Friede ist nicht unmöglich

Lesedauer: 7 Min
 Fotokünstlerin Bärbel Starz, die Palästinenser Kadra Zreineh und Bassem Zreineh sowie Rabbiner Tovia Ben Chorin schauen aus dem
Fotokünstlerin Bärbel Starz, die Palästinenser Kadra Zreineh und Bassem Zreineh sowie Rabbiner Tovia Ben Chorin schauen aus dem Lichtkubus, der die israelische Mauer in Bethlehem zeigt und Teil der Ausstellung in den Friedensräumen ist (von links). (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

„Sharing water – sharing wings, Dialog der Welten, Israel-Palästina“, heißt die Ausstellung von Bärbel Starz, die bis zum Ende des Monats in den Friedensräumen zu sehen ist. Dabei präsentiert die Künstlerin aus Friedrichshafen nicht nur jede Menge digitale Fotos auf großen Leinwänden, die sie in drei fotografischen Serien zusammengefasst hat, sondern auch einen großen Lichtkubus, der die israelische Mauer nach Palästina, den antipalästinensischen Schutzwall, abbildet. Allein schon die Ausstellungseröffnung hat ein buntes und illustres Publikum angezogen.

So viele und vor allem aber so viele „andere“ sind noch nie zu einer Ausstellungseröffnung in die Friedensräume gekommen. Denn eigentlich ist es immer der gleiche interessierte, engagierte und überschaubare Kreis, der die Veranstaltungen in diesem besonderen Museum in der Villa Lindenhof besucht. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Sharing water – sharing wings, Dialog der Welten, Israel-Palästina “ war das allerdings anders. Hatte die Friedrichshafener Fotokünstlerin Bärbel Starz doch jede Menge Freunde und Bekannte mitgebracht, die das Lindauer Stammpublikum derart vergrößerten, dass ein großer Teil der Besucher nur noch draußen im Garten Platz fand, während drinnen zuerst einmal noch die Ausstellung mit launigen Reden sowie jüdischer und palästinensischer Musik eröffnet wurde.

So erzählte Friedensräume-Koordinatorin Cornelia Speth, dass Bärbel Starz nach einem Besuch der Friedensräume vor einem Dreivierteljahr auf das Leitungsteam zugekommen sei und ihm ihre Idee von der Ausstellung unterbreitet habe. Und weil das Thema Israel, Palästina ein Schwerpunkt der Friedensarbeit der Friedensräume vor Ort sei, habe das Leitungsteam Ja zur Ausstellung gesagt und Bärbel Starz jede Menge Kontakte auf ihre Reise nach Palästina mitgegeben. Mitgebracht habe die Künstlerin wiederum Bilder voller Zartheit, die deutlich machten, wie sehr sich die Menschen Frieden wünschten.

Dass das so ist, davon war auch der St. Galler Rabbiner Tovia Ben Chorin überzeugt. „Durch die Bilder werden wir alle Freunde werden“, meinte er sogar und fand, dass Bärbel Starz’ Fotos die gleiche verbindende Wirkung hätten wie Musik. In seiner Rede sprach der in Jerusalem geborene Rabbiner insbesondere auch jenen Teil der digitalen Ausstellung an, in dem die Fotos symbolträchtig inszeniert sind.

Touristen posieren mit Engelsflügeln

Vor der israelischen Mauer in Bethlehem etwa, die der britische Street-Art-Künstler Banksy und auch viele andere von ihm inspirierte Künstler mit eindrucksvollen Graffiti versehen haben, lässt Bärbel Starz Touristen und Palästinenser mit großen weißen Engelsflügeln posieren. Für Tovia Ben Chorin stellen sie sowohl Flügel der Hoffnung als auch gebrochene Flügel dar. Je nachdem, wer sie trägt. Trotzdem lautet für ihn die Botschaft dieser Fotos, die Hoffnung auf Frieden nie aufzugeben. Denn, so war er überzeugt, „an dem Tag, an dem das geomystische und das politische Israel zusammenkommen, das ist der Anfang der messianischen Zeit.“

Symbolhaft waren auch jene Fotos, auf denen die christliche Palästinenserin aus Betlehem mitgewirkt hat. So schöpft Kadra Zreineh auf einem Bild, das Teil eines Triptychons ist, auf dem Ölberg in Jerusalem Wasser, reicht es weiter und teilt es mit ihrer Enkelin. Gleiches tun jeweils eine Jüdin und eine Muslima mit ihren Töchtern. „Für mich ist der Friede nicht unmöglich“, sagte Kadra Zreineh und betonte, dass sie wie auch die Bevölkerungen Palästinas und Israels gerne in Frieden leben würde. „Es liegt an den hohen Tieren da oben, dass es nicht so ist“, meinte sie und sagte, dass sie auf Begegnungen setze.

Da es Faten Mukarker, die ebenfalls bei den Fotos mitgewirkt hatte, nicht erlaubt war, nach Lindau zu kommen, verlas Jule Sebastian ihre Botschaft an die Gäste der Vernissage. Darin erzählte die Palästinenserin von der Mauer in ihrem Garten und davon, dass ihr Bärbel Starz mit ihrer Kunstaktion Flügel gegeben habe, die es ihr möglich machten, einen Blick über die Mauer zu werfen. Und der Realität zu entfliehen und sich Zukunftsbilder auszumalen, von einem Jerusalem, in dem alle Menschen, egal ob Christen, Muslime oder Juden, gleich seien.

Den Höhepunkt der Vernissage bildete die Enthüllung des großen quadratischen Lichtkubus im Garten der Friedensräume. Er soll dazu einladen, den Friedensgedanken in eine individuelle geistig-körperliche Bewegung zu verwandeln, sagte Starz. Zudem erklärte die Künstlerin auch, dass die drei Fotoserien, deren Installationen durch alle drei Räume der Friedensräume letztendlich auf den Kubus zuführen, drei Themenstellungen haben: Während das Teilen des Wassers gleichsam den Willen zum Frieden symbolisiere, spiegeln die Engelsflügel den Friedensgedanken wider. Und in der Schönheit des Landes, die Bärbel Starz mit zahlreichen Fotos dokumentiert, sieht die Künstlerin das Verbindende.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen