Frontalangriff auf die Grenze des guten Geschmacks

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 Voller Körpereinsatz: Matze Weinmann, Don Svezia und Andi Kraus (von links) als Trio Duftig beim Synchron-Haarewaschen.
Voller Körpereinsatz: Matze Weinmann, Don Svezia und Andi Kraus (von links) als Trio Duftig beim Synchron-Haarewaschen. (Foto: Tanja Schittenhelm)
Tanja Schittenhelm

„Wir sind Eure Mütter“ hieß es auch am Donnerstagabend in der Inselhalle als das Komikertrio aus Stuttgart ihr sechstes Bühnenprogramm mit dem Titel – „Das fette Stück fliegt wie ’ne Eins!“ auf die Bühne brachte. Die drei Jugendfreunde Andi Kraus, Don Svezia und Matze Weinmann, bekannt für ihren skurrilen Humor und ihre Situationskomik, wurden auch in Lindau von einer johlenden Mehrheit mit viel Applaus empfangen. Das bei ihrer Show die Grenzen des guten Geschmacks bewusst verletzt werden, hat Methode.

Weil Gott nicht überall sein konnte, schuf er „Eure Mütter“ – mit dem Einstieg startete der rund zwei Stunden dauernde Abend. Natürlich durfte auch die Einbindung des Publikums nicht fehlen und so wurde gleich zu Anfang Hanna auserkoren, die französisch-sprechende Lindauer Einzelhändlerin.

Oft hatte man an diesem Abend das Gefühl, sie wollten sich und ihre Comedy selbst karikieren. Wie anders käme man(n) sonst darauf, die Produktion einer Mini-Salami in Ansbach mit dem „Vorhaut-Geruch“ der Stadt zu assoziieren?

Wer war die Nummer eins auf dem Mond?

Egal, ob es um Probleme bei Paketzustellungen mit Briefkasten oder das Für und Wider bei männlicher Schambehaarung geht – ausführlichst und sehr konkret thematisiert von Andi Kraus, verkleidet als eine Art türkisch-griechischer Volksmusiker. Von der Technikhilfe durch die Computerfee über die ganz speziellen Probleme beim Psychiaterbesuch hin zu den Zukunftsplänen des fünfjährigen Neffen oder dem Geburtstagslied, fand sich das Publikum in den verschiedenen Sketchen wieder. Dazu die Frage, wer als erster den Mond betreten darf. Schräge Tanznummern oder Lieder mit deftigem Inhalt sorgten zusätzlich für besondere Heiterkeit.

Wo es mit dem eigenen Witz hapert, denn mancher Sketch stolpert nur mühsam zur vermeintlichen Pointe, stand zugleich die nächste direkte Derbheit auf dem Programm.

Vor der Pause lud dann das Trio zu ihrem traditionellen Publikumsspiel „Die harte Tür“ ein. Für den besten Spruch, mit dem Hansi Hinterseer es schafft, an den strengen Türstehern des Lindauer-Sushilokals vorbeizukommen, gab es als Preis eine „Eure Mütter“-DVD zu gewinnen.

Nach einem strengen Auswahlverfahren aber am Ende deutlichen Ergebnis stand der Gewinner fest. Ansgar aus Lindau wurde mit „Hansi mich etwa nicht erkannt“ Einlass gewährt.

Nach insgesamt drei Zugaben inklusive dem Synchron-Haarewaschen und dem obligatorischen Abschiedslied, standen die drei Comedians dann noch im Foyer für Autogramme bereit.

An Derbheiten und eigenwilliger Situationskomik haperte es an diesem Abend ganz sich nicht. Die begeisterte Mehrheit sah auch darüber hinweg, dass nicht alle Lieder und Sketche an diesem Abend „wie ’ne Eins“, geflogen sind.

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