Friedensräume legen ein Mut machendes Programm auf

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Zur „Auseinandersetzung“ mit dem Frieden soll nicht nur die gleichnamige Sitzgruppe in den Friedensräumen anregen, sondern auch
Zur „Auseinandersetzung“ mit dem Frieden soll nicht nur die gleichnamige Sitzgruppe in den Friedensräumen anregen, sondern auch das neue Programm, das das Leitungsteam, hier Gertrud Fersch und Waltraut Bube, für diese Saison vorbereitet hat. (Foto: Isbael Kubeth de Placido)
Isbael Kubeth de Placido

Weniger geht nicht. Eigentlich hatte das Friedensräume-Leitungsteam vorgehabt, ein weniger umfangreiches Programm für diese Saison vorzubereiten. Doch daraus wurde nichts. Mit insgesamt 30 Veranstaltungen plus acht Filmen ist das Programm 2019 beinahe genauso prall gefüllt wie das vom vergangenen Jahr. Was auch notwendig ist. Denn angesichts der Konflikte dieser Welt werden den Friedensräumen auch in Zukunft leider die Themen nicht ausgehen.

Das Schwerpunktthema des diesjährigen Programmes der Friedensräume ist der Rassismus. Darauf richtet sich die sogenannte politische Reihe mit seinen zwei Vorträgen aus. Aber, so erklären Gertrud Fersch und Waltraut Bube vom Leitungsteam, letztendlich hätten auch alle anderen Vorträge, Veranstaltungen und Filme in irgendeiner Weise mit Rassismus oder Ausgrenzung zu tun.

Die politische Vortragsreihe trägt den vieldeutigen Titel „Porentief rein?“ und behandelt den „Rassismus in unserer Gesellschaft“ mit zwei Vorträgen. So befasst sich am 10. Mai der Pädagoge Peter Nick in seinem Vortrag „Ohne Angst verschieden sein. Herausforderungen der Migrationsgesellschaft“ damit, warum Bürger, die eine starke eigene Identität haben, offener und toleranter fremden Kulturen gegenüberstehen, als solche Menschen, deren Identität schwach ist. Am 17. Mai beschäftigt sich der Friedens- und Konfliktforscher Walid Malik mit den alltäglichen Formen von Rassismus. Eben auch solchen, die der in Deutschland als Sohn von aus Pakistan geflüchteten Eltern lebende Friedens- und Konfliktforscher selbst erfahren hat.

Dem immer noch aktuellen Thema Flucht nimmt sich Wolfgang Kessler am 24. Mai an. Allerdings im umgekehrten Sinne. In seinem Vortrag „Damit sie bleiben können. Warum der Kampf gegen Fluchtursachen wichtiger ist als ein Einwanderungsgesetz“ geht es dem Ökonomen und Journalisten um die Bekämpfung von Fluchtursachen und damit zusammenhängend um die Schaffung von Lebensperspektiven, damit die Menschen in ihren Heimatländern bleiben können.

Ein altes und damit ureigenes, aber dennoch aktuelles Thema der Friedensbewegung und der Friedensräume sind die Atomwaffen. Mit ihnen beschäftigt sich Clemens Ronnefeldt am 3. Juli in seinem Vortrag „Atomwaffen – eine alte und eine neue Bedrohung“.

Was im diesjährigen Programm im Vergleich zu den vorangegangenen anders ist, und darauf weisen die beiden Friedensräume-Damen extra hin, ist, dass bei den insgesamt neun Vorträgen viele dabei sind, die Mut machen. Und zwar deshalb, weil sie von gelungener Friedensarbeit erzählen. Den Anfang macht dabei „ein tolles Beispiel, wie kleine Dinge etwas verändern“, wie Fersch findet, aus der Region. Der Vortrag von Markus Reichart, dem Bürgermeister von Heimenkirch, erzählt am 29. April die Geschichte „warum sich eine kleine Gemeinde um die Probleme kümmert, die die „große Politik“ nicht lösen kann“. In „Projekt-Partnerschaft zwischen Heimenkirch und der libanesischen Gemeinde Ghazzé“, wird der Bürgermeister über das Engagement seiner und den anderen im „interkommunalen Libanon-Ausschuss Allgäu“ beteiligten Gemeinden des Landkreises sprechen.

Mut zum Friedensengagement macht aber auch der Vortrag „Dem Frieden eine Brücke bauen“, am 26. April. Hier berichtet Bruder, Missionar und Bauingenieur Hans Eigner über ein Comboni-Friedensdorf im Südsudan, in dem traumatisierte Menschen wieder mit sich und der Welt in Frieden leben können. Der Vortrag „Von denen niemand spricht“ am 20. September beschließt den Mut-Mach-Reigen. Hier berichtet Wolfgang Heinrich vom Wandel der Entwicklungshilfe. Davon, dass diese Hilfe heute viel effektiver ist, als sie einmal war. Ganz abgesehen davon, dass bei der Politfilmreihe auch Filme dabei sind, die Mut machen, wie etwa das „Weserlust-Hotel“ am 7. Mai.

Neben den Vorträgen bieten die Friedensräume auch in diesem Jahr wieder die Reihe „Töne und Texte“ an, bei der bei fünf Veranstaltungen Lesungen und Musik zusammenklingen. Herauszuheben, weil noch nie da gewesen, ist dabei jenes interkulturelle Chorprojekt am 19. Mai, bei dem junge Geflüchtete am „Tag der offenen Friedensräume“ miteinander singen.

Eine sicherlich eindrucksvolle Ausstellung zum Thema Frieden wird jene sein, die am 3. Juli und damit in der Zeit, in der die Nobelpreisträgertagung stattfindet, an der Hafenpromenade zu sehen ist. Wie der Titel „Die sieben goldenen Nasen des deutschen Rüstungsexports“ schon sagt, werden die Nasen der führenden Rüstungsmanager der deutschen Rüstungsindustrie als Skulpturen gezeigt.

Die Matinée, mit der die Friedensräume traditionell ihre Saison eröffnen, findet übrigens am 13. April statt. Den Eröffnungsvortrag wird Christian Boeser-Schnebel halten und lautet „Starke Bürger, starke Gesellschaft – Warum wir beides brauchen“.

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