Experten wünschen sich mehr Mut und Experimentierfreude

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Lecker auf Cracker oder Burger: Kerstin und Andreas Zwick von „Jim’s Club“ servieren ihre Relish-Soßen.
Lecker auf Cracker oder Burger: Kerstin und Andreas Zwick von „Jim’s Club“ servieren ihre Relish-Soßen. (Foto: beg)
Schwäbische Zeitung
Bernadette Lindebacher

Große Ideen können, müssen aber nicht in erfolgreiche Unternehmen münden. Warum das so ist und „Wie aus einer brillanten Idee ein Erfolgsunternehmen wird“, dieser Frage widmete sich am Mittwoch eine fünfköpfige Expertendiskussion in der Spielbank Lindau. Eingeladen hatte die Marketing Community Bodensee unter Präsident Jürgen Rockstroh, der junge Start-ups aus der Region begrüßte. Präsentation und Diskussion, kenntnisreich und locker moderiert von Rolf Benzmann, gewährten einen Einblick in die länderübergreifende Gründerszene am Bodensee.

„Eine innovative Idee mit skalierbarem Geschäftsmodell“, ist nach Philipp Kessler, Geschäftsführer von „Startup Netzwerk Bodensee“, die Definition des Begriffs Start-up. Vom „normalen Gründer“ unterscheidet sich ein Start-up in erster Linie durch Kreativität und Mut, eine neue, unkonventionelle Idee zu realisieren.

Start-ups am Bodensee sind noch Mangelware

50 Start-ups aus drei Ländern am Bodensee kann Kessler in seinem Netzwerk vorstellen. Auch Mark Leinemann, Gründer von „CrowdFoods“ und ebenfalls Teilnehmer der Diskussionsrunde, ist Teil des Netzwerks und stellte der Region ein gutes Zeugnis aus: „Am Bodensee gibt es überdurchschnittlich viele Food-Start-ups.“

Auf Nachfrage von Benzmann ergänzte Andreas ter Woort, Start-up-Manager an der School of Entrepreneurship in Albstadt: „Im süddeutschen Raum gibt es geniale Ingenieursleistungen, aber nicht den Mut zur Gründung.“ Warum das so ist, konnte Benedikt Otte, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bodenseekreis, erklären: „Am Bodensee gibt es viele stabile Unternehmen mit langjährigen Arbeitsverhältnissen. Ältere Menschen gründen seltener, darüber hinaus wurden die Fördergelder für Gründer empfindlich gekürzt.“ Diesen Eindruck bestätigte ein Experte im Publikum: Tim Becker, Leiter CRM beim Ernährungsspezialisten „nu3“, sieht seine Heimatstadt Berlin als „strukturschwache Region“, die gerade deshalb sehr viele Start-ups und ungewöhnliche Ideen versammelt.

Was macht gute Gründer mit Erfolg jetzt aus? Jens Freiter, Mitgründer von holidaycheck.de, achtet als Business Angel, das heißt strategischer und finanzieller Unterstützer junger Unternehmen, auf folgende Faktoren: „Die Start-ups sollten für das Gespräch vorbereitet sein, Zahlen und Fakten sollten stimmen. Die Leidenschaft ist wichtig, aber auch das Timing des Produkts oder der Dienstleistung.“ Coach ter Woort bestätigte: „Ich teste bei Klienten gerne die Motivation. Unternehmer sollten den Mut haben, bei Sturm zu segeln.“

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass Leidenschaft und Mut der Schlüssel zum Erfolg sind. Otte ging aber noch einen Schritt weiter: „Nicht nur die Gründer, auch die zukünftigen Kunden sollten mehr Mut beweisen. Testen Sie neue Lebensmittel oder Dienstleistungen, probieren Sie etwas aus!“ Das nutzten die Gäste und suchten den regen Austausch mit den anwesenden Food-Unternehmern: Alex Thurnher von den „Limomachern“ aus Dornbirn, Kerstin und Andreas Zwick von „Jim’s Club“, die pikante Aufstriche servierten, und Leinemann, der die Schweizer Seegras-Pasta „I sea Pasta“ aus seiner Food-Community vorstellte.

Köstlich-klassisch war das Buffet, das zum ersten Mal der neue Pächter des Spielbank-Restaurants ausrichtete: Bei Vincenzo Rosatos leckeren Antipasti klang der Abend aus.

Start-ups aus der Region:

www.crowdfoods.com

www.jimsclub.at

www.limomacher.at

www.startup-netzwerk-bodensee.com

Das Programm der Marketing Community Bodensee steht auf

www.mcbodensee.de

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