Farbenreicher Saisonauftakt im Stadttheater

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Katharina von Glasenapp

Gut gestimmt in jeglicher Hinsicht ist die Konzertsaison im Lindauer Stadttheater mit einem Bläserquintett eröffnet worden. Selbst der krankheitsbedingte Ausfall des Hornisten wurde durch das beherzte Einspringen eines Kollegen kompensiert.

Da sind die zierliche Französin Magali Mosnier an der Flöte, Klarinettist Sebastian Manz, der das Repertoire mit eigenen Bearbeitungen erweitert und dazu ein charmanter Moderator ist, und der Oboist Johannes Grosso mit seinem farbenreichen Ton. Marc Trénel deckt mit dem pochenden Fagott die tiefen Regionen ab und Johannes Lamotke, Solohornist der Komischen Oper Berlin, gliedert sich flexibel und nervenstark in das Ensemble und das anspruchsvolle Programm ein.

Vielseitiges Ensemble

Alle fünf sind Preisträger renommierter Wettbewerbe, sind in großen Orchestern in Paris, Frankfurt, Stuttgart und Berlin engagiert und dazu begeisterte Kammermusiker, die sich neben den Orchesterdiensten Raum für das Quintettspiel lassen. Schon allein die Probenarbeit dürfte eine logistische Herausforderung sein. Doch die Freude am gemeinsamen Musizieren, am Ausloten der Klänge, am Entdecken springt auch auf das Publikum über. Und ein feinsinniger, auf gewisse Art instrumententypischer Humor würzt das Ganze noch obendrein.

Die Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“ stimmen die fünf zu Beginn an – getragene Akkorde und ein von der Klarinette angeführtes, freches Treiben zeigen schon etwas von der herzhaften Ironie, die dann die drei „Shanties“ von Malcolm Arnold prägt: der „drunken sailor“ taumelt durch die musikalischen Zitate, flirtet mit Tango und Polka, macht einem sanft poetischen Zusammenspiel der Instrumente Platz. Klangfarben, kecke Körpersprache, musikantisches Treiben passen perfekt zusammen, sogar eine Schiffsglocke kann man heraushören. Mit diesem ebenso schwierigen wie geistreichen Stück finden die Flötistin und ihre Kollegen zu jener harmonischen Einheit, die es dann bei Mozart braucht.

Man müsse jede Note dreimal umdrehen, sagt Sebastian Manz über seine Bearbeitung von drei Mozartarien: Das Ergebnis ist höchst stimmig und gelungen, nah an den Affekten der Mozartschen Opernfiguren, dank der großen Atembögen und Artikulation hört man den Text gleichsam mit. In der Arie der Susanna aus „Figaros Hochzeit“ verströmt sich die Oboe in einer sehnsüchtigen Melodie, die emotionsgeladenen Koloraturen teilt sie sich dann mit Flöte und Klarinette. Mit unendlichem Atem gibt Sebastian Manz dann den treuen Don Ottavio, bevor sich in der dritten Arie aus „Titus“ Oboe und Klarinette zum sprudelnden Duett vereinen.

Französischer Charme

Theaterhaltung im humorvollen Miteinander von fünf Individuen , die sich bald großspurig hervortun, sich dann wieder im feinen Zusammenklang üben, prägt auch auf unterschiedliche Weise die beiden Werke von Hindemith und Francaix nach der Pause. Schräge Spielmusik, schwebende Klangmischungen oder geschwätziges Treiben sorgen bei Musikern wie Hörern für Bilder im Kopf. Französischer Charme und höchst virtuoser Anspruch vereinen sich aufs Beste, verlangen Kondition und Konzentration und lassen jedes Instrument in seiner Individualität hervortreten. Und Klarinettist Sebastian Manz findet reichlich Gelegenheit, das laut Eigendefinition „muffige Rum-Mulmen“ farbenreich auszugleichen. Ein toller Saisonauftakt.

Das nächste Konzert ist bereits am 29. Oktober um 20.30 und ermöglicht mit Lindaus Kulturpreisträger Rudi Spring an der Seite des jungen Tenors Julian Prégardien eine intensive Begegnung mit Liedern nach Gedichten von Friedrich Rückert. Karten hierfür sollte man sich bald sichern, denn das Interesse von Seiten der gleichzeitig tagenden Tiefenpsychologen sei groß, meinte Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn in seiner Begrüßung.

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