allen Häusern ein Klima des Friedens und des Willkommens herrscht“ und sich alle Menschen uneingeschränkt begegnen können.

Der Vorarlberger Architekt Stefan Marte, dessen Büro beim Wettbewerb vor sechs Jahren das Rennen machte, sprach von einem „Dornröschenschloss, das wir wachgeküsst haben“ und meinte damit das Ensemble von einer „wunderschönen Kirche und einem wunderschönen Gebäude in einem wunderschönen Park“. Der Pavillon, der hell und lichtdurchlässig sei, innen wie ein „Wohnzimmer“, werde „die neue Mitte von Lindau“ zeigen. Marte: „Ein Gebäude, das ausstrahlen wird.“

 Feierten gemeinsam mit Mitgliedern der Kirchengemeinden die Grundsteinlegung (von links): Kirchenvorstand Michael Brandt, Dekan
Feierten gemeinsam mit Mitgliedern der Kirchengemeinden die Grundsteinlegung (von links): Kirchenvorstand Michael Brandt, Dekanatsjugendreferent Tobias Bernhard, Pfarrer Thomas Bovenschen, Pfarrer Jörg Hellmuth, Oberbürgermeisterin Claudia Alfons, Pfarrer Darius Niklewicz (hinten), Dekan Jörg Dittmar, Pfarrerin Ulrike Lay, Jugendkirchenpfarrerin Johannetta Cornell, Landrat Elmar Stegmann, Architekt Stefan Marte (hinten), Pfarrer Eberhard Heuß und Felix Schnell (Jugendkirche luv) (Foto: Ulrich Stock)

Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen gehofft, die Grundsteinlegung im Anschluss an die Feier auf der benachbarten Baustelle durchführen zu können. Doch das ließ das schlechte Wetter mit Gewitter und Starkregen nicht zu. So wurde die Zeremonie kurzerhand in den Altarraum der Christuskirche verlegt. Die Grundsteinkassette, die bereits während der Feier unter anderem mit einer Urkunde, zwei Tageszeitungen (LZ und FAZ), Bauplänen des Gebäudes, Münzen und kirchlichen Zeitdokumenten gefüllt worden war, wurde von zwei luv-Jugendlichen symbolisch in einem Holzkasten versenkt.

Obenauf angeschweißt befand sich die Grundsteinplatte, ebenfalls aus Metall, mit dem Vers aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther („Gott ist treu …“). Zum Abschluss folgten noch drei symbolische Hammerschläge auf die Metallplatte durch Vertreter der drei maßgeblichen Nutzergruppen des neuen Gebäudes, die da sind: St. Stephan-Christuskirche, Jugendkirche luv sowie die Pfarrämter der Kirchengemeinden von Lindau und Wasserburg.

 So sieht die „kiez“-Baustelle aktuell aus – im rechten Teil des Rohbaus sieht man den Eingangsbereich, wo die Grundsteinkassett
So sieht die „kiez“-Baustelle aktuell aus – im rechten Teil des Rohbaus sieht man den Eingangsbereich, wo die Grundsteinkassette in den nächsten Tagen nachträglich einbetoniert wird. (Foto: Ulrich Stock)

Die eigentliche Grundsteinlegung soll in den nächsten Tagen auf der Baustelle nachgeholt werden. Die Kassette mit Platte soll am künftigen Haupteingang des „kiez“ einbetoniert werden, eine weitere Platte (identisch mit der ersten) wird am Eingang zum luv-Bereich eingelassen, der sich auf der Rückseite des Gebäudes befindet und durch einen eigenen Weg von der Ludwig-Kick-Straße aus zugänglich ist.

Die Gesamtkosten für das Projekt „kiez“ belaufen sich nach Angaben von Pfarrer Heuß auf rund 4,1 Millionen Euro. Davon trägt die Landeskirche mit knapp 2,3 Millionen Euro den größten Anteil. Die Kirchengemeinde St. Stephan-Christuskirche beteiligt sich mit rund 1,5 Millionen Euro und muss sich dafür von eigenen Immobilien trennen. Rund 85 000 Euro kommen als Zuschüsse vom Dekanat, von der Stadt und vom Landkreis. Somit klafft noch eine Finanzierungslücke in Höhe von 200 000 Euro, die durch Spenden geschlossen werden soll.

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