Förderverein Hoyerbergschlössle kämpft weiter

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Mehr als 120 Mitglieder und Gäste lauschen den Ideen des Fördervereins Hoyerbergschlössle im Gasthof Köberle.
Mehr als 120 Mitglieder und Gäste lauschen den Ideen des Fördervereins Hoyerbergschlössle im Gasthof Köberle. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Der Förderverein Hoyerbergschlössle hat zu einem Informationsabend eingeladen. Mehr als 120 Mitglieder und Gäste haben teilgenommen. Der Saal im Gasthof Köberle in Bodolz reichte nicht aus und musste vor Veranstaltungsbeginn erweitert werden. Thomas Kubeth, der Vorsitzende des jungen Fördervereins – der im März ins Vereinsregister eingetragen wurde, im April die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erhielt und zu Veranstaltungsbeginn bereits 250 Mitglieder zählte – verschaffte einen Überblick über die bisherigen Aktivitäten.

Pressesprecher Peter Borel streifte durch die Historie des Hoyerbergschlössles, das die Winzerfamilie Gruber 1854 oberhalb des Torggels am Hoyerberg erbaut hat. Es diente als Sommersitz und Erholungsort für die Winzer. 1917, in der Notzeit als Folge des Ersten Weltkriegs, musste Adolf Gruber das Schlössle verkaufen. Er wollte 100 000 Goldmark. Johann Thomann, damals Bürgermeister von Hoyren, befand es für wichtig, das Schlössle im Gemeindebesitz zu behalten und organisierte eine Spendenaktion. Bürger aus Hoyren und Schachen spendeten 65 847,90 Goldmark und haben so geholfen, das Schlössle zu erwerben. 1922 wurden die Gemeinden Hoyren, Aeschach und Reutin in die Stadt Lindau eingemeindet. „Das war wie eine Hochzeit, und als Brautgeschenk brachte Hoyren das wertvolle Schlössle mit“, erzählte Borel. Auf diese Weise kam es in den Besitz der Stadt Lindau.

Das Schlössle gehört den Bürgern

Eine Tatsache, die die Besucher der Infoveranstaltung hellhörig werden ließ: „Dann gehört es ja eigentlich sowieso den Bürgern, wenn es durch Spenden in den Besitz der Stadt übergegangen ist“, sagte jemand. In den Tischgesprächen kritisierten sie, dass die Stadt viele Jahre hohe Pachten kassiert habe, aber nicht in den Erhalt des Hoyerbergschlössles investiert habe. Seit 1926 war eine bürgerliche Gastronomie im Schlössle eingerichtet. Nach mehreren Erweiterungsbauten erlebte es von 1979 bis 2012 eine gute Zeit als Gourmet-Restaurant für höchste Ansprüche. Bis im Dezember 2012 der Pächter das Handtuch warf und seit 2013 die Stadt versucht, das Schlössle zu verkaufen. Gegen den Verkauf erhob sich Unmut in der Bevölkerung, der zu Protesten, Demonstrationen und der Initiative „Finger weg vom Schlössle“ mit Unterschriftensammlungen gegen den Verkauf führte. Die Gründung des Fördervereins sei die logische Konsequenz der Projektwerft im Dezember 2018, sagte Kubeth, weil trotz eindeutiger Bekundung des Bürgerwillens die Zukunft des Schlössles noch immer nicht geklärt sei.

Um dessen Zukunft zu sichern, wolle der Förderverein konstruktiv Konzepte erstellen, die mögliche Nutzungen und ihre Machbarkeit berücksichtigen, um als ernstzunehmender Gesprächspartner für die Stadt Lindau aufzutreten. „Immer mit dem Ziel, zu überlegen, wie man das Hoyerbergschlössle für die Bevölkerung erhalten kann“, sagte Barbara Fuchs und bat, die einzelnen guten Ideen nicht in einen Wettkampf ausarten zu lassen. Denn dass die Mitglieder des Fördervereins realistische Mitdenker sind, zeigten ihre vielen kritischen Fragen. Anton Ziegler berichtete zur Idee eines Inklusions-Cafés. Er sei am Thema dran, aber er wolle keine Hoffnungen schüren, solange keine klare Entscheidung getroffen sei. „Sobald grüne Lichter am Horizont leuchten, gibt es Gespräche, um weiter an Lösungen zu arbeiten“, sagte er.

Stadtrat Roland Freiberg bekannte sich als Freund des Hoyerbergschlössles, indem er verkündete, an diesem Abend Mitglied Nummer 251 des Fördervereins zu werden. „Sie sind auf einem guten Weg, wenn Sie zeigen, dass Ihr Bürgerengagement ernst gemeint ist, und Sie nicht bereit sind, alle Entscheidungen der Politik zu überlassen.“ Seiner Meinung schloss sich Stadtrat Günther Brombeiß an, der ebenfalls das Schlössle in der Hand der Stadt sehen möchte. „Wir haben bald Kommunalwahlen. Erarbeiten Sie ein gutes Konzept und machen Sie das Hoyerbergschlössle zu einem wichtigen kommunalpolitischen Thema“, sagte er.

„Wir hoffen sehr, dass die Stadträte in ihrer nächsten Sitzung beschließen, dass die Stadt das Hoyerbergschlössle behält“, schloss Anton Ziegler. Sobald das entschieden sei, wolle der Förderverein die Stadt unterstützen, mit einem guten Konzept Zuschüsse zu akquirieren, um das Hoyerbergschlössle wieder in einen guten Zustand zu versetzen. „Keine Sorge, wir geben nicht nach. Wir werden zu einem Ergebnis kommen.“

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