„Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“

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Jugend trifft auf Politik: Beim IBK-Jugendtag wurde viel diskutiert. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
Christian Roder

„Ich bin grundsätzlich politisch interessiert und engagiert“, sagt der 19-jährige Tommy Smith. Mit dem Abitur in der Tasche absolviert er jetzt den Bundesfreiwilligendienst und ist nebenbei noch Kreisvorsitzender der Jusos im Kreis Ravensburg. Dagegen gesteht Selina Gjikolli (17) aus Wasserburg ein: „Ich habe mit Politik eigentlich gar nichts zu tun.“ Dennoch sei sie an der Veranstaltung „sehr interessiert“ gewesen, da sie als Mitarbeiterin im Lindauer Jugendzentrum gelegentlich Probleme lösen müsse.

Sowohl Tommy als auch Selina sind zwei der rund 30 Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren aus Österreich, Schweiz, Liechtenstein und Deutschland, die im Hotel Bad Schachen mit den Regierungsvertretern der Mitgliedsländer und -kantone der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK) über zehn von den Jugendlichen ausgewählten Themen diskutierten. Viele der jungen Erwachsenen sind Mitglieder der Schülermitverwaltung (SMV), eines Jugendparlaments oder einer Partei. „Wir waren uns im Vorfeld nicht sicher, ob die Jugendlichen vielleicht zu schüchtern und die Politiker zu distanziert auftreten“, sagt Thomas Drexel, Mitarbeiter bei der IBK. In dieselbe Kerbe schlägt auch Felix Strasser, Moderator des Jugenddialogs: „Ich hatte die Sorge, dass die Jugendlichen nicht auf Augenhöhe mit den Politikern diskutieren können.“

Umso überraschender war also die lockere Atmosphäre, die im Park des Hotels während den Diskussionen herrschte. Die jungen Erwachsenen konnten eigene Ansichten und Anliegen formulieren und Einblicke in den Arbeitsalltag von Politikern gewinnen, während Politikvertreter die Sicht der Jugendlichen auf aktuelle Themen interessierte. Auch überraschende Ansichten waren teilweise Teil der Debatten. Der Schweizer Patrik Portmann aus Schaffhausen äußerte sich bei der Diskussion um die Eurokrise so: „Irgendwann werden Staaten so miteinander verflochten sein, dass sie sich zusammenschließen müssen.“

Andererseits wurden auch persönliche Dinge ausgetauscht. So erfuhren die jungen Menschen beispielsweise von Dr. Claudius Graf-Schelling, Regierungsrat im Kanton Thurgau, wann er geheiratet und seine Familie gegründet habe. Einige Politiker bemühten sich offensichtlich auch in ihrer Wortwahl um Augenhöhe mit den Jugendlichen. Ernst Stocker, Regierungsrat im Kanton Zürich, bezeichnete jedenfalls das allgemeine Reden vom Sparen als „affengeil“.

„Es war für mich ganz anders als gedacht“

Auch Kritikpunkte waren Bestandteil der Debatten, die meist in mehreren kleinen Gruppen stattfand. Michael Egger aus Lochau äußerte sich besorgt darüber, dass sich Politiker auf oberster staatlicher Ebene nicht benehmen könnten. Die Lindauerin Nathalie Lutterloh (17) war nach der Veranstaltung begeistert: „Ich fand's total interessant, Politikern Fragen zu stellen, die mir schon lange auf dem Herzen lagen. Ich wollte aber auch sehen, ob es andere Jugendliche gibt, die sich für die aktuellen politischen Themen interessieren.“ Thomas Radke, der stellvertretende Geschäftsführer sagte im Gespräch: „Es ist unser langfristiges Ziel, dass Menschen aus dem Bodenseeraum miteinander in Kontakt treten. Später sind die heutigen Jugendlichen unsere Entscheidungsträger und müssen Rahmenbedingungen für folgende Generationen schaffen. Deshalb müssen auch sie heute schon Verantwortung übernehmen.“

Dass dies der Internationalen Bodensee Konferenz und seinem Team gelungen ist, zeigt die Aussage Malte Bolls (15), einem Schüler an der Freien Schule Lindau: „Für mich war es ganz anders als gedacht. Ehrlich gesagt habe ich es mir eher langweilig vorgestellt. Aber es war überaus locker, spaßig, aber auch informativ und aufschlussreich.“

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