Farbenfrohe Narren machen den tristen Sonntag bunt

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Susi Donner

Sonntagmittag in Lindau: Es ist Zeit für den Großen Narrensprung, den Höhepunkt der Lindauer Fasnet – und es ist winterlich grau. Durch das Schneeflockengestöber klingt Schellengebimmel. Eine knappe Stunde vor Umzugsbeginn spucken die Züge im Bahnhof immer mehr Narren aus. Eben ist der Trommlerzug „Graf Ferdinand vom Ines“ aus Fischbach angekommen und die Musikanten in Kuhfleckenkostümen trommeln sich fröhlich auf der Partymeile am Seehafen warm. Was ein rechter Narr ist, dem ist das Wetter eh egal. Und so viel ist sicher: Heute ist die Inselstadt komplett in Narrenhand und wird zur närrischen Hochburg am bayerischen Bodensee.

Die Hafenpromenade füllt sich mehr und mehr mit Hästrägern und die ganze Insel mit Zaungästen, viele davon ebenfalls fantasievoll verkleidet. Sie alle feiern lange schon ausgelassen, noch bevor sich der närrische Lindwurm pünktlich um 14.01 Uhr in Bewegung setzt, nachdem die Böllerschützen der königlich privilegierten Schützengesellschaft am Hafen den Startschuss abgegeben haben.

Einige Narrenzünfte haben eine weite Anreise

Energisch marschiert Rudi Mäder, der Büttel der Narrenzunft Lindau, dem bunten Zug voraus. Ihm folgen der narrenzunfteigene Fanfarenzug und die freundlich grinsenden Kornköffler mit fröhlichem und vertrautem „Hoppla – Ho!“ Eher ungewohnte Klänge gibt’s mit den „Einschellern“ der Röllizunft aus dem schweizerischen Siebnen, die mit großen Kuhglocken den Takt vorgeben, in dem sich der Rölli und der Fossli der Zunft in tänzelndem Schritt mit „Röllirölli-Suppechnölli“ vorwärts bewegen. Sie hatten eine weite Anreise, ebenso wie ihre Landsleute von der Narrhalla Reichenburg oder die schaurig schönen Friburger Seeteufel aus Gundelfingen an der Donau, die Freiburger Stadthansele und die Böttinger Sternaberg Huzzla.

In mehr als 40 Startnummern setzen sich in den nächsten gut 90 Minuten mehr als 2000 Hästräger in Bewegung – Narrenzünfte und Musikkapellen, darunter viele, die auf den Umzügen der Region nicht oft zu sehen und zu hören sind und natürlich viele aus der direkten Nachbarschaft, wie die Hochbucher Obsthexen, die Achberger Kolderar, die Inselwächter, die Wangemer Narrenzunft Kuhschelle und die Kißlegger Hudelmale. Bunt, fröhlich, gruslig und schaurig schön anzuschauen, bringen sie Farbe ins triste Grau.

Acht Musikkapellen und Fanfarenzüge blasen dabei sowohl den Hästrägern als auch den Zaungästen gehörig den Marsch. Und das ist auch gut so, denn in Bewegung bleiben ist bei knapp über null Grad und immer wieder Schnee und Schneeregen wichtig – damit die Nase und die Füße nicht einfrieren. „Euer Umzugsweg ist toll!“ wird nach dem Narrensprung eines der Deiflsweiber aus Alleshausen loben: „Am Bodensee beginnen, durch die hübschen Altstadtgassen und über schöne alte Plätze springen und dann wieder am See landen – das hat echt Spaß gemacht. Und voll viele Zuschauer sind da!“

Da hat das Teufelsweib recht. Bereits am Reichsplatz, also am Start, säumen viele Hundert Menschen den Umzugsweg, und das zieht sich bis zum Ende in der Maximilianstraße so durch. Auf dem Moderationswagen vor dem Alten Rathaus stehen Jochen Dreher und Thomas Freilinger, der Zunftmeister der Narrenzunft Lindau und sein Vize, und begrüßen die vorbeispringenden Narrenzünfte mit ihren Rufen und stimmen so manches Geburtstagslied an, weil anscheinend just an diesem Tag einige der Zunftmeister Geburtstag haben. Flankiert sind sie von den Bürgermeistern Karl Schober und Uwe Birk und deren Gattinnen. Es gibt Hexenpyramiden zu sehen und Sauhaufen, viel Konfetti bringen die Narren unters Volk, aber auch viele Bonbons. Die gastgebende Narrenzunft Lindau hat den Umzug angeführt und bildet nun mit ihrer Standarte – den Narreneltern, der Zunft-regierung und den Laufnarren – sowie ihren Binsengeistern, Pflasterbuzen und Moschtköpf den würdigen Abschluss. „Hoppla – Ho!“ am Anfang und „Hoppla – Ho“ am Ende. Und während die Moschtköpf ihre letzten Äpfel an die Zuschauer verteilen, geht am Seehafen die Party längst schon weiter.

Noch ganz viele Fotos zum Narrensprung auf der Lindauer Insel gibt’s unter

www.schwaebische.de/narrensprung-lindau

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