EV Lindau sagt noch Nein zur Oberliga

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Fans und Spieler des EVL feiern am Gründonnerstag in Höchstadt die Meisterschaft in der Bayernliga. Die EV Lindau Islanders verz
Fans und Spieler des EVL feiern am Gründonnerstag in Höchstadt die Meisterschaft in der Bayernliga. Die EV Lindau Islanders verz (Foto: Christian Flemming)
Schwäbische Zeitung
Daniel Riedmüller

Die EV Lindau Islanders verzichten auf ihr Recht als Bayerischer Meister an den Aufstiegsspielen zur Oberliga teilzunehmen. Damit wird nicht in zwei Entscheidungsspielen gegen den Meister der Regionalliga Süd-West, den EHC Eisbären Heilbronn um einen Platz in der Oberliga gekämpft. Die Neckarstadt steht somit als Aufsteiger fest.

Im Gespräch mit „RSA Radio“ erklärte der 1. Vorsitzende und sportliche Leiter Bernd Wucher ausführlich die Gründe für den Rückzug. Die Rahmenbedingungen hätten einfach nicht gestimmt. „Uns hat das überfrachtet“, sagte Wucher während der offiziellen Aufstiegsfeier am Ostersonntag. Das Thema sei zu schnell auf die Verantwortlichen zugekommen. „Wir hätten nie damit gerechnet, dass wir mit der Oberliga diese Saison überhaupt konfrontiert werden“, erklärte Wucher weiter.

„Loses Geschwätz“

Vor allem finanziell sei der Aufstieg für die Islanders derzeit nicht zu stemmen. „Wir haben natürlich mit einigen Vereinen als potenzielle Kooperationspartner gesprochen. Mehr als ein loses Geschwätz kam dabei aber nicht herum“, so Wucher. Dem Verein sei das Risiko in der Oberliga zu groß.

Die Vorstandschaft habe sich über Jahre etwas aufgebaut, das nun nicht mit einem verfrühten Aufstieg gefährdet werden solle. Man sollte auch bedenken, dass der EVL erst vor vier Jahren in die Bayernliga aufgesteigen sei. Ein Verzicht auf ewig sei dies aber auf gar keinen Fall: „Wir sind nun motiviert, dieses Thema anzugehen, aber seriös. Ich werde die Oberliga nicht aus dem Blick verlieren“, versprach Wucher den EVL-Fans. Negative Beispiele von Vereinen, die den Aufstieg angingen, aber an den eigenen Erwartungen scheitern, gäbe es zuhauf. „Erding hat zum Beispiel 125 000 Euro Schulden in nur zwei Jahren Oberliga angehäuft“, erklärte Wucher. Es würde in seinen Augen außerdem keinen Sinn machen, wenn ein einzelner Sponsor 100 000 Euro auf den Tisch legen würde. „Wenn es dem dann eines Tages nicht mehr gut geht, ist auch der EVL kaputt“, so Wucher. Man wolle die komplette Sponsorenschaft mit ins Boot holen. Lieber soll von 100 Sponsoren jeder 1000 Euro mehr geben. „Wenn dann einer ausfällt, sind wir weiterhin auf der sicheren Seite und können das abfangen.“

Auch die Mannschaft und allen voran Kapitän Tobias Fuchs, der im Finalspiel höchstpersönlich den entscheidenden Treffer in Höchstadt zum 4:3 erzielte, kann die Entscheidung der Vorstandschaft vollumfänglich nachvollziehen. „Wir hatten das auch im Mannschaftskreis besprochen. Klar wäre es sportlich eine tolle Herausforderung Oberliga zu spielen, aber wir wissen, dass das vor allem für den Verein noch keinen Sinn machen würde.“

Man sei zufrieden, dass die Vorstandschaft um den EVL das genau so sehen würde und so entschieden hat. Anmerkung: auch die Trainer Buchwieser und Schwarzbart wurden in die Entscheidung voll mit einbezogen!

Übrigens: Auch der Final-Verlierer aus Höchstadt, der durch den Verzicht die Möglichkeit gehabt hätte, gegen Heilbronn anzutreten, verzichtete auf einen möglichen Aufstieg. HEC-Präsident Axel Rogner sagte den „Nordbayerischen Nachrichten“, dass man nur als Meister aufgestiegen wäre: „Ansonsten haben wir da oben nichts verloren.“

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