Gesellin erhält eine ganz besondere Auszeichnung

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Die Freude ist groß: Als erste Schreinerin erhält Katharina Volkert den selten vergebenen August-Geiger-Preis, den ihr Kreishand
Die Freude ist groß: Als erste Schreinerin erhält Katharina Volkert den selten vergebenen August-Geiger-Preis, den ihr Kreishandwerksmeister Uli Kaiser überreicht. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Eine selten vergebene, daher aber eine ganz besondere Auszeichnung ist der August-Geiger-Preis, der an besonders gute Absolventen einer Handwerkslehre vergeben wird. In diesem Jahr erhielt Katharina Volkert die Auszeichnung.

Benannt ist der Preis nach seinem Stifter, dem ehemaligen Kreishandwerkermeister August Geiger, der selbst Schreiner war. Nach seinem Tod tauchte ein kleines Vermögen auf, das für eine Stiftung bestimmt war und die eben für herausragende Junggesellen eine Urkunde und einen kleinen Goldbarren bestimmte. Dass da eines Tages eine Schreinerin dasteht und den Geigerpreis überreicht bekommt, hätte sich Geiger wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Nun aber war es soweit, mit Katharina Volkert hat eine Schreiner-Junggesellin den August-Geiger-Preis erhalten. Katharina stammt aus Weitnau, hatte in Kempten die Realschule und anschließend die Fachoberschule besucht. Daran schloss sie das Studium der Umwelt und Verfahrenstechnik an, „ich wollte damals die Welt retten“, wie sie lachend gesteht, aber eigentlich nicht gern über das Studium spricht, denn da ecke man ständig an, was sie gar nicht wolle. Nach dem Studium aber „wollte ich noch was Gescheites lernen“. Die Wahl war für sie einfach: Das Schreinerhandwerk hatte es ihr angetan. Mit dem Resultat, dass sie einen glänzenden Abschluss hingelegt hat. Ihr Freund musste da wohl eine ganze Zeit auf sie mehr oder weniger verzichten, weil „sie hatte unheimlich intensiv auf den Abschluss hin gelernt“, wie er zugibt. So war sie in der ganzen Runde der Junggesellinnen und -gesellen nicht die jüngste, aber die beste und kam aus dem Strahlen gar nicht mehr heraus.

Bei den Schreinern ist das Gesellenstück meist etwas ganz Besonderes, seit Jahren stellen die Schreiner diese immer aus. Katharina baute einen Küchentisch für ihre kleine Wohnung in Heimenkirch, dessen Spezialschublade einen Laptop aufnehmen kann, der ruckzuck in der Versenkung verschwindet, damit der Tisch beispielswiese zum Essen genutzt werden kann. Beruflich bleibt sie dem Holz treu, wenngleich zumindest derzeit nicht als Schreinerin, obwohl ihr da auch der erlernte Beruf hilft.

Sie arbeitet im Kletterwald in Augsburg, wo sie zuvor schon gejobbt hatte. So kann sie jetzt ihr Schreinerhandwerk und die Tätigkeit als Baumpflegerin miteinander kombinieren, zumindest als Saisonarbeit. Aber zu ihrem erfolgreichen Abschluss weiß Katharina Volkert nur eins zu sagen: „Ich bin keine bessere Schreinerin als alle anderen!“

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