FPÖ-Mitglieder dürfen heuer kostenlos ins Theater Kosmos

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 Hubert Dragaschnig, Lweiter des Theater Kosmos in Bregenz, und Kurator Stephan Kasimir stellen das Jahresprogramm der Bregenzer
Hubert Dragaschnig, Lweiter des Theater Kosmos in Bregenz, und Kurator Stephan Kasimir stellen das Jahresprogramm der Bregenzer Bühne vor. (Foto: Theater Kosmos)
Lindauer Zeitung

Das Bregenzer Theater Kosmos bezieht dieses Jahr Position gegen den Populismus und die Ökonomisierung des Kulturbetriebs. In einer Aktion sollen FPÖ-Mitglieder freien Eintritt zu allen vier Produktionen erhalten – von der Partei gibt es Kritik dafür, wie der ORF berichtet. Das Theater hat seinen Jahresspielplan vorgestellt.

FPÖ-Mitglieder lade man deshalb gratis ins Theater ein, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und sie für „ein solidarisches Verhalten“ zu gewinnen, erläuterte Hubert Dragaschnig bei der Programmpräsentation. „In Zeiten, wenn Populisten versuchen, mit oberflächlichen Phrasen die Gesellschaft zu spalten und immer mehr Teile der Gesellschaft sich dieser Haltung anschließen, sind wir drauf und dran, wieder in eine selbstverschuldete Unmündigkeit zu geraten“, brachte er seine Meinung zum Ausdruck. Das Theater verstehe er als „eine Bastion der Mündigkeit“. Die Bühne sei als Ort der Begegnung mit Menschen und ihren Biografien zu verstehen. Das würde Mitgefühl, Respekt, Empathie und Verständnis befördern.

Die Replik von FPÖ-Landesparteiobmann Christof Bitschi erfolgte prompt: „Mit solchen Aktionen wird ganz gezielt versucht, die Stimmung in unserem Land zu vergiften und gegen eine demokratisch gewählte Partei und deren Mitglieder zu hetzen.“ In seiner Aussendung warnte der Vorarlberger FPÖ-Chef seinerseits vor einer Spaltung der Gesellschaft.

Jeder Theaterbesucher erhält nach der Vorstellung zehn Euro

Eine weitere eigenwillige Aktion setzt das Theater Kosmos gegen die „zunehmende Ökonomisierung aller Facetten unseres Lebens“. Öffentliche Bereiche wie Bildung, Soziales, Kunst und Kultur würden zunehmend „profaner Rentabilität“ unterstellt und damit Gesellschaft und Zusammenleben auf reine Messbarkeit verringert, kritisierten die beiden Theaterleiter. Um darüber eine Diskussion in Gang zu bringen, wird je eine Aufführung der vier Produktionen nicht nur für alle Besucher gratis sein, jeder Besucher erhält beim Verlassen des Theaters auch noch zehn Euro.

Spielplan unter dem Motto:„Wie gefällt Euch unsere Zeit?“

Passend zu den beiden Aktionen geht auch der Spielplan des Theaters Kosmos der Frage „Wie gefällt Euch unsere Zeit?“ nach, einem Zitat aus Ödon von Horvaths 1930 geschriebenem Buch „Ein Kind unserer Zeit“, in dem Horvath gegen die aufkommenden Nationalismen seiner Zeit Position bezieht.

Das Zitat steht auch der ersten Produktion „Nacht ohne Sterne“ von Bernhard Studlar voran, die am 23. Februar als österreichische Erstaufführung Premiere feiern wird. Das Stück, das Dragaschnig in seiner Dramaturgie an Schnitzlers „Reigen“ erinnert, erzählt in zwölf Szenen vom Dünnerwerden der Zivilisationsdecke in einer Zeit, in der Gewalt und Ungleichheit von Rechtspopulisten für ihre Zwecke ausgenutzt wird. Regie führen wird Hubert Dragaschnig.

Gleich drei Uraufführungen – so viele wie noch nie – folgen Studlars Werk. Zunächst stellt das Theater Kosmos mit „Odyssee – Ein Stück über Heimat nach Homer“ unterschiedliche Welten gegenüber und verknüpft antike Epik mit Geschichten aus der Bevölkerung. In diesem Fall anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Eingliederung des Vororts Vorkloster in die Landeshauptstadt Bregenz mit Erlebnissen von Bewohnern des Stadtteils. Für die Textbearbeitung und Inszenierung wird der in Heidelberg geborene Autor und Regisseur Philip Jenkins verantwortlich zeichnen. Auf der Bühne steht unter anderem die in Lindau lebende Schauspielerin Sabine Lorenz.

Die zweite Uraufführung soll wie bereits „Oh Schimmi“ von Teresa Präauer (2018) einem jungen Autor und einer jungen Regisseurin eine Bühne geben. Das Stück „Das Optimum (Arbeitstitel)“ des 1992 geborenen Niederösterreichers Mario Wurmitzer in Zusammenarbeit mit Maria Sendlhofer (Regie), Absolventin des Max Reinhardt Seminars, behandelt unter anderem die Diskrepanz zwischen Sein und Schein, die „angesichts von Fake News und alternativen Fakten vielleicht noch nie größer war als heute“, so Dragaschnig und Jagg.

Für die letzte Produktion des Jahres haben die Theatermacher Michael Köhlmeier als Autor gewonnen. Unter dem Arbeitstitel „Lamm Gottes“ wird der Schriftsteller einen Theaterabend nach einem Triptychon gestalten. „Jeder Teil ist in sich geschlossen und erzählt eine Geschichte. Am Ende sollen sie einen vierten Teil ergeben – in den Köpfen des Publikums“, führte Dragaschnig aus. Inhaltlich werde sich alles um „essen, fressen und gefressen werden“ drehen.

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