Erste Tagung der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten startet in Lindau

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Mehrere Personen stehen vor einigen Zuschauern
Gabriele Meyer-Enders (rechts) und ihr Mann Rudolph Meyer (links daneben) stellen das Team des Kölner Instituts für Kindertherapie vor, das die erste Tagung der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in Lindau orhganisiert hat: (von links) Ursula und Wolfgang Heine, Mona Lang, Matthias Degner, Ulrich Jungblut und Barbara Kunz. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Die Stadt Lindau entwickelt sich zur Hochburg für Psychotherapeuten aller Art. So hat jetzt die erste Tagung für Kinder und Jugendpsychotherapie (KJP) in der Lindauer Inselhalle begonnen. Mit ihren rund 170 Teilnehmern ist sie im Vergleich zur großen Schwester, den Lindauer Psychotherapiewochen, noch ein kleines, aber wichtiges Pflänzchen, so Gabriele Meyer-Enders, die Vorsitzende der Akademie, die im vergangenen Herbst aus dem Kölner Institut für Kindertherapie (KIKT) hervorgegangen ist.

Im Jahr 2000 war Meyer-Enders erstmals in Lindau bei den Psychotherapiewochen und nach ihren Worten fragte sie sich, was sie als Therapeutin für Kinder und Jugendliche dort überhaupt zu suchen habe. Diese Frage hatte sich alsbald erledigt, erzählte sie bei der Eröffnung zu ihrer ersten eigenen Tagung. Allein die legendären Partys seien ein ideales Feld gewesen, Kontakte zu knüpfen. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sie hierher an den Bodensee kommen sollte. Die Verbindung von Fachtagung und der Atmosphäre der Inselstadt inspirierte sie dazu, genau hier ihre eigene Tagung für Kinder- und Jugendpsychotherapie, genau hier ansiedeln wollte.

Den Bedarf nach einer solchen Tagung sieht sie durchaus gegeben. „In der heutigen Zeit ist es sehr wichtig, die Kinder- und Jugendpsychotherapie zu stärken“, betonte Meyer-Enders und freute sich, dass so viele aus diesem Bereich sich angemeldet hätten – obwohl sie noch gar nicht so genau wüssten, was da auf sie zukomme, wie sie lachend anfügte.

In der intensiven Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bräuchte es aber immer wieder Unterstützung, Anregungen und Interventionsmöglichkeiten, Vorbilder, Austausch und den Blick über den Zaun.

Über Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Um neuen Herausforderungen, die kaum überschaubar seien, und Zukunftsperspektiven, die oftmals bedrohlich wirkten, positiv entgegengehen zu können, sollte die eigene Psychotherapie nicht vernachlässigt werden, so die Vorsitzende. Dies alles mit der Kombination von Entspannung auf der Lindauer Insel, einer Auszeit vom Alltag soll also nun ein Highlight im Berufsalltag werden, was Stadtrat Mathias Hotz, der für die Stadt Lindau Grußworte sprach, dafür nutzte, die Vorzüge Lindaus anzupreisen, etwa die inspirierende Offenheit, die die Nobelpreisträger als „Spirit of Lindau“ bezeichnen würden.

Grußworte ganz anderer Art entlockte Gabriele Meyer-Enders drei Psychotherapeuten aus dem Dreiländereck. Dazu stieg sie mit einem Fallbeispiel ein. Die zwölfjährige Marie lebt bei der Mutter, die seit sechs Jahren von Maries Vater getrennt ist. Dieser lebt fernab und hat kaum Kontakt zu ihr, jedoch haben beide Elternteile das gemeinsame Sorgerecht. Marie schläft schlecht, zieht sich immer mehr zurück. Nun war die Frage, wie das Procedere bis zu einer Therapie in Deutschland, der Schweiz und Vorarlberg abläuft.

Wolfgang Kessler, Bildhauer, Kinder- und Jugendtherapeut sowie Supervisor und Sozialpädagoge aus Immenstadt, beschrieb, welche Möglichkeiten seitens der Therapie es hier gebe einschließlich Entlohnung, was Hanna Wintsch aus St. Gallen fast neiderfüllt auf das deutsche Nachbarland blicken ließ. Die Psychotherapeutin, Psychotraumatologin und Psychoonkologin umschrieb ansatzweise, wie kompliziert das in der Schweiz sei, sogar in allen Kantonen gleich. Wo doch sonst alles in jedem Kanton anders sei, „selbst das Kinder kriegen“. Moderater, wenngleich auch reichlich komplex beschrieb Bernhard Fuchs aus Bregenz die österreichische Variante, zu der Vorarlberg noch ergänzende, eher hilfreiche Lösungsansätze parat habe, denn am Geld solle eine Behandlung dort nicht scheitern.

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