Frauen müssen lernen, streitbar zu sein

Lesedauer: 5 Min
 Kreisrätinnen diskutieren über Motivationen, Nachwuchs und die Quote (von links): Margret Mader, als Gast Rose Eitel-Schmid, Pe
Kreisrätinnen diskutieren über Motivationen, Nachwuchs und die Quote (von links): Margret Mader, als Gast Rose Eitel-Schmid, Petra Meier to Bernd-Seidl, Ulrike Lorenz-Mayer, Moderatorin Inge-Marga Pietrzak, Barbara Krämer-Kubas, Uta Reinholz und Angela Feßler. (Foto: chris.lira@t-online.de)
Christiane Link-Raule

Gleichstellungsbeauftragte Ursula Sauter-Heiler hatte ein vielfältiges Programm mit Kinofilm, Kostümführung und Diskussion rund um den Weltfrauentag und unter dem Motto „100 Jahre Frauenwahlrecht“ zusammengestellt. Im Heimenkircher Paul-Bäck-Haus erzählten Kreisrätinnen, welche Beweggründe sie antreiben, in der Politik mitzumischen. Der Wermutstropfen des Abends – es kamen gerade mal 15 Zuhörerinnen – war gleichzeitig auch ein Thema, das diskutiert wurde.

Stellvertretend für ihre Fraktionen waren Margret Mader (CSU), Barbara Krämer-Kubas (SPD), Ulrike Lorenz-Meyer (Bündnis90/Die Grünen), Uta Reinholz (ÖDP), Angela Feßler (Freie Wähler) und Petra Meier to Bernd-Seidl (Freie Bürgerschaft Lindau) dabei. Ihre fraktionsübergreifende und einhellige Meinung: Im Kreistag sind Fraktionen nicht relevant. Es gehe um die übergeordnete Sache und es mache einfach Spaß, etwas zu bewegen.

Dass nur 15 Zuhörerinnen gekommen waren, nahmen die Kreisrätinnen zum Diskussions-Anlass: Wie schaffen wir es, Frauen aller Couleur zum Mitmachen zu bewegen und Nachwuchspolitikerinnen zu generieren? Ganz einfach zu beantworten war die Frage nicht und vieles blieb offen. Fest stand jedoch, dass sich die Rahmenbedingungen ändern müssen, um gerade berufstätigen Frauen ein Engagement zu ermöglichen. Erste pragmatische Vorschläge: Kreistagssitzungen nicht um 14 Uhr, sondern um 18 Uhr abhalten. Verpflichtung der Unternehmen, die ehrenamtlichen Politikerinnen bei Bedarf freizustellen. Patenschaften für junge Nachfolgerinnen zu übernehmen, sie zu begleiten, Netzwerke auszubauen und zu intensivieren.

Neben all diesen gesellschaftlich umsetzbaren Veränderungen gebe es jedoch dank internalisierter Unterdrückung einen gewichtigen, durch Sozialisierung erlernten Hinderungsgrund, den Ulrike Lorenz-Meyer ansprach: „Frauen wollen gemocht werden.“ Während Männer „Viel Feind, viel Ehr“ als Leitspruch hätten, wollen Frauen nicht anecken. Ihr Appell: „Wir müssen lernen, stolz darauf zu sein, streitbar zu sein.“ Wichtig zu lernen sei ebenso, betonte Petra Meier to Bernd-Seidl, über „Äußerlichkeiten zu stehen“. Moderatorin Inge-Marga Pietrzak brachte es mit einem Zitat von Simone de Beauvoir auf den Punkt: „Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts.“

Fast alle sind sich einig: Eine Quote ist nötig

Bis auf Bernd-Seidl waren sich die Kreisrätinnen einig, dass die Quote gebraucht werde. Zumindest so lange, bis es normal sei, dass die Hälfte aller Macht in den Händen der Frauen liege. Quote bedeute schließlich nicht, dass den Frauen etwas geschenkt werde – die geforderte Leistung sei ja (mindestens) die gleiche. Aber: „Frauen brauchen die Chance der Quote“.

Ganz unterschiedlich dagegen die Beweggründe oder Anreize der Frauen, sich in der Politik zu engagieren. Während für Krämer-Kubas eindeutig der „Nato-Doppelbeschluss“ Grund war, in die Politik einzusteigen, erzählte Bernd-Seidl von der eigenen Betroffenheit und dem Spaß daran, etwas zu bewegen. Familiär vorgeprägt und seit der Jugend politisch interessiert sind Angela Feßler und Margret Mader, während die Männerdominanz des Kreistags Uta Reinholz veranlasste, sich zu engagieren. Ebenfalls bereits als Jugendliche an Politik interessiert gewesen ist Ulrike Lorenz-Meyer, die besonders von der ersten Generation der „grünen Frauen“ im Bundestag beeindruckt war. Ihre Motivation: „Global denken, lokal handeln.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen