„Frauen können es genauso gut wie Männer“

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isa und Isabel Kubeth de Placido

Nur noch bis kommenden Samstag, 12. Oktober, ist in den Räumen der Volkshochschule Lindau die Ausstellung „Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort! Frauen gestalten Politik in Bayern 1946 bis 2016“ zu sehen. Kein reines Frauenthema, sondern eines, das alle angeht. Genau deshalb haben mit Oberbürgermeister Gerhard Ecker und den beiden Vizepräsidenten des Bayerischen Landtages, Alexander Hold und Thomas Gehring, ausgerechnet drei Männer die vielgefragte Wanderausstellung eröffnet.

„Dass drei Männer die Ausstellung eröffnen, hat etwas mit dem Respekt für unsere Kolleginnen zu tun“, betonte Gerhard Ecker ausdrücklich. In seiner Rede, mit der er die Wanderausstellung des Bayerischen Landtags offiziell eröffnete, obwohl sie bereits seit einer Woche in den Räumen der Volkshochschule (VHS) auf der Hinteren Insel zu sehen ist, würdigte der Oberbürgermeister die Rolle der Frauen in der Politik. Und zwar nicht nur in der großen, sondern auch in der kleinen. Mit Anneliese Spangehl und Petra Seidl nannte er zwei Frauenbeispiele, die sich jahrelang in der Lindauer Stadt- und Kreispolitik engagiert haben und heute noch engagieren. Während Anneliese Spangehls Karriere in der Politik bis zur stellvertretenden Landrätin reichte, war Petra Seidl zwölf Jahre lang Oberbürgermeisterin. Umso mehr freute sich Ecker, dass sich mit Claudia Alfons und Claudia Halberkamp zwei junge Frauen um den Oberbürgermeisterposten bewerben. Denn, so war Ecker überzeugt, „es wäre schön, wenn heute noch mehr Frauen in die Politik einziehen würden.“

Das fanden auch die beiden Vizepräsidenten und Mitglieder des Bayerischen Landtags, Thomas Gehring (Bündnis 90/Die Grünen) und Alexander Hold (Freie Wähler). Und genau dazu auffordern solle eben diese Ausstellung. „Politik ist keine Männersache. Wir wollen, dass mehr Frauen im Landtag sind, ebenso wie in allen politischen Gremien“, brachte es Gehring im Dialoggespräch mit Hold auf den Punkt. Das Problem sei jedoch, erklärte Hold, dass die Frauen sich zwar das passive und aktive Wahlrecht längst erkämpft hätten. Allerdings habe den Kampf um das Wahlrecht der Kampf, überhaupt Frauen zu finden, die bereit seien, in die Parlamente einzuziehen, abgelöst. Und es sei ebenso ein Kampf, Stimmen zu finden, die die Frauen wählten. Dabei betonte Hold: „Frauen können es genauso gut wie Männer.“ Trotzdem läge der Frauenanteil im Bayerischen Landtag bei nur 27 Prozent und bayernweit seien lediglich zwölf Prozent der Oberbürgermeister weiblich.

Dass es deshalb gelte, mehr Frauen in die Parlamente und überhaupt in die Politik zu bewegen, darüber waren sich beide Redner einig. Uneinigkeit gab es lediglich über den Weg. Während Gehring, als Politiker jener Partei, in der Frauen in Spitzenpositionen in der Mehrheit sind, die Lösung in quotierten Listenplätzen sieht, sieht für Hold die Lösung vielschichtiger aus. So fand er, dass sich zum einen die Rollenverständnisse ändern müssten, und zum anderen müssten die Parteien so weit kommen, dass Frauen aussichtsreiche Listenplätze bekämen. Und letztendlich müssten die Frauen dann auch gewählt werden.

„Sie haben es in der Hand, jetzt mal wieder eine Oberbürgermeisterin zu wählen“, sagte Hold an die Besucher gerichtet. Wofür er von Gehring Recht bekam, der zudem betonte: „Ich möchte in Zukunft auch öfter sagen können: Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort.“

Für Gesprächsstoff unter den Besuchern, die zu einem großen Teil aus Politikern der Lokal- und Kreispolitik bestanden, sorgte im Anschluss an die Eröffnung die sehenswerte Ausstellung. Zeigt sie doch das Selbstverständnis und die Arbeit der Parlamentarierinnen von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Dabei will die Ausstellung der heutigen Generation Vorbilder und Impulse für politisches Engagement bieten.

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