Firmen reißen sich um Altkleider

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Wer die Altkleidercontainer der Kolpingsfamilie im Lindauer Wertstoffhof füttert, leistet zweimal eine gute Tat: Mit dem Erlös f (Foto: Christian Flemming)
Evi Eck-Gedler

Bis zu 500 Euro gibt es derzeit für eine Tonne Altkleider. Das freut soziale Einrichtungen wie BRK oder Kolpingfamilie: Die finanzieren mit diesem Erlös einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeit. Es ruft aber auch Privatfirmen auf den Plan: Mal schöpfen sie Vereinssammlungen ab, dann stellen sie eigene Container auf – oft ohne Genehmigung. Gegen solchen Wildwuchs macht jetzt der ZAK mobil.

Seit die neue Fassung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gilt, haben öffentlich-rechtliche Entsorger wie der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten, kurz ZAK, den Vorrang für alles, was unter Müll und Wertstoffe fällt. Also auch für alte Hosen, Röcke, Blusen, Hemden, Kleider, Anzüge – alles, was die Bewohner der Region eben aus ihren Kleiderschränken aussortieren.

ZAK unterstützt soziale Aktionen

In seinem Verbandsgebiet hat der ZAK jedoch nie selbst Altkleider gesammelt. Vielmehr arbeitet er seit vielen Jahren mit der Aktion Hoffnung zusammen, einer Hilfsorganisation der Diözese Augsburg. Die darf ihre Container an den Wertstoffinseln des ZAK aufstellen, neben Glas-, Metall- und Papierbehältern. „Wir überlassen der Aktion auch den gesamten Erlös aus ihren Altkleidercontainern in unserem Verbandsgebiet“, betont ZAK-Geschäftsführer Christian Oberhaus im Gespräch mit der LZ.

Die beiden Kooperationspartner beobachten aber seit einiger Zeit, dass immer häufiger private Firmen absahnen wollen: Innerhalb eines Jahres haben ZAK und Aktion Hoffnung zwischen Kempten und Lindau 27 illegal aufgestellte Altkleidercontainer entdeckt, zuletzt im Weißensberger Ortsteil Rothkreuz. Zuvor hatte die Aktion Hoffnung bereits ungenehmigte Container in Rehlings und Enzisweiler gesehen.

Die Dunkelziffer liegt noch viel höher, sind sich Oberhaus und sein ZAK-Kollege Karl-Heinz Lumer sicher. Dabei müssten gewerbliche Sammlungen seit der erwähnten Gesetzesänderung Monate vorher angemeldet werden – und dazu gehöre auch das Aufstellen von Sammelcontainern.

„Wir haben aber natürlich nichts dagegen, wenn örtliche Vereine oder karitative Organisationen Altkleider sammeln“, betont Oberhaus. Der ZAK-Geschäftsführer weiß, dass die Erlöse aus alten Kleidern für die soziale Arbeit in der Region sehr wichtig sind.

BRK profitiert von 44 Containern

Etwa für die des Bayerischen Roten Kreuzes. Das bestätigt der Lindauer BRK-Geschäftsführer Michael Fischer. 44 Container gehören kreisweit dem BRK. Allerdings leert das Rote Kreuz diese nicht selbst, „dazu sind wir als Kreisverband zu klein“, sagt Fischer. Er habe eine Firma damit beauftragt, die dem Lindauer BRK regelmäßig einen Teil des Erlöses überweist. Dieses Geld und jenes, das der Second-Hand-Kleiderladen des BRK in Lindau erwirtschaftet – dort verkauft das Rote Kreuz gespendete sehr gut erhaltene Kleidung – bezeichnet Fischer als wichtige Einnahmequelle für den Kreisverband.

Auch die Lindauer Kolpingsfamilie hat vor Jahren bereits Altkleidercontainer aufgestellt. die stehen : neben den Kirchen St. Josef in Reutin und St. Maria in Zech sowie im Lindauer Wertstoffhof. Die Lindauer füttern diese fleißig, wie der Kolpingvorsitzende Klaus Lingenhöl schildert: „Teilweise müssen wir die beiden Behälter im Wertstoffhof zwei- bis dreimal in der Woche leeren.“

Selbst sortieren bringt mehr Erlös

Die Kleiderspenden selbst zu sortieren, lohnt sich nach Lingenhöls Worten: „So bleibt der gesamte Erlös bei uns.“ Dabei arbeitet die Kolpingsfamilie eng mit der Lindauer Narrenzunft zusammen, auch bei den großen Altkleiderstraßensammlungen in Frühjahr und Herbst.

Für den Kolpingvorsitzenden ist klar, dass angesichts von Tonnenpreisen von bis zu 500 Euro für Altkleider private Firmen ein gutes Geschäft wittern. „Vor unserer jüngsten Sammlung etwa hat jemand in viele Briefkästen dubiose Handzettel geworfen, um an die Altkleider zu kommen“, berichtet Lingenhöl. Da hat sich nach seinen Worten dann sogar die Polizei eingeschaltet.

Erlöse helfen Kindergärten und Hospiz

„Die Preise für Altpapier und Altkleider sind derzeit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr.“ Das freut den Vorsitzenden der Lindauer Kolpingsfamilie, Klaus Lingenhöl, natürlich sehr. Immerhin bringen allein die Straßensammlungen von Kolping und Narren jeweils an die 30 Tonnen Altkleider – und damit gute Erlöse.

Spitzengebote privater Verwerter von bis zu 500 Euro hat er jedoch ausgeschlagen: „Wir schicken alle in Lindau gespendeten und gesammelten Altkleider zur bundesweit aktiven Kolping-Recycling“, betont Lingenhöl. Diese Tochtergesellschaft des Kolpingwerks zahle zwar nur an die 400 Euro pro Tonne – aber sie sorge dafür, dass die Altkleider sozial verträglich weitergegeben werden. Das sei im Sinne der Spender, ist der Lindauer Kolpingvorsitzende überzeugt.

Er erinnert daran, dass seit den Anfängen der Sammlungen Narrenzunft und Kolpingsfamilie die Erlöse aus Altpapier und -kleider immer für soziale Projekte überwiegend in Lindau gespendet haben. Zu den Empfängern gehören zahlreiche Kindergärten, das Hospiz, aber auch der Verein Frauen in Not. „Allein 2011 hat die Kolpingsfamilie 8000 Euro an Spenden weitergegeben.“

Klaus Lingenhöl hofft, dass die derzeitigen Höchstpreise noch eine Weile halten. Dann könne die Lindauer Kolpingsfamilie ihren Plan fortsetzen, möglichst in jedem Monat ein soziales Projekt zu fördern.

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