Falsche Beamte machen der Polizei zu schaffen

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Stellen die Kriminalitätsstatistik vor (von links): Kriminaldirektor Albert Müller, Polizeipräsident Werner Strößner und Presse
Stellen die Kriminalitätsstatistik vor (von links): Kriminaldirektor Albert Müller, Polizeipräsident Werner Strößner und Pressesprecher Jürgen Krautwald. (Foto: Julia Baumann)

Illegale Einreisen verfälschen die Statistik

Um zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Bürger Opfer einer Straftat werden, nutzt die Polizei die so genannte Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ). Sie bezeichnet die Anzahl der bekannt gewordenen Straftaten pro 100000 Einwohner. Für Lindau war diese Zahl in den vergangenen beiden Jahren extrem hoch.

Das bedeutet aber nicht, dass Lindau gefährlicher geworden ist. Denn die KHZ errechnet sich aus allen Straftaten, die in Lindau erfasst werden. Dazu gehören auch ausländerrechtliche Verstöße, also Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können. (Zum Beispiel die illegale Einreisen nach Deutschland. Denn die meisten Flüchtlinge begehen bereits eine Straftat, wenn sie Deutschland betreten).

Um vergleichbare Zahlen zu bekommen, bereinigt die Polizei ihre Statistik von den ausländerrechtlichen Verstößen. Dann ist die Kriminalitätshäufigkeitszahl Lindau in etwa auf dem Niveau der vergangenen zehn Jahre. Denn die Anzahl „echter“ Straftaten ist, so Polizeipräsident Werner Strößner, durch die Flüchtlinge nicht angestiegen.

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Immer wieder haben sie im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht: Falsche Beamte, die meist ältere Bürger um ihr Hab und Gut bringen wollen. 260 solcher Fälle haben die Beamten des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West im vergangenen Jahr bearbeitet. Und die Tendenz ist steigend, wie Polizeipräsident Werner Strößner bei der Präsentation der Kriminalstatistik am Mittwochvormittag berichtete. Doch trotz dieses unschönen Phänomens sei der Bereich des Präsidiums, zu dem auch der Landkreis Lindau gehört, noch immer sehr sicher.

Erst am Dienstag hatte es vier Fälle gegeben, in denen Betrüger versucht hatten, ihren Opfern Geld abzuzocken. Zum Glück ist ihnen das, wie in den meisten Fällen, nicht gelungen. „Die Betrüger geben sich als Polizisten, Richter oder Staatsanwälte aus“, so Strößner. Den Opfern würde meist vorgespielt, dass ihr Vermögen in Gefahr sei, zum Beispiel durch einen kriminellen Bankmitarbeiter oder weil es in der Nachbarschaft Einbrüche gegeben habe. Vor einigen Wochen hatten Betrüger einem 89-jährigen Mann aus dem Oberallgäu so 200 000 Euro in Form von Bargeld und Schmuck abgezockt.

Was den Polizeipräsidenten an dieser Masche besonders ärgert: „Die Menschen werden dem Vertrauen in die Beamten massiv beraubt.“ Durch technische Manipulation zeige das Telefon der Angerufenen außerdem oft die „110“ – teilweise mit der jeweiligen Ortsvorwahl – an. „Dadurch wird das Vertrauen in die 110 unterlaufen“, so Strößner. „Diese Entwicklung macht uns richtig Sorgen.“ Allerdings sei die Polizei den Tätern mittlerweile auf der Spur. Die Beamten seien sich mittlerweile sicher, dass die Betrüger von Callcentern in der Türkei aus agieren. „Beim Enkeltrick war es Polen.“

Lindau gehört zu sichersten Regionen Deutschlands

Trotzdem: „Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, ist hier klein“, versichert Strößner. Und auch Sabine Göttler, Chefin der Lindauer Polizeiinspektion, bestätigt im Gespräch mit der LZ: „Wir sind grundsätzlich eine der sichersten Regionen in Deutschland.“ So sei die Straßenkriminalität in Lindau im vergangenen um fast 15 Prozent zurückgegangen, und es wurde weniger geklaut.

Dieser Trend sei vor allem im Bereich der Fahrraddiebstähle deutlich zu spüren: Dort sank die Zahl von 176 auf 131 gestohlene Räder. „Das kann natürlich daran liegen, dass die Leute ihre Fahrräder nicht mehr einfach stehen lassen, sondern abschließen“, so Göttler. Außerdem sei der Kontrolldruck durch die hohe Polizeipräsenz in Lindau groß.

Ebenfalls deutlich zurückgegangen sei die Zahl der Wohnungseinbrüche. In diesem Bereich hatten die Beamten des gesamten Präsidiums von Oktober bis jetzt in einer „Soko Wohnungseinbruch“ Schwerpunktkontrollen durchgeführt. In Lindau hatte es im vergangenen Jahr nur zwölf Wohnungseinbrüche gegeben, was einen Rückgang von fast einem Drittel bedeutet. „Die Zahlen sind deutlich zurückgegangen“, betonte auch Strößner am Mittwochvormittag. Das liege zum Teil an den Schwerpunktkontrollen, zum Teil aber auch an der Hilfe der Bevölkerung. „Wer nachts verdächtige Feststellungen in seinem Wohngebiet macht, sollte die 110 anrufen“, so Strößner. Die Polizei verteilt mittlerweile Flyer, auf denen sie für die Notrufnummer wirbt.

Einzig einen schwarzen Fleck gibt es in der Kriminalitätsstatistik des vergangenen Jahres. Die Gewaltkriminalität ist im Bereich des gesamten Präsidiums leicht angesteigen. 133-mal ist ein Bürger aus dem Landkreis Lindau Opfer eines Raubs, einer schweren Körperverletzung, Mordes oder Totschlags geworden. Allerdings ist die Aufklärungsquote mit fast 90 Prozent in diesem Bereich extrem hoch, wie Kriminaldirektor Albert Müller am Mittwoch versichert. „Dort gibt es meist einen direkten Täter/Opfer-Kontakt.“

Aber auch in den anderen Bereichen klären die Beamten einen Großteil der Verbrechen auf. Mit fast 70 Prozent verzeichnet das Präsidium die höchste Aufklärungsquote seiner Geschichte.

Illegale Einreisen verfälschen die Statistik

Um zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass Bürger Opfer einer Straftat werden, nutzt die Polizei die so genannte Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ). Sie bezeichnet die Anzahl der bekannt gewordenen Straftaten pro 100000 Einwohner. Für Lindau war diese Zahl in den vergangenen beiden Jahren extrem hoch.

Das bedeutet aber nicht, dass Lindau gefährlicher geworden ist. Denn die KHZ errechnet sich aus allen Straftaten, die in Lindau erfasst werden. Dazu gehören auch ausländerrechtliche Verstöße, also Straftaten, die nur von Ausländern begangen werden können. (Zum Beispiel die illegale Einreisen nach Deutschland. Denn die meisten Flüchtlinge begehen bereits eine Straftat, wenn sie Deutschland betreten).

Um vergleichbare Zahlen zu bekommen, bereinigt die Polizei ihre Statistik von den ausländerrechtlichen Verstößen. Dann ist die Kriminalitätshäufigkeitszahl Lindau in etwa auf dem Niveau der vergangenen zehn Jahre. Denn die Anzahl „echter“ Straftaten ist, so Polizeipräsident Werner Strößner, durch die Flüchtlinge nicht angestiegen.

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